Vergleich Mercedes E-Klasse/Audi A6/BMW 5er
— 31.03.2009Punktlandung für die E-Klasse
Schluss mit großen Tönen und Versprechungen: Der Tag der Abrechnung für die neue Mercedes E-Klasse ist da. Audi A6 und BMW 5er sind bereit zum Abheben. Und es wird kein Schönwetterflug. Ein Vergleich der deutschen Oberklasse-Diesel.
Bei der Sicherheitsausstattung setzt die E-Klasse die Maßstäbe
Karosserie: Die neue E-Klasse ist noch geräumiger als ihr Vorgänger. Vorn fällt das nicht weiter auf, auch A6 und 5er sind alles andere als eng. Im Fond dagegen wird es deutlich: Der E 250 hat fühl- und messbar mehr Platz für Kopf und lange Beine. Wegen der sehr breiten, in den Fußraum ragenden Mittelkonsole muss der Fahrer jedoch sein rechtes Bein relativ stark nach links anwinkeln – das ist ungewohnt und anstrengend, besonders auf langen Strecken. Bei der Qualität liegt noch immer Audi vorn – Mercedes und BMW kommen da nicht ran. Die E-Klasse erinnert mit Materialauswahl und Verarbeitung eher an die C- als an die S-Klasse. Vollkommen neue Maßstäbe setzt der Mercedes jedoch mit einer außergewöhnlich umfangreichen Sicherheitsausstattung: Serie sind zum Beispiel ein Müdigkeitsassistent, die aktive Motorhaube für den Fußgängerschutz, ein Knie-Airbag für den Fahrer und das PreSafe-System. Wer will, bekommt noch viel, viel mehr – gegen teilweise deftigen Aufpreis.
Im 5er überzeugt die Kombination aus Reihensechser und Automatik
Antrieb: Mercedes' hochmoderner Vierzylinder-Diesel mit Doppel-Turbo und 204 PS hat uns in der C-Klasse und im GLK sehr gut gefallen – in der großen Limousine hat er einen schweren Stand. Der vergleichsweise schmächtige Kerl haut schon bei 1600 Touren das größte Drehmoment (500 Nm) auf die Kurbel welle und marschiert mächtig los. Der 2,2-Liter-Mercedes ist deshalb praktisch genauso schnell wie der Audi mit dem 2,7-Liter-V6 und der BMW 5er mit dem Dreiliter-Reihensechser. Doch besonders der 197 PS starke BMW-Diesel zeigt in Kombination mit der famosen ZF-Sechsstufen-Automatik dem Mercedes-Vierzylinder und seiner Fünfstufen-Automatik (2202 Euro) die Grenzen auf: Er läuft samtweich, der Automat reagiert hellwach. Im Gegensatz dazu wirkt das Getriebe im E 250 CDI stets schläfrig. Zumal die Überraschung noch kommt: Der kleine Mercedes-Vierzylinder verbraucht im Testschnitt mit 7,0 Litern nicht weniger als der fette Dreiliter im BMW. Der Audi liegt mit 7,7 Litern knapp darüber, sein V6 tritt verhaltener an als der BMW, läuft bei hohen Touren rau und laut. Und auch die stufenlose Multitronic (2200 Euro) reagiert, verglichen mit dem ultraschnellen ZF-Automaten im BMW, verzögert.Komfort: Dieses Kapitel sollte ja wohl die Domäne des Mercedes sein, oder? Denkste! Unser E 250 CDI war ausgerüstet mit dem sportlich abgestimmten Direct-Control-Fahrwerk (500 Euro). Und damit rollt er härter und lauter ab als der BMW, nimmt vor allem Querfugen unerwartet ruppig. Der BMW dagegen – wie alle hier auf 225/55-R-16-Reifen – federt sehr ausgewogen und souverän. So gelassen schafft das auch der Audi nicht – mit seiner Luftfederung (1950 Euro) rollt er zwar leiser ab als die E-Klasse, wirkt aber vergleichsweise schwammig. Im E 250 CDI fällt zudem der brummende Vierzylinder-Diesel auf. Der läuft zwar – gemessen in Dezibel – nicht so viel lauter als der BMW, aber nach Oberklasse klingt er nicht. Eher nach der neuen Sparsamkeit. Mal abgesehen vom Image-Abstieg: Da sollte Mercedes bei Akustik und Dämmung nachlegen. Auch bei den Sitzen passt im Mercedes nicht alles perfekt: An Fahrer- und Beifahrersitz (Multikontur für 619 Euro) stört die sehr weit nach vorn ragende Kopfstütze – entspannt zurücklehnen kann man sich so nicht. Und im Fond ist die Sitztiefe der Rückbank erstaunlich kurz geraten. Das fällt speziell im Vergleich mit dem 5er auf, in dem man trotz des knapperen Platzangebots bequemer sitzt. Unterm Strich bietet der BMW mehr Komfort als der Mercedes – eine dicke Überraschung!
Der Frontantrieb bremst den Audi in Sachen Fahrdynamik aus
Fahrdynamik: Verkehrte Welt – die erleben wir auch bei den dynamischen Talenten. Hier würde man den BMW wohl traditionell vorn erwarten, aber der Mercedes macht das Rennen. Gerade mit dem sportlich abgestimmten Fahrwerk und Direktlenkung (315 Euro) fährt er sich herausragend sicher, handlich und bleibt in Extrem-Situationen leicht beherrschbar. Das ESP ist perfekt abgestimmt, greift feinfühlig ein, die standfesten Bremsen runden das Bild ab. Klasse! Klar, auch der lebhafte BMW fährt agil – aber er beschäftigt den Fahrer mehr. Er liegt unruhiger, und die direkte Lenkung reagiert fast etwas nervös. Der frontgetriebene A6 untersteuert kräftig und wankt mehr als die beiden anderen. Die Lenkung fällt mit ungenauer Mittellage auf, das ESP regelt relativ spät und dann hart.Kosten: 47.523 Euro kostet der Mercedes E 250 CDI mit Automatik, Direktlenkung und Sportfahrwerk – wie gewohnt der Teuerste. Der BMW 525d kommt mit Automatik auf 45.090 Euro und der Audi A6 2.7 TDI mit Luftfederung und Multitronic auf 44.750 Euro. Auch bei den Versicherungen liegt der A6 am günstigsten, spart vor allem bei der Vollkasko. Ob das am Ende wichtig ist? Nun ja: Selbst in besseren Kreisen ist Knausern ja wieder en vogue.
Wie der Vergleich ausgegangen ist, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen Tabellen und technischen Daten gibt es als Download im Heftarchiv.





































