Vergleich Jeep Cherokee, Kia Sorento

Vergleich Jeep Cherokee, Kia Sorento

— 15.05.2003

Charmeur gegen Abenteurer

Generationswechsel in der Mittelklasse: Der Offroader im modernen SUV-Look luft dem Gelndewagen in traditioneller Optik den Rang ab.

DaimlerChrysler hat krftig nachgelegt

Die Kunden reien Kia den Sorento schier aus den Hnden: Der Koreaner hat Lieferzeiten wie BMW und Mercedes-Benz wer heute bestellt, muss mit Wartezeiten bis Anfang 2004 rechnen. Dieses Problem hat DaimlerChrysler beim Jeep Cherokee nicht. Wenn er sich auch daheim in den USA befriedigend verkauft hier in Deutschland hat er sich bisher nicht zum Verkaufsschlager entwickelt.

Offenbar spricht seine Offroader-Optik deutsche SUV-Kufer nicht so an wie die modische, von M-Klasse und Co inspirierte Linie des Kia Sorento: Der Cherokee macht nicht so viel her, wirkt zu eigenwillig, zu klein, als dass er das breite Publikum begeistern knnte. Zudem schreckten technische Unzulnglichkeiten und das ungnstig zusammengestellte Modellprogramm wohl manchen Kufer: Bei seiner Markteinfhrung verfgte der neue Cherokee ber lausige Bremsen und ein im Grenzbereich kritisches Fahrverhalten. Und wer den sparsamen Diesel wollte, musste mit einem veralteten Zuschalt-Allradantrieb und einem knochigen, lauten Schaltgetriebevorlieb nehmen. Automatik und zeitgemen Permanent-Allrad gab es nur im durstigen Sechszylinder-Benziner.

Deshalb hat die Jeep-Division im DaimlerChrysler-Konzern nachgelegt und nachgebessert: Das Fahrwerk wurde schon im vergangenen Jahr gestrafft sowie dezent tiefer gelegt; jetzt erhielt der Cherokee neue Bremsen mit hinteren Scheiben und besserem ABS, auerdem andere Reifen. Und auch die Diesel-Version ist jetzt mit vollwertig nutzbarem Permanent-Allrad und Automatikgetriebe zu haben.

Zum Test tritt diese neue und attraktivste Version des Cherokee als optisch aufgepepptes Sondermodell Renegade an: mit Dachaufbau und Zusatzscheinwerfern, mit Trittbrettern und sichtbar verschraubten Verbreiterungen, mit lackierten Alufelgen sowie mit Sonder-Sitzen in adretter Leder-Textil-Kombination.

Kia-Motor wirkt weich und unentschlossen

Schon auf den ersten Kilometern gefllt der fr die Automatik-Version von 2,5 auf 2,8 Liter vergrerte Dieselmotor mit prchtigem Durchzug. Das Triebwerk ist eine Entwicklung des italienischen Dieselmotorenherstellers VM Motori, der seit 1995 dem US-Motorenriesen Detroit Diesel gehrt; und der wiederum gehrt zum DaimlerChrysler-Konzern. Im Kia schlgt berraschenderweise das prinzipiell gleiche Herz. Allerdings belieen die Koreaner den Hubraum bei 2497 cm.

Das macht sich bei der Kraftentfaltung weniger bemerkbar als die drehfreudigere Abstimmung der Automatik. Kia lsst die Wandlerberbrckung erst bei gut 90 km/h einrcken. So "rhrt" der Motor bei ruhiger Landstraenfahrt meist im Drehmomentwandler, wirkt weich und unentschlossen. Bei forcierter Fahrweise ist der Sorento aber durchaus flott wenngleich er sich dem krftigeren und etwas leichteren Jeep geschlagen geben muss. Ausnahme: Die Hchstgeschwindigkeit des Jeep liegt mit 162 km/h deutlich unter den 171 km/h des Kia.

Bei flotter Landstraenfahrt erfreut der Kia seine Piloten mit direkter Lenkreaktion und handlichem Kurvengefhl. In dieser Hinsicht haben die Ingenieure im Porsche-Entwicklungszentrum Weissach gute Arbeit geleistet: Hier erfolgte die Fahrwerks-Endabstimmung des Deutschland-Modells. Kehrseite der straffen Abstimmung ist der enttuschende Federungskomfort insbesondere auf kurzen Unebenheiten und bei hohem Tempo. Nur auf absolut glattem Asphalt fhrt man im Kia wirklich komfortabel.

Der Jeep machts aber nicht besser: Auch hier wurde, um den anfnglichen Fahrwerksproblemen abzuhelfen, nun eine straffere Abstimmung gewhlt, die alle Arten von Bodenunebenheiten deutlich zu den Insassen durchdringen lsst. Zustzlich wird der Fahrkomfort im Cherokee durch den rau laufenden Antrieb geschmlert, der je nach Geschwindigkeit merkliche Vibrationen und lstige Drhngerusche erzeugt. Dabei ist es ohne Belang, ob man mit permanentem Allradantrieb (Stellung 4Full Time) fhrt oder den Vorderradantrieb abschaltet. Es macht also keinen Sinn, im 2WD-Modus zu fahren; auch eine Verbrauchsreduzierung war nicht messbar.

2WD-Modus im Jeep bei Nsse gefhrlich

Wer ein ausbrechendes Heck frchtet, der sei ausdrcklich vor 2WD-Fahrten bei Nsse gewarnt: Engagierter Gaseinsatz in engen Kurven kann hier die Hinterachse zum Ausschwenken bringen. Insgesamt wirkt das Fahrverhalten des Cherokee nicht ganz so harmonisch und handlich wie das des Sorento, ist aber ausreichend sicher und beherrschbar. Dank der neuen Bremsen verzgert der Jeep nun befriedigend mehr kann der Kia auch nicht.

