Vergleich Edo Gallardo gegen MTM R8

MTM R8 Edo Gallardo Superleggera

Vergleich Edo Gallardo gegen MTM R8

— 13.06.2008

Kampf um den Aufstieg

Wo der Lamborghini Gallardo ist, will der Audi R8 von MTM hin – nach ganz oben. Mit einer Leistungsspritze auf 560 PS rückt er dem von Edo befeuerten Superleggera auf die Pelle. Kann er zum Idol aufschließen?

Fast jeder hat ihn an der Backe: den ungeliebten Cousin oder Onkel, der immer zu laut spricht und mit seinen furchtbaren Manieren überall aneckt. Ganz zu schweigen von seinem zweifelhaften Frauengeschmack und dem viel zu großen Bierdurst. Glücklicherweise ist er die meiste Zeit des Jahres weit weg. Er wohnt nämlich in Paderborn, Wuppertal oder Ingolstadt. Bis er eines Tages in der Tür steht. Und mit breitem Strahlen verkündet: "Ich habe mir das Haus neben dir gekauft." MTM R8 heißt der Störenfried. Der sich Kraft seiner 560 PS in einer Leistungsgegend ansiedelt, die bisher der Lamborghini-Aristokratie vorbehalten schien. Nervosität macht sich breit in Sant’Agata. Kann man dem Verwandten doch nicht einfach so die Tür vor der Nase zuschlagen. Schließlich gehört er irgendwie zur Familie.

Der Klang des R8 sprengt Konventionen – und Fenster

Rabauke: Der MTM R8 kommt bei abgeschaltetem ESP permanent quer.

Wir haben ein Treffen arrangiert: Der Audi kauert neben dem blaublütigen Gallardo Superleggera. Der kommt von Veredler Edo. Und will nichts zu tun haben mit dem R8-Rüpel. Dessen 20-Zöller scheinen die Radhäuser, die vier Endrohre die Heckschürze zum Platzen zu bringen – wie Silikonbrüste einen zu engen BH. Sein Klang zeugt von schlechter Kinderstube – aber von einem gesunden Selbstbewusstsein. Der herb wummernde Tiefbass-Sound des R8 ist allgegenwärtig. Lange da, bevor das Auto auftaucht, erst Minuten, nachdem das Fahrzeug den Horizont passiert hat, verhallend. Ein Stimmungsaufheller allererster Güte – allzeit bereit, einem ein dickes Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Oder die Schamesröte – wenn der Schreihals am frühen Morgen mal wieder die komplette Nachbarschaft aus dem Bett geworfen hat. Woher das Spektakel rührt, erklärt MTM-Chef Roland Mayer: "Bei geöffneten Klappen umgehen wir den Endschalldämpfer und blasen direkt ins Endrohr – eine Lösung mit offiziellem TÜV-Segen."

Gallardo: unterkühlter Chic einer königlichen Gruft

Aufgehübscht: Edo wertet den Motorraum mit einer mächtigen Airbox auf.

Der Lambo verzichtet auf derlei "Hallo, hier komm ich"-Gehabe. Distinguiert tritt er an – mit seinen filigranen vielspeichigen Felgen und der geradlinigen Formensprache. Unzählige Carbon-Accessoires glänzen am Gallardo wie kostbare Diamanten. Dank Edo-Klappenauspuff kann auch der Gallardo in zorniger Tonlage losbellen – nach ausdrücklicher Aufforderung. Im Innenraum herrscht der unterkühlte Chic einer königlichen Gruft. Das wenig anheimelnde Cockpit ist zu gleichen Teilen düster und wunderschön. Mit spitzen Fingern berühren Eindringlinge die mit Lamborghini-Emblemen bestickten Vierpunktgurte. Geben sich größte Mühe, mit deren Metallschnallen keine Dellen in die kostbaren Kohlefaser-Applikationen zu hauen. Dem R8 geht alles Geheimnisvoll-Versponnene ab. Sein hochwertiges Cockpit ist im typischen Audi-Stil gehalten. Nur die Sitze wirken wie aus einer anderen Welt. Die Carbon -Schalen leiden unter dem Makel vieler Designerstücke: Sie sind nicht besonders praktisch. Und bequem schon gar nicht.

Die erste Ausfahrt fördert interessante Erkenntnisse zutage. Erwartete: Im Teillastbereich ruft sich der Schraubenverdichter mit minimalem Ruckeln in Erinnerung. Und Erfreuliche: Das Ansprechverhalten ist einfach sensationell. Der R8 absolviert jeden Meter mit der Lebendigkeit eines freudig mit dem Schwanz wedelnden Hundes. Ohne durch überzogene Nervosität aufzufallen, begeistert die Verbindlichkeit des Aggregats stets aufs Neue. Mit offenen Armen bietet sich der Motor dar – legt jedes PS, jedes Quäntchen Drehmoment willig aus. Zum Verzehr bereit – wie ofenfrische Brötchen in der Auslage des Bäckers. Bei der Gallardo-Diva hingegen gibt es nichts geschenkt. Alles will erarbeitet, erzwungen werden. Unwillig setzt sich das Auto in Bewegung. Wer die Paddles der E-Gear-Schaltung zu früh betätigt, durchwandelt Jammertäler. Freudlose Regionen, in denen einen jeder Golf TDI an der Ampel versägt. So entfernen sich Mensch und Maschine mit jedem gefahrenen Meter weiter voneinander.

Mehr über das Treffen der beiden Super-Sportler gibt es in AUTO BILD Sportscars 7/2008!

Autor: Ben Arnold

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