Vergleich Diesel gegen Hybrid

Diesel oder Hybrid? Fünf SUV im Vergleich Diesel oder Hybrid? Fünf SUV im Vergleich

Vergleich Diesel gegen Hybrid

— 23.01.2006

Weist Lexus den Weg?

SUV plus Diesel: Nur so lässt sich Sprit sparen – dachten wir bis jetzt. Lexus zeigt, daß es auch anders geht – mit einem Elektro-Benziner. Müssen wir jetzt umdenken?

Der Lexus RX 400h hat bei uns schon beinahe Kumpel-Status. Insgesamt fünfmal beschäftigte sich AUTO BILD bereits mit dem innovativen Japaner. Schon beim ersten Fahrbericht haben wir besonders tief unter seine Haube geguckt. Schließlich soll hier die Kraft der zwei Herzen für besonders sparsamen SUV-Spaß sorgen. Daß der Hybrid-Kumpel trotz Öko-Touch im Antrieb ordentlich Mumm entwickelt, bewies er uns bei dieser ersten Probefahrt eindrucksvoll. Und Anlagen zum Sparmeister entdeckten wir auf einer Mammut-Verbrauchsrunde, die quer durch die USA führte ebenfalls. Charakterschwächen zeigte der Lexus RX 400h erstmals im Sommer, 15 Wochen später: Hier traf er auf bewährten Diesel-Maßstab. Wir fuhren die gleiche USA-Tour noch einmal, nun zusammen mit einem Mercedes ML 320 CDI.

Kurz gesagt: Auf den tempokastrierten Highways der Staaten konnte das Hybrid-Konzept dem modernen und damals noch sparsameren Diesel-SUV nicht die Richtung vorgeben. Das wahre Potential können wir erst in Deutschland – mit Staus in der Innenstadt, verstopften Bundesstraßen und schnellen Autobahnetappen – herausfinden. Also erster Test bei uns, einschließlich penibler Abgasuntersuchung, aufwendiger Verbrauchsfahrt mit Extra-Runden in der Stadt und auf der Autobahn. Ergebnis: Au weia! Auch wenn die Abgas-Bilanz wahrlich rosig ausfiel, die vom Werk versprochenen Verbrauchswerte erreichte der Lexus bei weitem nicht. Jetzt also die nächste Prüfung für den Hybrid-Lexus: der Vergleichstest. Kann der RX die etablierte Diesel-Konkurrenz auch im Hinblick auf praktische Tugenden schlagen?

Der Jeep ist nur scheinbar ein Schnäppchen

Wir lassen den 211 PS starken Lexus gegen vier "normale" SUV antreten. Dem 49.750 Euro teuren RX 400h stellen sich: BMW X5 3.0d (218 PS; ab 48.100 Euro), ML 320 CDI (224 PS; 48.662 Euro), VW Touareg V6 TDI (225 PS; 46.700 Euro). Als Neuling kommt noch der Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD (218 PS) hinzu, der mit 41.900 Euro Grundpreis in der Liste steht. Der deutlich günstigere Ami klingt nach einem echten Sonderangebot. Ist er aber nicht. Denn die Ausstattung ist – am Lexus gemessen – mager. Beim Japaner sind beispielsweise sieben Airbags (inklusive Fahrer-Knieairbag), Klimaautomatik, CD-Wechsler, Xenonlicht und 18-Zoll-Aluräder serienmäßig an Bord. Will man den Jeep nur annähernd ähnlich bestücken, kommt nur die edle Limited-Version in Frage (45.990 Euro). Und selbst dann fehlen noch wichtige Extras. Xenonlicht gibt es wie Seitenairbags überhaupt nicht, von 18-Zoll-Rädern dürfen Jeep-Kunden hier nur träumen. Die Nebellampen werden extra berechnet.
Ähnlich ist es bei den anderen Kandidaten: Mit entsprechend vielen Komfort-Extras bestückt wie der RX, summieren sich die Grundpreise zu deutlich größeren Posten. Ein Touareg wird rund 51.000 Euro teuer, Mercedes und BMW überspringen sogar die 52.000-Euro-Grenze. Aber bei aller Freude über eine üppige Grundausstattung des Lexus: Daß es eine Lenkrad-Längsverstellung oder adaptives Kurvenlicht nur im Paket mit der 4550 Euro teureren Executive-Ausstattung gibt, ist schlicht erbärmlich.

