Vergleich Edel-SUV

BMW X5 – Mercedes ML – Porsche Cayenne – Range Rover Sport BMW X5 – Mercedes ML – Porsche Cayenne – Range Rover Sport

Vergleich Edel-SUV

— 28.11.2005

Eine feine Klettergesellschaft

Sie sind die Vorzeigegeräte unserer Zeit: Starke "Sport Utility Vehicles", kurz SUV genannt, rollen voll im Trend. Was sie auch sind: reinrassige Geländewagen. Oder etwa nicht?

Große SUV sind nach wie vor gefragt

Wer hoch oben fährt, kann tief fallen. Wenigstens rund einen Meter, wenn man sich denn beim Aussteigen aus einem sogenannten SUV ungeschickt anstellen würde. Ich meine aber etwas ganz anderes: Die hochgelegten Allradler, gerüstet für Geländeausritte und Boulevardausflüge gleichermaßen, befinden sich zwar – was Verkaufszahlen angeht – noch immer im Aufwind. So wurden auch 2005 wieder über neun Prozent mehr Geländewagen zugelassen als im Vorjahr. Aber: Das Beispiel BMW X5 zeigt auch, daß die Zulassungskurve zuweilen einen steilen Sinkflug hinlegen kann.

So verlor der leicht ergraute X5 – bei bislang immerhin gut 11.000 verkauften Modellen in 2005 – beängstigende 16 Prozent auf die Verkaufszahlen des Vorjahrs (im Oktober-Vergleich sogar 65,5%). Was natürlich auch an dem Erfolg des neuen kleinen Bruders X3 liegt. Der steht stellvertretend für den Trend zu kleineren Offroadern. So mußte auch der Cayenne Federn lassen: Gut 4000 Autos bedeuten minus 7,1 Prozent gegenüber 2004. Dennoch: Große SUV sind gefragt. Sie stehen für Platz, Leistung und Luxus satt. Und so drängen weiter neue Modelle auf den Markt. Ganz frisch: die neue M-Klasse und der Range Rover Sport. Beide treffen auf die etablierten Bullen von BMW und Porsche.

Als Motoren haben wir die kleinsten Benziner gewählt. Wobei "klein" mindestens 231 PS bedeutet. Die holt der X5 aus einem 3,0-Liter-Reihensechszylinder. Der nächststärkere in unserem Vergleich setzt auf eine Motor-Bauform, die im Prinzip auf eine Golf-III-Konstruktion zurückreicht. Die von Volkswagen übernommene VR6-Maschine des Porsche Cayenne liefert – auf 3,2 Liter Hubraum gebracht – runde 250 PS. Aus einem klassischen 3,5 Liter großen V6 generiert Mercedes die 272 PS seines M-Klasse-Einstiegsmodells ML 350.

Range Rover bietet fast Vollausstattung

Und der Range Rover Sport? Der protzt sogar mit 299 PS aus einem 4,4-Liter-V8. Sie meinen, das sei unfair, weil es ein hubraumstarker Achtzylinder ist? Die Fahrleistungen sprechen dagegen, und einen Sechszylinder bietet Land Rover in diesem Auto gar nicht an. Auch der Blick in die Preislisten läßt zunächst große Unterschiede vermuten. Denn den 61.800 Euro für einen Range Rover Sport V8 stehen Preise gegenüber, die bei allen drei Konkurrenten unter 50.000 Euro liegen. Doch die hohe Differenz relativiert sich schnell.

Da der Range Rover nahezu eine Vollausstattung inklusive Klimaautomatik, Lederinterieur, Xenonlicht, Getriebeautomatik und 18-Zoll-Alurädern bietet, verlangen die Grundpreise von ML 350, X5 3.0i und Cayenne nach einer Korrektur. Inklusive Zuschläge für die wichtigsten Luxus-Optionen des Engländers kostet der BMW X5 fast 60.000 Euro, der Porsche Cayenne mehr als 62.000 Euro und der Mercedes – Überraschung – gerade mal 55.000 Euro. Dabei hilft dem ML, daß er ab Werk mit der 7G-Tronic-Automatik vom Fließband rollt. Porsche und BMW lassen sich dieses Extra mit über 2000 Euro vergolden.

Die Schaltbox des Mercedes hat sieben Gänge – und das beschert ihm in Verbindung mit dem seidenweich schnurrenden, drehmomentpotenten Motor auch hervorragende Noten in den Kapiteln Fahrleistung, Laufkultur und Getriebeeigenschaften. So hält die Automatik die Drehzahl stetig in einem Bereich, der entspanntes Gleiten und kraftvolles Beschleunigen gleichermaßen ermöglicht. Im Gegensatz zu Porsche und BMW. Deutlich über zwei Tonnen Gewicht treffen auf das Drehmoment eines Golf Diesel. Das mag für den Kompakten eine Wucht sein, bei den großen Allrad-Kolossen reicht es nur zu mühsamem Antritt.

Der X5 fühlt sich an wie ein Pkw

Die Sechszylinder von X5 und Cayenne verlangen nach hohen Drehzahlen, wirken stets gestresst. Natürlich mit dazu passenden Resultaten bei der Geräusch-, aber auch bei der Verbrauchsmessung. BMW und Porsche konsumieren zwischen gut 13 und gut 15 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Und das vom teuren Super plus. Aber auch der Mercedes säuft wie jedes fette SUV: Er genehmigt sich im Schnitt fast 16 Liter Super. Noch schlechter erzogen zeigt sich in dieser Beziehung der Range Rover. Er schleust auf 100 Kilometer stolze 17,6 Liter Super durch seine acht Einspritzdüsen.

