Getunte Porsche 911 GT2 im Vergleich

Vergleich drei getunte Porsche 911 GT2

— 25.01.2010

Techart, 9ff und Sportec im Duell

Auf die Plätze, fertig, los! In den Startblöcken zum Rennen um den "schnellsten Porsche GT2" lauern der 9ff BT-2 800, der Sportec GT2 SP 750 und der Techart GT Street RS.

Es ist 17 Uhr, bereits finstere Nacht, 5 Grad Celsius. Am Horizont erscheint ein Lichtkegel, gefolgt von einem Donnergrollen. Näher und näher kommt das Beben. Wrooommm und weg. Was war das? Sehen konnte man nur rote Ringe - und Feuer. War das der Teufel auf vier Rädern? Nein, soeben hat ein schwarzer Porsche mit glühenden Bremsscheiben und feuerspeiender Auspuffanlage den Rundenrekord am Sachsenring egalisiert. Genauer: Techart hat mit seinem GT2-Monster namens GT Street RS die bisherige Bestmarke von 1:35,41 Minuten (Novidem GT-RS) um über drei Sekunden unterboten. Dazu neue Sektorenbestzeiten, neue Kurvenspeed-Rekorde und höchste Maximalgeschwindigkeiten. Gratulation! Doch Rennstrecke ist nicht alles, wie wir in diesem großen Vergleich getunter Porsche GT2 noch belegen werden. Zum Test ist die Elite der 911-Tuner geladen.

Übersicht: News und Tests zum Porsche 911 GT2

Besonders beim Sprint auf Tempo 300 überzeugt der BT-2 800.

Speed-Junkie 9ff stellt uns den in Gulf-Optik beklebten BT-2 800 mit 800 PS vor die Redaktion. Sportec spendiert für den Vergleichstest einen GT2 SP 750 mit 750 PS und Techart seinen Überhammer GT Street RS mit 700 PS. Macht zusammen 2250 PS! Und kostet zusammen genau 903.996 Euro! Ob GT2-Fahrer oder Fans – beide fragen sich vermutlich: Muss man diesen Über-Elfer noch tunen? Bringt das was? Um es vorweg zu nehmen: Ja, es muss sein. Und ja, es bringt was. Und ja, es ist einfach nur geil! Um diese Extase zu erreichen, gehen die Veredler gleiche oder zumindest ähnliche Wege. Auf die 530 Serien-PS des 3,6 Liter großen Boxermotors packt 9ff noch 270 PS drauf. Dazu werden zwei eigens kreierte F800-Lader, verstärkte Pleuel, Nockenwellen sowie bearbeitete Zylinderköpfe verbaut und die Luftführung geändert. Zudem montierten die Dortmunder eine "Turbo 300"-Sportauspuffanlage mit 300 Zellen-Sport-Kats und Soundklappensystem mit elektronischer Steuerung. Dessen spezielle "9ff-Klangabstimmung" ist bei offenen Klappen ein Hörgenuss allererster Güte – die Redaktion hat jedenfalls noch nichts Brachialeres erlebt. Die Geschwindigkeitsfanatiker von 9ff schärften auch beim Getriebe nach. Für das Testziel "schnellster GT2 bis 300" tauschte Jan Fatthauer die Gangräder fünf und sechs gegen länger übersetzte Teile aus.

Gewichtsreduzierung durch Carbon

Der speziell für die Rennstrecke abgestimmte schwarze GT Street RS fährt Rundenrekord am Sachsenring.

Und was geht in Sachen Optik? 9ff beklebt den BT-2 800 mit greller Folie und montiert OZ Racing Ultra Leggera-Räder in 19 Zoll mit Michelin-Pilot-Sport-Cup-Gummis in Basisdimensionen 235/35 vorn und 325/30 hinten. Für mehr Druck auf der Hinterachse sorgt ein selbst entworfener Karbonflügel in GT3 RS-Optik. Die Schweizer Mannschaft von Sportec beschreitet einen dezenteren Weg. Titangraue 20-Zöller mit 245/30er und 315/25er-Michelin-Pneus sowie eine Karbonlippe am Original-Heckflügel sind die einzigen Anzeichen für ein Tuning. Innen erwartet den Piloten feinstes Karbon. Der Techart GT Street RS erscheint in dieser Disziplin wie von einem anderen Planeten. Bis auf die beiden Türen und hinteren Seitenteile bestehen alle anderen Karosserieelemente aus Karbon. Besonders auffällig wirken die speziell entwickelte Front- und Heckschürze sowie das überdimensionale Heckleitwerk.