Bis zu 25 Liter Super bei Vollgas

Auch die inneren Werte stimmen nur wenig versöhnlich. Den Bonus einer verschiebbaren Rückbank verschenkt der RX durch eine leicht schräge Ladefläche bei umgeklappter Lehne. Und in der Fünfsitzer-Aufstellung bleibt auch nur der kleinste Kofferraum des Vergleichs. VW und Mercedes protzen mit riesigen Öffnungen, Jeep mit ordentlichem Maximal-Fassungsvermögen und BMW mit einer praktischen Lösung der zweigeteilten Klappe. Die bequemsten Sitze – auch hinten – stellt die M-Klasse. Da kommen BMW und VW zumindest dicht heran. Die Jeep-Sessel bieten in Kurven etwas wenig Seitenhalt, im Lexus fehlt es an Länge der Auflage.

Genug Praxis – wie steht es um den wichtigsten Aspekt: den Verbrauch? Lexus verspricht für den RX einen Normverbrauch von 8,1 Liter Super auf 100 Kilometer. Toll, für ein großes SUV. Aber: Mit diesem eher theoretischen Lexus-Wert liegen die Werksangaben um rund vier Liter unter der Realität. Wir haben genau 12,0 Liter verbraucht. Schlimmer wird es noch, wenn ein schnell gefahrener Autobahnanteil dazukommt. Auf Vollgasetappen rauschen dann über 25 Liter Superbenzin durch die Einspritzdüsen des Lexus-V6. Aber: In der Stadt geht die Taktik des Benzin-Elektro-Systems voll auf. Hier kommt der RX 400h mit bis zu vier Litern weniger Sprit aus als die Diesel. Das ist ein hervorragendes Ergebnis. Unterm Strich reicht das aber nicht, um die Diesel zu schlagen.

X5 knausert am besten

Speziell BMW dürfte die Bilanz des Hybrid-Lexus nur müde belächeln. Der X5 3.0d kommt insgesamt mit unter zehn Liter Diesel auf 100 Kilometer aus, selbst auf der Autobahnetappe hat der große BMW "nur" 16,9 Liter verfeuert. Unterboten wird der Vollgas-Wert noch vom Mercedes. Dessen Siebengangautomatik hält die Drehzahl des drehmomentstarken V6 bei Tempo 200 und mehr besonders niedrig. Ergebnis: Er verbraucht glatte zehn Liter weniger als der Lexus unter diesen Bedingungen.

Bei den Dieseln die Schlußlichter: Jeep und Touareg mit jeweils über elf Liter Verbrauch. Die Verbindung aus kantiger Karosserie-Form und alter Fünfgangautomatik vereitelt besonders beim Jeep bessere Werte. Auch sorgt das insgesamt höhere Drehzahlniveau des Grand Cherokee für einen herberen Umgangston. Aus dem Motorraum des Jeep rumort es entsprechend kräftiger, dazu kommen lautere Reifen- und Windgeräusche. Mustergültig: die Geräuschkulissen von BMW, Mercedes und VW. Außer seichtem Knurren ist von deren Motoren kaum etwas zu hören.

Lexus verschenkt dagegen etwas von der prinzipiell besseren Laufkultur eines Benziners. Der 3,3-Liter-V6 ist im Kern ohnehin ein etwas härterer Geselle, zudem gibt er seine Kraft stufenlos weiter. Was leider einen stets etwas gehetzt wirkenden Eindruck mit entsprechender Geräuschkulisse hinterläßt. Lauter ist er jedoch nicht.