Was nicht wirklich wundert, denn der Range hat den langen Atem eines üppigen Hubraums. Und das bedeutet echte Dampfhammercharakteristik: Bereits bei Drehzahlen um die 2000 legt sich der Engländer unter dumpfem Getöse spürbar ins Zeug. Solange der Gasfuß nicht auf Kickdown-Stellung sinkt, darf die Sechsgang-Automatik häufig (Schalt-)pause machen und ich dem kernigen V8-Rumoren lauschen. Doch so schön das klingt – letztendlich beschert ihm die mechanische Geräuschkulisse unvorteilhafte Lärmwerte. Auch im Fahrkomfort stehen die Zeichen im Range Rover dem Namen entsprechend auf Sport. Ohne jedoch zuviel unkomfortable Härte zu demonstrieren.

Einerseits hält sich dank der härteren Federung die Seitenneigung in Grenzen, der große Wagen folgt willig meinen Lenkbefehlen. Andererseits liefert die serienmäßige Luftfederung die besten Voraussetzungen für stressfreie Fernreisen. Was ich vom BMW nicht unbedingt behaupten kann. Speziell Querfugen dringen als kurze, harte Stöße durch, bei hohem Tempo stören mich die zackigen Vertikalbewegungen des Aufbaus. Klarer Vorteil dieser dynamischen Fahrwerkabstimmung ist das im Gegenzug dazu sehr agile Fahrverhalten. Der X5 fühlt sich so fast an wie ein normaler Pkw.

Optional wird der ML geländetauglich

In diesem Punkt kann allenfalls der Cayenne mithalten. Porsche stimmt sein SUV nämlich ähnlich straßenverbunden ab – aber dessen adaptive Federung reagiert mit zunehmendem Tempo deutlich sensibler auf Bodenwellen und Querfugen. Ergebnis ist ein etwas besserer Langstrecken-Komfort. Absolut tadellos der ML: Trotz kaum nachgebender, steifer 19-Zoll-Räder filtert der Mercedes Unebenheiten in der Asphaltdecke souverän heraus. Dabei nervt er auch nicht durch die bei langen Federwegen normalerweise auftretenden Aufbaubauschwankungen.

Daß der Mercedes ohnehin kein flinker Sportler sein will, spüre ich an der träger reagierenden Lenkung und dem deutlich früher einschreitenden Stabilitätsprogramm ESP. Fast hätte ich's bei lauter Asphalt-Dynamik vergessen: Es soll ja Leute geben, die sich mit ihrem 60.000-Euro-SUV auch ins Gelände wagen. Für die gilt: Der Range ist erste Wahl. Auf Knopfdruck paßt er sich dem schwierigsten Untergrund an. Felsenklettern? Tiefsandpassage? Steilauffahrt? Schalter in die entsprechende Stellung – und der Koloß baggert sich durch das Feld. Dicht gefolgt übrigens vom Cayenne.

Der bietet – besonders mit der optionalen Luftfederung – hilfreich viel Bodenfreiheit und eine zuschaltbare Untersetzung. Dem BMW fehlt diese, was ihn auf rutschigem Untergrund unsensibel buddeln läßt. Auch hat er gegenüber der klettertauglichen Konkurrenz speziell an steilen Auffahrten das Nachsehen. Wer mit dem Mercedes mehr anstellen möchte, als auf einer nassen Wiese zu rangieren, muß tief in die Tasche greifen. Erst das 1914 Euro teure Offroad-ProTechnik-Paket, inklusive Geländereduktion und zwei Sperren (Mitte und hinten), verleiht dem ML ordentliches Bagger-Talent.

Elegante Anhängekupplung am Cayenne

Perfekt ausgebildet wirkt der Mercedes dagegen im Umgang mit den Passagieren. Die Funktionalität ist tadellos, im Innenraum gibt es Platz und Noblesse reichlich. Die guten Werte in den Abschnitten Zuladung, Kofferraumvolumen und Anhängelast sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache: Das kann man im Alltag nur allzugut gebrauchen. Allenfalls der zu kleine Außenspiegel ließe sich bemängeln – korrekt justiert, bleibt gerade ein zigarettenschachtelgroßer nutzbarer Bereich.

Daß BMW eine Anhängelast von nur 2400 Kilogramm bietet (3500 Kilogramm nur gegen Aufpreis), empfinde ich in dieser Doppelachs- und Pferdeanhänger ziehenden Zunft schlicht als Frechheit. Und daß er die geringste Zuladung, den kleinsten Kofferraum sowie vor allem im Fond engsten Innenraum bietet, paßt eindeutig zum eher freizeit- als nutzwertorientierten Auftritt des X5. Ein glasklares Statement dagegen kommt aus England: die Kofferraumgröße des Range Rover. Über 2000 Liter Gepäckvolumen bietet in dieser Klasse wohl keiner. Dem Porsche will ich wenigstens die eleganteste Methode, eine Anhängekupplung zu montieren, anrechnen. Die Kugel schwenkt einfach auf Knopfdruck heraus. So muß mit Sicherheit niemand vor diesen Land-Lord tief (auf die Knie) fallen.

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Autor: Jan Horn

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