Vergleich Honda Insight/Toyota Prius

— 26.01.2009

Die Gleichstromer

Der Hybrid-Pionier Toyota Prius bekommt Konkurrenz. Der neue Honda Insight fährt auf der gleichen Welle: mit Elektromotor und rundem Öko-Design – nur viel günstiger. AUTO BILD hat die beiden Hybriden verglichen.
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Von Margret Hucko Vielen Dank für die Blumen. Niedlich, was für zarte Pflänzchen auf dem Insight-Bordcomputer sprießen. Fünf Stengel, zwei Blätter und ein ungeschriebener Auftrag: während der Fahrt einen florierenden Dschungel züchten. Durch Spritsparen. Das Bemühen um ökologische Autos treibt komische Blüten. Oder wie finden Sie das, wenn der Wagen durch die Blume mit Ihnen spricht? Wenn er niedrigen Verbrauch mit digitalen Lorbeerkränzen würdigt oder alles kompostiert, sobald das Gaspedal am Anschlag ist? Auch Toyota besitzt ein grünes Modellprogramm, ohne integrierten Fleurop-Service, dafür wahrscheinlich das bekannteste. Der Prius ist nicht nur Marktführer, sondern auch zum geflügelten Wort für Hybride avanciert. An dem muss sich der neue Honda Insight messen lassen, wenn er Ende April 2009 auf dem deutschen Markt antritt.
Irgendwie sieht der Honda Insight wie ein geklonter Prius aus
Vorsicht Verwechslungsgefahr: Der Insight gleicht optisch dem Prius.
Vorsicht Verwechslungsgefahr: Der Insight gleicht optisch dem Prius.
Vielleicht sieht der Neue mit E-Motor auch deshalb aus wie ein geklonter Toyota . Na ja, mit leichter Mutation, allerdings ganz zu seinem Vorteil. Statt auf dem Dach eine Blase zu werfen, verläuft die Linie beim Honda-Hybriden flacher, das Gesicht wirkt erwachsener. "Hat den ein Italiener designt?", fragt ein vorbeiflanierender Herr im geschmackssicheren Anzug (vermutlich ein Italiener?!). Der Insight schaut deutlich harmonischer aus als ein Prius. Zumindest außen – aber schon mal ins Cockpit geguckt? Um Geld zu sparen, griffen die Honda-Ingenieure auf bereits existierende Einrichtungsstücke zurück. Digitaler Tacho oben, Drehzahlmesser darunter – das kennen wir aus dem kompakten Civic. Das gewöhnungsbedürftige CVT-Getriebe verbauen die Japaner auch im Jazz. Die Gleichteile-Politik drückt den Einstiegspreis – womöglich unter 20.000 Euro. Eine satte Preisdifferenz, die ganz neue Kunden für den vermeintlich teuren Hybrid erwärmen könnte. Den größten Unterschied zum teureren Toyota (ab 25.150 Euro) macht das Doppelherz. Da stehen zwei Konzepte gegeneinander, zwei Philosophien, die Techniker als Voll- oder Mildhybrid bezeichnen.
Nur der Toyota Prius erlaubt rein elektrische Fortbewegung
Leises Surren: Nur der Prius erlaubt die rein elektrische Fortbewegung.
Leises Surren: Nur der Prius erlaubt die rein elektrische Fortbewegung.
Der Unterschied zwischen den verschiedenen Systemen erklärt sich am besten beim Fahren, oder noch früher: beim Starten. Da summt der 1,3-Liter-Vierzylinder (88 PS) des Insight leise vor sich hin, während der Prius stoisch stumm bleibt. "Ready" steht im Display, sonst rührt sich nichts. Aha, erst durch Streicheln des Gaspedals fließt Strom ins E-Aggregat (68 PS), gleichzeitig rollt Toyotas Vollhybrid rein elektrisch los. Hondas zehn Kilowatt starker E-Motor kann allein nichts bewegen, der schaltet sich immer nur zum Benziner zu. Auf dem Papier verbraucht der Prius (4,3 Liter) weniger als der Insight (4,6 Liter). Auch dank größerer Batterie, die bei beiden unterm doppelten Kofferraumboden lagert, was ein problemloses Klappen der Rücksitzlehnen erlaubt. Auch hinter der flach stehenden Windschutzscheibe fallen die Unterschiede gering aus. Honda verwöhnt mit strafferen Sitzen, Toyota mit den angenehmeren Materialien. Schade, dass das Insight -Lenkrad trotz Höhen- und Weitenregulierung die uneingeschränkte Sicht auf den showreifen Digital-Tacho versperrt.

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Wie ein Chamäleon wechselt das Instrument die Farbe, je nach Batterie-Zustand. Leuchtet es grün, fließt Energie zurück, z. B. beim Bremsen. Insgesamt leistet das Antriebs- Duo 98 PS, was völlig reicht. Vor allem in der Stadt zieht der Honda souverän nach vorn. Und gibt alles, um uns zu besseren Autofahrern zu erziehen. Ein Druck auf den Econ-Knopf, und die Elektronik dämpft allzu nervöses, spritfressendes Gasgeben. Dann heult auch die CVT-Motor-Kombination heiser auf – bestimmt, weil gerade der Bock mit dem Gärtner durchgeht. Jetzt werden mal wieder richtig Blumen geköpft.

Technische Daten Toyota Prius: Verbrennungsmotor, Elektromotor und Generator • Hubraum 1497 cm³ • Leistung 82 kW (113 PS) • max. Drehmoment 478 Nm • Nickel-Metallhydrid-Batterie mit 201,6 V und 6,5 Ah • Vorderradantrieb • stufenlose Automatik • L/B/H 4450/1725/1490 mm • Verbrauch EU-Mix 4,3 l Super • CO2 104 g/km • Vmax 170 km/h • 0–100 km/h 10,9 s • Tank 45 l • Kofferraum 408–1210 l • Preis: ab 25.150 Euro

Technische Daten Honda Insight: Verbrennungsmotor, Elektromotor und Generator • Hubraum 1339 cm³ • Leistung 72 kW (98 PS) • max. Drehmoment 185 Nm • Nickel-Metallhydrid-Batterie mit 12 V und 35 Ah • Vorderradantrieb • CVT-Automatikgetriebe • L/B/H 4395/ 1695/1425 mm • Verbrauch EU-Mix 4,6 l Super • CO2 105 g/km • Vmax 182 km/h • 0–100 km/h 12,5 s • Tank 40 l • Kofferraum 408–1017 l • Preis: ab circa 20.000 Euro
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