Vergleich Fiat 500 – Mini One

Fiat 500 – Mini One Fiat 500 – Mini One

Vergleich Fiat 500 – Mini One

— 09.07.2007

Der neue Mini aus Italien

Er ist klein, schick und schon bekannt wie ein bunter Hund: Fiat führt den neuen 500 nach dem Vorbild des Mini ein. Kann er auch auf der Straße mithalten?

Der Fiat 500 hatte noch keinen Kilometer gefahren, aber schon seine eigene Internetseite. Dazu reichlich Fans und Vorschusslorbeeren. Und nun sagt Fiats Technik-Chef Harald Wester auch noch: "Der Fiat 500 ist das fahraktivste Auto seiner Klasse." Ist das nicht langsam zu viel Optimismus? Dann müsste der Fiat so knackig und bissfest sein wie der Mini, den wir zum ersten Anschmecken mitgebracht haben. Also, wie viel Fahrspaß steckt im kleinen Italiener? Am nächsten Morgen sind der rote 500 und der Mini One keine zehn Minuten unterwegs in den Hügeln des Piemont, da bremst nebenan quietschend ein Lastwagen, aus dem Francesco de Vito springt. Sein Lachen steckt an, der 44-Jährige zappelt vor lauter Vorfreude wie ein Kind. "Ich habe einen 500 bestellt, Ende Juli soll er kommen. Darf ich mal ...?" Er setzt sich hinters Steuer, guckt glücklich und möchte uns zum Abschied am liebsten küssen. Ob fahraktiv oder nicht – das ist Francesco völlig schnuppe. Der 500 sieht live aber auch schnuckelig aus mit seinen Knopfaugen, den verchromten Türöffnern und dem leicht gewellten Buckel. Wo der Fiat auftaucht, steht der gelbe Mini One erst einmal im Schatten – bei modebewußten Marken-Wechslern sicher ein dickes Pfund.

Der Fiat 500 – eine rollende Verlockung

 Das ganze Auto ist eine rollende Verlockung, ihn mit ein paar Extras nach persönlichem Geschmack herauszuputzen. Anders als beim VW New Beetle, der innen ziemlich fade wirkt, durften Fiats Designer sich auch beim Interieur des 500 austoben. Der Armaturenträger ist grundsätzlich in Wagenfarbe lackiert. Das Rot in unserem Testwagen weckt besser als ein doppelter Espresso, vor allem im Kontrast zu den cremefarbenen Einsätzen. Reizvolle Nostalgie lebt auch im klassischen Rundinstrument, das mit Anzeigen nur so überladen ist. Immerhin hat dieses Augenfutter seine Vorteile: Die Mittelkonsole kommt mit drei Schaltern aus. Was für eine Wohltat im Vergleich zum Mini, der einen mit seinen Kippschaltern, Dachkonsole und Pizzatacho schier erschlägt. Kleiner Fühltest im 500: Als ich mit dem Finger auf die Kunststoffleiste klopfe, macht es ein dunkles "pock, pock". Die Materialien sind nicht so edel, aber genauso solide wie im Briten.

Die Federung ist eher komfortabel geraten

Leichtgewicht: Schon die 69 PS starke Basismotorisierung reicht aus.

In den Mini fällt man sportlich hinab, in den Fiat steigt man eine halbe Etage höher ein – und gelassener wieder aus. Gestresste Bandscheiben wissen, wen sie kaufen würden. Und wo sie streiken: Die Rückbank taugt in beiden nur für leidensfähige Gelegenheitsgäste, im Alltag sind das Zweisitzer. Dass in den etwa gleich großen Kofferraum des 500er (180 bis 550 Liter) die Sprudelkisten längs hineinpassen – wer will's wissen? Nein, uns interessiert mehr das Fahrgefühl. Da überrascht der 500 zuerst mit angenehmer Leichtigkeit, denn er wiegt laut Werk nur 930 Kilo (Mini: 1060). Er weht also noch, der Geist der alten, sparsamen Kleinwagen. Entsprechend flott kommt der Fiat schon mit den 69 PS des Basismotors voran, stürmt locker die Hügel des Piemont hinauf und soll in 12,9 Sekunden Tempo 100 schaffen. Mehr als genug.

