Vergleich Evo IX gegen GT3

Mitsubishi Lancer Evo IX – Porsche 911 GT3 Mitsubishi Lancer Evo IX – Porsche 911 GT3

Vergleich Evo IX gegen 911 GT3

— 05.02.2007

Halber Preis, gleicher Spaß?

Porsche gegen Mitsubishi: Das meinen wir ernst. Der 911 GT3 mit 415 PS trifft auf den Lancer Evo IX mit 280 PS. Der eine kostet 110.878 Euro, der andere 40.590 Euro. Das sind doch wohl Welten – oder etwa nicht?

Preise, Ausstattungen und Garantien

Wenn es einen erwischt, dann richtig. Erst glänzen nur die Augen, dann werden die Handflächen nass, und schließlich packt das Virus den ganzen Körper. Wir reden vom Gelbfieber – allerdings nicht von der tropischen Variante, sondern vom automobilen Ableger. Infiziert wurden wir von zwei völlig verschiedenen Erregern. Der japanische Typus hört auf den Namen Mitsubishi Lancer Evolution IX, greift unser Immunsystem mit 280 PS an und kostet vergleichsweise bescheidene 40.590 Euro. Den deutschen Ableger kennen wir als Porsche 911 GT3, fürchten ihn wegen seiner höllischen 415 PS und des selbstbewussten Preises von 110.878 Euro.

Was beide eint? Die hohe Virulenz (Ansteckungsgefahr), das Fehlen einer Schutzimpfung und natürlich die gelbe Farbe. Rein optisch verabreicht, lösen die beiden Gelbfieber-Granaten völlig unterschiedliche Reaktionen aus. Der Evo IX provoziert nicht selten heftiges Kopfschütteln und peinlich berührtes "Zu-Boden- Schauen". Die eigentlich brave Lancer-Limousine mutiert vor allem durch den riesigen Carbon-Heckflügel aus dem Sportpaket (2600 Euro inklusive Bilstein-Dämpfer und BBS-Leichtmetallräder) leicht zum Krawallo. Der GT3 kontert mit einem ebenfalls gewaltigen, einstellbaren Doppelstock-Heckflügel, der aber viel eher aus dem Motorsport denn aus dem D&W-Regal stammt. Überhaupt weisen zahlreiche zusätzliche Aerodynamik- Akzente den GT3 als einen der sportlichsten aller Elfer aus – mit dem Gerät machst du auf jeder Rennstrecke eine gute Figur. Und mächtig Eindruck.

Wer den 3,6-Liter-Boxer im Heck aufweckt, provoziert eine GT3-Epidemie. Was bis knapp 4000 Umdrehungen noch wie ein Trompeten-Sextett im Wasserbad klingt – verheißungsvoll, aber durchaus sozialverträglich –, gewinnt oberhalb dieser Marke eine Dramatik und Durchschlagskraft, gegen die Joshua und seine Jericho-Bläser wohl eher Hausmusiker waren. Die sechs Zylinder schreien, stampfen und sägen, als wollten sie den GT3 in seine Einzelteile zerlegen. Gegen diesen ebenso gewaltigen wie Gänsehaut fördernden Boxermarsch bleibt der Zweiliter-Vierzylinder des Mitsubishi dann doch eher blass. Wo soll es aber auch herkommen? Ja, der Turbolader pfeift ein lustiges Lied auf die Leistung, und der Vierventiler klingt auch nicht schlecht. Gegen die Stimmgewalt des Porsche erscheint er aber so chancenlos wie Daniel Küblböck gegen Placido Domingo.

Geht höllisch gut: Mitsubishi Evo IX.

Doch wer den japanischen Rallye-Ableger jetzt müde belächelt, sollte sich vorsehen. Sobald die Startampel auf Grün schaltet, fliegt der Evo davon, als sei er auf der Flucht. Dank eines neu abgestimmten Turbos und der variablen Ventilsteuerung fallen die 280 PS derart ungestüm über die vier Räder her, dass der Fahrer gar nicht weiß, ob er sich um seine griffigen Bridgestone Potenza RE 050 im Format 235/45 R 17 oder um die Strecke sorgen soll. Doch wir können Entwarnung geben: Beiden geht es gut – der Pilot braucht bei den wilden Beschleunigungsorgien aber einen stabilen Magen.

Enger gestuft und um einen sechsten Gang bereichert, aber immer noch nach einer festen Hand verlangend, präsentiert sich das Getriebe. Wer eifrig am Schalthebel wirbelt, schickt den Lancer in sechs Sekunden in die 100-km/h-Umlaufbahn, verbreitet den Evo-Erreger schon nach 21,9 Sekunden mit Tempo 200 übers Land und lässt ihn bei 250 km/h gierig in den Begrenzer rennen. Für einen Zweiliter mehr als respektable Werte – Dach, Kotflügel und Motorhaube aus Alu senken das Leistungsgewicht auf gute 5,25 Kilogramm pro PS.