Fast erstaunliche Befunde ergibt das genaue Nachmessen der Innenrume der beiden Kontrahenten: Obwohl er vom subjektiven Eindruck her erheblich gerumiger wirkt, bietet der Kia gar nicht viel mehr Platz. Lediglich die Innenbreite des Sorento ist eine ganze Nummer grozgiger als im Cherokee. In der vorderen Bein- und in der Kopffreiheit ist der Jeep sogar berlegen. Hinten hat er merklich weniger Knieraum als der Kia, zudem befriedigt die Rckbank mit ihrer kurzen Sitzflche nicht so recht.

Diese geringe Sitztiefe ist der Preis fr das pfiffige Klappsystem der Cherokee-Rckbank: Beim Umlegen der asymmetrisch geteilten Rckbanklehnen faltet sich automatisch die Sitzflche nach unten in den Furaum, sodass eine glatte Ladeflche entsteht. Nur wenn die Vordersitze weit zurckgeschoben sind, muss man vorher die hinteren Kopfsttzen entfernen. Viel mehr Arbeit erfordert die Laderaumerweiterung beim Kia: Die Kopfsttzen mssen immer raus, erst dann knnen die Sitzflchen nach vorne geklappt werden. Danach lassen sich die Lehnen waagrecht nach vorn umlegen. Beim Wiederaufbau der Rcksitze ist zudem umstndliches Fummeln mit den Gurtpeitschen ntig, sonst bleiben sie unter dem Sitz liegen.

Im Gelnde siegt der Amerikaner

Ob mit oder ohne Rckbank-Klappen: Der Laderaum des Kia ist immer merklich kleiner als der des Jeep. Das schrg gestellte Heckfenster kostet viel Platz, der doppelte Kofferraumboden mit dem flachen Staufach darunter Laderaumhhe. Punktabzug erntet der Kia auch fr die Anhngelast: 2,8 Tonnen sind in dieser Fahrzeugklasse nicht wirklich viel; der Jeep setzt hier den Mastab er darf, einschlielich Sttzlast, die bei allen DaimlerChrysler-Produkten getrennt ausgewiesen wird, das gesetzliche Maximum von 3,5 t an die Kugel nehmen.

Weniger gravierend, als die Optik vermuten lsst, sind die Unterschiede im Gelnde. Insgesamt bietet der Jeep hier mehr: Er hat das flexiblere Allradsystem; seine hintere Reibungs-Differenzialbremse wirkt entschlossener gegen einseitiges Durchdrehen als die des Kia. Gnstig im Gelnde ist auch die ungewhnlich kurze bersetzung der ersten Automatik-Fahrstufe, die im Verein mit der vorbildlich kurzen Gelndeuntersetzung fr gefhlvolles Bewltigen kniffliger Hindernisse, fr gute Motorbremswirkung und fr eine beeindruckende theoretische Steigfhigkeit von 136 Prozent sorgt.

Die Achsverschrnkung des Cherokee hat durch das neue Fahrwerk gelitten. Sehr gut sind zwar Bschungs- und Rampenwinkel, drftig aber die Bodenfreiheit. Die ist beim Kia wertvolle 20 Millimeter grer. Auch er hat eine wirksame Gelndeuntersetzung und die bessere Achsverschrnkung. In der Praxis schafft er auch steilste Anstiege (98 Prozent).

Eindeutiger Sieger ist der Kia im Kostenkapitel. Der Anschaffungspreis ist gnstiger, selbst wenn man die im Jeep schon serienmigen Extras mitbestellt. Auch im Unterhalt gibt er sich gengsamer: Geringerer Verbrauch, niedrigere Kfz-Steuer und gnstigere Kaskoversicherung lassen den Sorento unter dem Strich gegenber dem Cherokee bei 30.000 Kilometern rund 600 Euro jhrlich einsparen. Zur Wartung muss er allerdings hufiger.

Fazit und technische Daten

Fazit Erstaunlich nah beisammen erreichen die beiden Mittelklasse-Diesel das Testziel. Mit keinem der beiden erwirbt man ein Spitzenprodukt moderner SUV-Technik. Und mit keinem der beiden macht man wirklich etwas falsch. Ein unschlagbares Argument fr den Kia ist sein gnstiger Preis. Als Familienauto eignet er sich mit seinem grozgigeren Raumangebot besser als der schmlere Jeep. Der besticht dafr mit mehr Laderaum, mehr Anhngelast, mehr Gelndetauglichkeit. Und er ist kurzfristig lieferbar auch das kann ein Kaufgrund sein.

Kosten und Ausstattungen

Der uerlich moderner wirkende Kia lockt mit einem sehr gnstigen Grundpreis. Dafr kosten einige Ausstattungsdetails Aufpreis, die der Jeep serienmig an Bord hat.

Wertung und Endergebnis

Der Kia Sorento punktet mit seinem gnstigen Preis und einem relativ niedrigen Verbrauch. Dazu lassen ihn das Platzangebot hinten sowie die sichere Straenlage als Sieger aus diesem Vergleichstest herausfahren. Fr Off-Road-Fans bietet der Jeep Cherokee die bessere Gelndetauglichkeit sein gutes Raumangebot vorne, die hohe Anhngelast und die gute Automatik-Abstimmung reichen trotzdem nur fr Platz zwei.

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