Flotte Sache: die M-Klasse

Daß der Hybrid-Antrieb sich auch sonst nicht hinter den bekanntermaßen mächtig anschiebenden Dieseln der Konkurrenz verstecken muß, zeigt ein Blick auf unsere Meßwerte. Beim Sprint und im Zwischenspurt braust er den Diesel-Dampfern sogar relativ lässig davon. Die Höchstgeschwindigkeit des RX ist jedoch auf Tempo 200 elektronisch begrenzt. Dann muß er VW (205 km/h), BMW (210) und Mercedes (215) vorbeiziehen lassen, kann nur dem gleich schnellen Jeep folgen. Macht nichts – schließlich will der RX ohnehin eher komfortabler Tourer sein. Die zu gefühllose Lenkung und eine weiche Abstimmung der Federung passen wie der Antrieb sowieso besser zum gemächlichen Reisen auf einem Highway als zum Serpentinen-Stürmen.

BMW und Mercedes sind hier die Meister. Besonders der sportlich abgestimmte BMW mit seiner direkten Lenkung kaschiert sein hohes Gewicht erfolgreich. Gleich dahinter wedelt die M-Klasse durch Kurven. Der Mercedes reagiert allerdings etwas verhaltener auf Bewegungen am Lenkrad. Dagegen geht er auf grobe Fahrbahnoberflächen deutlich geschmeidiger ein als der unsensible X5. Auch der VW bietet artgerechten sanften Federungskomfort. Mit dem Unterschied, daß sich der Touareg in Kurven spürbarer neigt als ML, RX und X5.

Letztlich deklassieren alle vier den zuweilen stark wankenden und nach derben Schlaglöchern in der Karosserie nachzitternden Jeep. Daß der Grand Cherokee zudem nicht einmal einen Rußfilter aufweist, distanziert ihn vollends von der feinstaubfreien Konkurrenz. Vom moralischen Abstand des räuchernden Jeeps zum blitzsauberen Hybrid-System des Lexus wollen wir lieber gar nicht erst sprechen.

Was wir aber auch einem alten Kumpel nicht verzeihen: Die Bremsleistung des Lexus mit maximal 41 Metern (nur der Jeep ist mit fast 43 Metern schlechter) mag so gar nicht zum High-Tech-Charakter seines Antriebs passen. Damit kann Mutter Toyota sich nicht zufriedengeben. In diesem Punkt weisen ganz klar die deutschen Diesel-SUV den Weg. Den kompletten Vergleichstest mit allen Daten, Fakten und Ergebnissen erhalten Sie für 1,00 Euro über unser Heftarchiv. Klicken Sie einfach auf diesen Link, schon sind Sie im Download-Bereich.

So funktioniert der Lexus-Hybridantrieb

Der Lexus RX 400h hat drei Motoren. Einen 3,3-Liter-V6-Benziner (1) mit 211 PS und zwei Elektromotoren (2 und 3). Bei sanftem Anfahren und Schrittempo treibt der vordere Elektromotor an. Wird stärker Gas gegeben, schaltet sich schnell und ruckfrei der Benziner zu. Bei vollem Leistungseinsatz (und bei Schlupf) schiebt zusätzlich der hintere Elektromotor (50 kW) an. Beide Elektrotriebwerke zusammen liefern 485 Nm Drehmoment, das bereits im Stand zur Verfügung steht.

Die vordere Kraftverteilung erfolgt über ein Planetengetriebe (5) sowie über eine Kraftweiche (4), die den Generator (6) versorgt. Dieser erzeugt bis zu 109 Kilowatt (kW), lädt 30 Nickel-Metall-Hydrid-Akkumodule (8) unter der Rückbank, wirkt auch als Anlasser für den V6. Der Generator dient zudem als Bremse. Beim Tritt aufs Pedal arbeitet er wie ein Dynamo. Sein magnetisches Kraftfeld erzeugt dabei einen hohen Widerstand, bremst so das Fahrzeug ab und lädt die Akkus. Nur beim scharfen Verzögern kommt die normale Bremsanlage zum Einsatz.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für BMW X5 3.0d, Jeep Grand Cherokee 3.0 CRD, Lexus RX 400h 3.3 HSD, Mercedes ML 320 CDI und VW Touareg V6 TDI. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Jan Horn

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