Vergleich: Drei getunte Audi RS6 Avant — 11.11.2008

Sechs mit Zusatzzahl

Gibt es wirklich Menschen, die sich einen 580 PS starken Audi RS6 vor die Tür stellen und dann über Leistungsmangel klagen? Die Tuner Abt, MTM und Sportec meinen ja und verpassen ihren V10-Geschossen bis zu 702 PS.

Der neue Audi RS6 ist für die Ingolstädter schon jetzt ein Hauptgewinn. Stellen sie doch damit den stärksten Serienkombi der Welt und übertreffen damit sogar ihren Supersportler R8 klar. Unter der Haube des Renntransporters steckt der bekannte V10-Zylinder, den die Bayern von der Tochtermarke Lamborghini übernehmen und – mit Benzin-Direkteinspritzung bestückt – auch in die Typen S6 und S8 einbauen. Im Falle des neuen RS6 allerdings kommen noch zwei Turbolader hinzu, die dem fünf Liter großen Triebwerk gewaltig Druck machen. Genauer gesagt 580 PS und 650 Newtonmeter. Der 4,93 Meter lange und über zwei Tonnen schwere Bodybuilder fährt sich schon in der Serienversion nicht einfach nur souverän, sondern omnipotent – er kann und will immer. Doch wie es eben so ist: Auch die Tuner können und wollen immer und noch mehr.

Abt packt 700 PS und 800 Newtonmeter unter die RS6-Haube

Der V10-Biturob von Tuner MTM ist mit 702 PS der stärkste RS6 im Vergleich.

Abt, MTM und Sportec bieten für den Überkombi Tuningmaßnahmen an. Dabei reden wird von 650 bis 702 PS. Die Vorgehensweisen zur Leistungssteigerung sind dabei nahezu identisch. Das Hauptaugenmerk der drei Spezialisten liegt auf der Neuprogrammierung verschiedenster Kennfelder im weit verzweigten Geflecht der Motorelektronik. Unterschiede gibt es natürlich trotzdem. Zurückhaltend, ja fast unauffällig tritt der RS6 von Abt Sportsline auf. Dafür klotzt der Abt RS6 mit inneren Werten: 700 PS und ein Drehmomentzuwachs um 150 auf 800 Newtonmeter versprechen die Kemptener. Doch angesichts solcher Werte enttäuschen die Resultate der Beschleunigungsmessungen: Signifikant schneller als die beiden anderen Testkandidaten ist er nicht. Gute Noten holt sich der Abt-Avant auf der Rennstrecke; auf dem Nürburgring erzielt er die zweitbeste Zeit.

Die gewaltigen 22-Zöller sind dem Sportec zu groß

Schweizer "Zurückhaltung": Sportec quetscht 22-Zöller in die Radhäuser.

Noch wohler fühlt sich der MTM RS6 R auf dem Nürburgring. Mit 702 Pferden unter der Haube schiebt der schwarze Audi mess- und fühlbar zügiger an als seine beiden Kombi-Kollegen. Mit der Leistung steigt auch sein Drehmoment, das nun bei 785 Nm gipfelt und von 2750 bis 6280 Touren ansteht. Kommen wir zum Dritten im Bunde: Der Sportec RS 650 begeistert schon im Stand. Mit seinen gewaltigen 22-Zoll-Rädern, der 30-Millimeter-Tieferlegung und etwas mehr Aluminium im Innenraum sticht er schon optisch hervor. Im öffentlichen Verkehr stakst er dann aber mit dem getunten Fahrwerk steifbeinig umher, fährt sich unkomfortabel. Zudem erweisen sich die 22-Zöller beim ersten Wendemanöver als eine Spur zu üppig: Sie schleifen an der Radhausschale. Ein weiteres Manko kündigt sich bei den Messfahrten an. Das Automatikgetriebe reagiert zeitweise nicht auf manuelle Befehle. Dazu kommt, dass der Sechsstufenautomat die Gänge immer wieder kurz am Drehzahlbegrenzer festhält. Nach mehreren Versuchen reicht es dennoch zu 4,4 Sekunden auf 100 und 13,0 Sekunden auf 200 km/h. Und das mit "nur" 650 PS!

Das Fazit vom Nürburgring lautet: Diese Autos gehören nicht auf die Rennstrecke. Mit Zeiten von 1:47 Minuten ist noch der Schnellste drei Sekunden langsamer als ein 300 PS schwächerer Audi R8. Den getunten RS6 ist deutlich anzumerken, dass fast 60 Prozent ihres Gewichts auf der Vorderachse lasten. Ihr Revier ist eindeutig die Autobahn. So schnell und unkompliziert kann man selten mit 300 km/h über die Bahn fliegen und sich mit Porsche und Co. messen.

Den kompletten Artikel mit allen Tabellen finden Sie in der AUTO BILD SPORTSCARS 11/08 oder im Heftarchiv als pdf.

Technische Daten
ABT RS6 MTM RS6 R SPORTEC RS 650
Motor V10, Biturbo V10, Biturbo V10, Biturbo
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 4991 cm³ 4991 cm³ 4991 cm³
Bohrung x Hub 84,5x89,0 mm³ 84,5x89,0 mm³ 84,5x89,0 mm³
Verdichtung 10,5:1 10,5:1 10,5:1
KW (PS) 1/min 515 (700)/6250 517 (702)/6360 478 (650)/6300
Literleistung 140 PS/Liter 141 PS/Liter 130 PS//Liter
Nm bei 1/min 800 785 760
Antrieb Allrad Allrad Allrad
Getriebe 6-Stufen-Automatik 6-Stufen-Automatik 6-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 390 mm 405 mm 390 mm
Bremsen hinten 356 mm 356 mm 356 mm
Radgröße 9x20 10,5x21 10x22
Reifengröße 275/35 R 20 285/30 R21 265/30 R22
Leistungsgewicht 3,1 kg/PS 3,0 kg/PS 3,3 kg/PS
Zuladung 503 kg 522 kg 502 kg
Tankvolumen 80 Liter 80 Liter 80 Liter
Messwerte
0-100 km/h 4,5 s 4,2 s 4,4 s
0-200 km/h 13,9 s 13,0 s 13,0 s
0-300 km/h 35,4 s 38,8 s 36,3 s
60-100 km/h 2,1 s 2,0 s 2,0 s
80-120 km/h 2,5 s 2,4 s 2,3 s
Bremsweg
100-0 km/h (kalt) 35,5 m 34,5 m 37,0 m
100-0 km/h (warm) 36,0 m 35,8 m 38,9 m
Testverbrauch
auf 100 km (SuperPlus) 18,0 Liter 17,5 Liter 18,0 Liter
Leergewicht 2152 kg 2133 kg 2153 kg
Höchstgeschwindigkeit 310 km/h 310 km/h 310 km/h
Preise
Serienfahrzeug 106.900 Euro 106.900 Euro 106.900 Euro
Testwagen 124.138 Euro 121.246 Euro 120.184 Euro

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