Top-Zeiten für 9ff und Sportec

Der Tag der Entscheidung steht an. Mit Spannung warten wir auf das Ergebnis der 0-200-km/h-Messungen. Können die drei Über-Porsche hier ihre Vorteile ausspielen und die 11,6 Sekunden des Serien-GT2 toppen? Der 9ff legt vor. Die Auspuffanlage sprotzt und schreit. Nach 9,7 Sekunden durcheilt der blau-orange Elfer die 200er-Schallmauer. 0,3 Sekunden eher durchbricht der dabei kehlig klingende Sportec diese Marke, der Techart hat hier schon mit seinen dicken Gummis und der extremen Fahrwerkseinstellung zu kämpfen. Nach glatten zehn Sekunden liegen auch hier 200 Sachen an. Geht bis 300 noch mehr? Und ob, hier ist der 9ff in seinem Element. Die erhöhte Drehzahl und der längere fünfte Gang verhelfen dem BT-2 800 zu einer Fabelzeit von 21,1 Sekunden (Serie: 33 Sekunden). Sportec folgt mit 21,2 Sekunden nur einen Hauch dahinter. Der GT Street RS büßt wegen der auf maximalen Abtrieb optimierten Abstimmung und geringeren Leistung über fünf Sekunden ein. Zeit für den Autobahnritt zum Ring. Hier ist der Sportec SP 750 erste Wahl. Der weiße Bolide ist trotz Gewindefahrwerk vergleichsweise weich ausgelegt. Die Highspeed-Hatz gelingt stressfrei. Der 9ff ist dank Sportfedern ähnlich autobahntauglich, aber auf längeren Distanzen nur mit geschlossenen Auspuffklappen zu ertragen. Der GT Street RS verlangt hier eine kundige Hand oder besser gesagt: immer beide Hände. Denn die rennstreckenorientierte Fahrwerksauslegung mit negativem Sturz an der Vorderachse lässt den "Schwarzen" nervöser wirken. Dass auch Techart anders kann, beweist das silberne Fotoauto.

Rundenrekord für den Techart

Trotz relativ alltagstauglichem Set-up überrascht der Sportec GT2 SP 750 auf der Rennstrecke.

Dieser GT Street RS fühlt sich deutlich zahmer und straßentauglicher an als sein schwarzer Bruder. Profi Steve Kirsch fährt sich und die drei GT2 warm. Zusammen mit dem unbestechlichen Messinstrument prügelt er zuerst den Sportec um den Kurs. Dessen Fahrverhalten ist leicht auf Untersteuern ausgelegt, die Lenkung nicht hundertprozentig direkt, die Kraftentfaltung umso intensiver. Der volle Ladedruck setzt ziemlich plötzlich ein. Auf Lastwechsel reagiert der Sportec leicht unruhig, was Übersteuern zur Folge hat. Dennoch, mit 1:33,89 Minuten und 241 km/h setzt der Schweizer Bestwerte. Die nächsten Runden zählen für den 9ff. Der "Brüller" ist in der Gasanahme noch brutaler als der SP 750. Viel Gefühl ist beim Gasgeben gefragt. Der BT-2 800 entpuppt sich ebenfalls als Untersteuerer, was den Umgang mit 800 PS erleichtert. Zudem vereitelt die nicht abschaltbare Traktionskontrolle flüssigere Runden: 1:34,86 Minuten. Bei kalten Reifen vermittelt der Techart noch ein tückisches, spitzes Feeling. Mit betriebswarmen Semislicks ist alles wie weggeblasen. Je härter man den GT Street RS fordert, desto satter liegt er. Die Vorderachse hat unglaublichen Grip, lenkt am präzisesten ein und bietet die beste Rückmeldung. Und die Leistungsentfaltung? Sehr angenehm, nicht blitzartig, dank fein abgestimmter Turbos. 1:31,94 Minuten, das ist neuer SPORTSCARS-Rundenrekord!
Technische Daten 9ff BT-2 800 Sportec GT2 SP 750 Techart GT Street RS
Motor B6, Biturbo
Einbaulage hinten, längs
Hubraum 3600 cm3
kW (PS) bei 1/min 588 (800)/7200 552 (750)/7260 514 (700)/7000
Nm bei 1/min 900/5300 850/4350 860/4500
Antriebsart Hinterrad
Getriebe 6-Gang manuell
Leistungsgewicht 1,9 kg/PS 2,0 kg/PS 2,2 kg/PS
Tankvolumen 90 l
Beschleunigung
0-100 km/h 4,1 s 3.9 s 3.5 s
0-200 km/h 9,7 s 9,4 s 10,0 s
0-402,32 m 11,50 s 11,39 s 11,15 s
Testverbrauch
Ø auf 100 km 17,5 l Super Plus 13,9 l Super Plus 14,5 l Super Plus
Leergewicht 1525 kg 1506 kg 1515 kg
Höchstgeschwindigkeit 380 km/h 364 km/h 339 km/h
Preis Testwagen 272.894 Euro 298.613 Euro 332.420 Euro

Autor:

Guido Naumann

Fazit

Sportec/Techart: Drei GT2, drei komplett unterschiedliche Autos, zwei Sieger. Sportecs GT2 SP 750 ist in den meisten Disziplinen ganz vorn dabei. Der weiße Schweizer bietet das beste Paket aus Speed, Alltagstauglichkeit und schnellen Runden auf der Rennstrecke. Der sportliche Sieger kommt von Techart und heißt GT Street RS. Der kompromisslos auf Performance gebaute Elfer bereitet Könnern viel Spaß. Trotz geringster Mehrleistung im Vergleich ist er mit Abstand der Schnellste auf dem Sachsenring. 9ff: Der Beschleunigungs-King im Vergleich: Keiner spurtet so schnell auf 300 km/h. In Kurven kann sich die Kraftkur weniger gut in Szene setzen: Die nicht deaktivierbare Schlupfregelung erweist sich als Hemmschuh.

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