Technische Daten und Fahrleistungen

Der GT3 pulverisiert die Evo-Marken dennoch im Schongang. Gnadenlose 415 PS reißen mit biestiger Brutalität an den 305er-Walzen im Heck und verlangen der Traktionskontrolle im Kampf um die Haftung wirklich alles ab. Als starte der Porsche aus dem Dampfkatapult eines Flugzeugträgers, fliegt die Tachonadel nach 4,3 Sekunden über die 100er-Marke und wischt keine zehn Sekunden später über die 200. Das dank Alu an Türen und Kofferraumdeckel unglaubliche Leistungsgewicht von etwa 3,5 Kilo pro PS macht den GT3 zu einem echten Extremsportler. Festhalten muss die Besatzung sich dennoch nicht, das übernehmen wie beim Mitsubishi – nur noch konsequenter – die Spitzen-Sportsitze. Und wer eine freie Strecke findet und sich traut, erreicht erst bei 310 km/h den Höhepunkt des tollen Treibens.

Mit seinem Allradantrieb klebt der Mitsubishi Evo IX an der Strecke.

So weit also die Pflicht, doch kommen wir jetzt zur Kurven-Kür. Und hier fährt Mitsubishi einen ganz besonderen Leckerbissen auf. Hinter dem schlichten Kürzel AWC (All Wheel Control) verbirgt sich ein Allradantrieb der Extraklasse – entsprechende Bereifung vorausgesetzt, lässt es der Evo IX auch bei ernsthaften Sonderprüfungen richtig krachen. Mitten- und Hinterachsdifferenzial werden elektrohydraulisch gesteuert, vorn sorgt ein mechanisches Torsendifferenzial für die korrekte Kraftverteilung. Das System funktioniert derart perfekt, dass sich Kurven auch im Super-Zeitraffer durcheilen lassen und der Evo trotzdem stur in der Spur bleibt. Bis zu 70 Prozent der Power lassen sich auf eines der Hinterräder umleiten, was den Lust-Lancer weitgehend neutral ums Eck schießen lässt. Die direkte Lenkung, das knochentrockene Fahrwerk mit noch vertretbarem Restkomfort und die Wahl zwischen drei Grund-Abstimmungen (Asphalt, Schotter, Schnee) machen den Spaß schließlich perfekt – wen der Evo-Virus erwischt, der bleibt lebenslang infiziert. Arzt oder Apotheker fragen zwecklos.

Beim GT3 kommt das Gegenmittel ebenfalls meist zu spät – eine Runde im Zuffenhausener Zeitraffer, und der Fahrer ist vorerst versaut. Lenkung, Schaltung, Bremse – hier funktioniert alles mit spielerischer Leichtigkeit und professioneller Präzision. Kurven saugt der GT3 im Eilverfahren auf: mit Schmackes heranzoomen, brutal zusammenbremsen, exakt hineinstechen und jubilierend herausbeschleunigen. Klingt nicht nur einfach, ist es auch. Jedenfalls solange man die eigenen und die Grenzen des Autos kennt. Und solange man den elektronischen Rettungsanker namens Traction Control nicht lahmlegt.

Wer es doch wagt, muss mit Nebenwirkungen und Risiken rechnen. Dann verläuft die Kurvenhatz mit dem Porsche in etwa so: schnell, schneller, am quersten. Der Heckmotor-Heuler bleibt zwar unglaublich lange ruhig und lässt sich kaum zum panischen Po-Wackler bewegen, ändert seine Einstellung zur Haftungsfrage trotz der Sport-Cup-Reifen aber gern so abrupt wie einige Frauen ihre Laune. In beiden Fällen hilft dann nur schnelle Reaktion und gaaanz viel Gefühl. Und natürlich: lieber nicht provozieren!

Eine weitere Belastungsprobe stellen schließlich die gnadenlos harte Fahrwerkabstimmung und der sechsstellige Grundpreis dar. Mit 110.878 Euro kostet der GT3 immerhin mehr als doppelt so viel wie der Lancer Evo IX, der es selbst mit Sportpaket nur auf 43.190 Euro bringt. Ohnehin können wir nur warnen. Die Begegnung mit diesen Gelbfieber-Granaten führt – anders als beim Virus – nicht zu Immunität, sondern zu schwerer Abhängigkeit.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka:


Der GT3 ist deutlich teurer, deutlich unpraktischer und deutlich härter. Der Verstand schreit also lauthals nach dem Evo IX, der ja zu allem Überfluss auch noch geht wie die Hölle. Doch diese Autos funktionieren über Emotionen. Und die weckt besonders der GT3. Weil er besser klingt, besser aussieht und – in den Händen eines Profis – so ziemlich alles in Grund und Boden fährt, was vier Räder hat.

Autor: Gerald Czajka

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