Vergleich Jaguar XJ gegen Maserati Quattroporte — 19.10.2009
Hat der Jaguar XJ noch Klasse?
Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Der XJ ist nicht mehr das, was er mal war. Im Stile eines modernen Herausforderers trifft der neue große Jaguar erstmals auf den Maserati Quattroporte – die Design-Ikone unter den großen Limousinen.
Traditionalisten unter den Jaguar-Freunden werden ihre Probleme haben
Und ja, es ist was dran – so wie die Limousine an der Linse des Fotografen vorbeihuscht, gewinnt sie zusehends an Reiz. Enorm gestreckt wirkt sie mit diesen schlanken Seitenfenstern, hockt breitbeinig auf dem Boden, das Gesicht bullig, die Haut glatt und straff. Sicher, die Traditionalisten unter den Jaguar-Freunden werden mit ihm ihre Probleme haben. Aber klar ist auch: Der alte Stil hat ausgedient, die klassische Designschiene erwies sich beim Vorgänger als Abstellgleis. Doch langt es dem neuen XJ, um im Schönheitswettbewerb zu bestehen? Wer könnte diese Frage besser beantworten als der Maserati Quattroporte, die Stilikone unter den großen Limousinen? Eine mit dezent sportlicher Note für Individualisten, für Menschen, die die feineren Genüsse des Lebens zu schätzen wissen (wie der Jaguar also). Eine, für die sich auch der Jaguar-Designer Callum begeistern kann ("tolle Proportionen"). Wir haben sie zum ersten Treffen mit dem Jaguar folglich gleich mitgebracht.
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Auf den Vordersitzen erinnert das Nischengefühl noch an alte Jaguar-Tage, hinten entspricht das Raumangebot fast dem des Vorgängers. Wer die Langversion nimmt, bekommt weitere 12,5 Zentimeter Beinraum. Den Platz am Lenkrad besetzt heute Michelle O'Connor, die Fahrdynamikerin im Entwicklungsteam von Jaguar. Journalisten ist der Zugang zum Fahrersitz vorerst noch verwehrt. "Natürlich muss ein Jaguar technisch und in den objektiven Kriterien auf Augenhöhe mit der Konkurrenz sein", sagt sie. "Aber die Kunst bei der Abstimmung zeigt sich im Emotionalen, im Charakter." Ein Jaguar habe sich eine Idee agiler, direkter anzufühlen als gängige Großlimousinen. Leichtfüßiger auch, wobei die Tatsache, dass der XJ dank Aluminiumkarosserie der Leichteste seiner Klasse ist (ab 1796 kg), natürlich helfe. Aber zugleich müsse die Katze auch geschmeidig bleiben. Könnte hinkommen, so hurtig und lässig, wie sie das 5,10-Meter-Schiff über die engen Landstraßen navigiert. Auch die Federung (vorn Stahl, hinten Luft) scheint die Vorgabe zu erfüllen. Nur bei langsamer Fahrt stelzt der mit adaptiven Stoßdämpfern ausgerüstete XJ etwas steifbeinig über die Piste.
Musikalisch ist der V8 des Quattroporte haushoch überlegen
Nichts gegen die Turbulenzen im robust gefederten Quattroporte GT S freilich. Unter der XJ-Haube haben wir den Kompressor-V8 mit 510 PS, die stärkste der drei Motorvarianten (sonst 3.0-V6-Diesel, 275 PS/ 5.0-V8, 385 PS). Leistungswünsche erfüllt er eben so spontan wie nachdrücklich, und bei höheren Drehzahlen dringt ein dezentes Grollen aus dem Maschinenraum. Ganz klar: So gewaltig war bislang noch kein XJ motorisiert. Da hat dann auch der 50 Kilo gewichtigere und 70 PS schwächere Maserati seine Mühe, dem Kompressor-Modell zu folgen. Musikalisch allerdings ist er haushoch überlegen, das bleibt uns selbst im vorausfahrenden Jaguar nicht verborgen. "Richtig italienisch, der Sound, und ich liebe alles Italienische", gesteht Michelle O'Connor. Dann der Zusatz, der sich für eine Jaguar-Ingenieurin gehört: "Aber für einen XJ entschieden zu laut." Zumindest beim akustischen Auftritt bleibt der XJ sich also treu.Technische Daten Jaguar XJ 5.0 V8 Kompressor V8, Kompressor, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 5000 cm³ • Leistung 375 kW (510 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 625 Nm bei 2500/min • Hinterradantrieb • Sechsstufenautomatik • 0–100 km/h 4,9 s • Tankinhalt 82 l • Verbrauch (EU-Mix) 12,1 l Super/100 km • 289 g CO2/km • Spitze 250 km/h • Preis: 133.310 Euro
Technische Daten Maserati Quattroporte Sport GT S V8, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 4691 cm³ • Leistung 323 kW (440 PS) bei 7000/min • max. Drehmoment 490 Nm bei 4750/min • Hinterradantrieb • Sechsstufenautomatik • 0–100 km/h 5,1 s • Tankinhalt 90 l • Verbrauch (EU-Mix) 15,7 l Super/100 km • 365 g CO2/km • Spitze 285 km/h • Preis: 133.310 Euro
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Kommentare zum Artikel (26)
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Mein Typ sind die neuen Modelle nicht.
Nichts mehr von der schönen Ausstrahlung der Limousinen früherer Jahre,leider.
Irgendwie ein Zwischending aus Volvo& Crysler und etwas Aston Martin.
Fahre seit 10 Jahren meine XJ 40 Daimler und bin jedes mal begeistert
von der Form und dem Fahrkomfort.
Aber die Absatzzahlen scheinen nicht so schlecht zu sein gut für die Marke Jaguar.
Ich finde der Jaguar schaut frischer aus,da der Maserati schon länger am Markt ist-tritzdem beides tolle und schöne Autos
Ich denke es ist völlig müssig sich darüber zu streiten, ob der Jaguar oder der Maserati schön sind oder nicht. Beide Fahrzeuge haben Character und dementsprechend auch gewisse Schrullen, die sie für die Einen liebenswert und die Anderen abstossend machen. Es sollte noch viel mehr solcher polarisierender Fahrzeuge geben, dei meissten Autos kopieren sich doch alle gegenseitig.
Chefdesigner Ian Callum kann von seinem jüngsten "Vehikel" schwärmen wie er will, das Design des XJ ist und bleibt eine Schande. Egal ob im Internet oder live auf der IAA -
vermutlich wurden bei ebay diverse Einzelteile von Fremdfabrikaten ersteigert und diese willkürlich zusammengeschustert. Wie konnte so etwas nur die Chefetage von Jaguar absegnen?
Ein enttäuschter Jaguar Fan...
@Bruno: bin voll deiner Meinung! Allzu oft sind die Fotos, auch jene, die von der Presseabteilung ausgegeben werden, einfach Mist, nicht nur bei Jaguar!
Ich warte auf die ersten gescheiten Insterate auf autoscout24 (und Konsorten), wo man oft Bilder finden kann, wo man ein neues Auto dann so sieht, wie wenn man davor steht (die Auflösung ist halt geringer...)