Die italienischen Kunden, die die Hälfte der 500-Produktion gierig aufsaugen werden, lehren die eiligen Deutschen wieder einmal Gelassenheit. "Fiat sollte einen kleinen Motor anbieten", findet Luigi Giorgis, der in 37 Jahren Arbeit für Fiat so ziemlich jeden Kleinen besessen hat. Man ist mit 69 PS jederzeit erwachsen unterwegs, der Wunsch nach mehr PS kommt erst einmal nicht auf. Warum nicht? Man sitzt hoch, auf zu kurzen Sitzflächen und fast so entspannt wie auf einem Gartenstuhl. Eben wie im Panda, der die Technik bis hin zur Bodengruppe spendiert hat. Die Federung neigt eher zum Komfort als zur Strenge, genau richtig, um in gelassener "Dolce-Vita-Stimmung" die kleinen Sünden der Straßenbauer abzureiten. Auch die sehr leichtgängige Lenkung fordert nicht dazu auf, dem 500 die Sporen zu geben. "Sie ist völlig neu abgestimmt", hat Technikchef Wester betont. Die um 50 Millimeter breitere Spur verspricht zwar eine sattere Straßenlage – doch ein Kurvenfeger ist der 500 trotzdem nicht geworden. Muss er auch gar nicht.

Wie es anders geht, zeigt der Mini vom ersten gefahrenen Meter an. Die Hände perfekt am auch längs verstellbaren Lenkrad (500: nur in der Höhe), feines Gefühl für die Straße, kurze, straffe Federung – schon als einfacher One verführt der Brite zum flotteren Gasfuß. Der spielt einfach in einer höheren Liga. Mit 95 PS sprintet die Basisversion so schnell auf 100 km/h wie das 100 PS starke Top-Modell des Italieners. In dieser Version hat der 500 zwar Sportsitze, 15-Zoll-Räder und sechs Gänge serienmäßig, ärgert aber mit unausgewogener Federung und starkem Untersteuern in flotten Kurven. Immerhin ist das ESP bei 100 PS serienmäßig, darunter kostet der elektronische Rettungsanker extra.

Beim Geld spielt der Fiat in einer freundlicheren Liga

Zwei Surfer auf der Retro-Welle: Wie der Mini One hat auch der Fiat 500 sein historisches Vorbild. Ab Herbst 2007 kommt es auch in Deutschland zum Duell der Neuauflagen.

Doch die meisten Käufer werden nicht Leistungskurven vergleichen, sondern Preis- und Zubehörlisten. Der 500 hört etwa dort auf, wo der Mini anfängt: bei 15.850 Euro. Beim Geld spielt der Fiat (Verkaufsstart 7. Oktober) in einer freundlicheren Liga. Ab rund 10.500 Euro sind unter anderem sieben Airbags, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung serienmäßig. Darüber hinaus wird es bunt: drei Motoren, drei Ausstattungen, zwölf Farben, neun Räder, neunzehn Sticker, Hunderte Zubehörteile von Chromstreifen bis zur farbigen Hülle für den Schlüssel, wie wir's von Mobiltelefonen kennen. Das wird ein großes Stöbern werden in langen Winternächten, dafür ist ja genug Zeit. Denn nach Deutschland kommen dieses Jahr nur noch 2500 Autos – da drohen Wartelisten. Im polnischen Werk Tychy werden die Bänder glühen, zumal der 500 zur Familie wächst: 2008 kommt der Abarth (135 PS), später folgen Cabrio, Kombi, eventuell Erdgasversion, Allrad und Cross-Modelle. Viel Stoff für Internetseiten.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat

Der 500 ist endlich wieder Fiat pur: ein kleines Auto mit tollem Design zum akzeptablen Preis. Wer Vernünftiges will, muss woanders suchen. Seine Form und das mögliche Zubehör heben ihn aus der Masse – Italiens Mini, eine Preisklasse tiefer.

Autor: Joachim Staat

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