Test Mercedes E-Klasse Coupé gegen Audi A5

Audi A5 Mercedes E-Klasse Coupé Audi A5 Mercedes E-Klasse Coupé

Vergleich Mercedes E-Klasse Coupé gegen Audi A5

— 07.04.2009

Schaulaufen der Schönheiten

Deutschland sucht seinen schönsten Zweitürer: Das neue Coupé der Mercedes E-Klasse trifft den Audi A5. AUTO BILD hat die beiden eleganten Oberklassen miteinander verglichen.

Das Wunderbare am neuen E-Klasse Coupé ist die optische Täuschung. Es sieht eckig aus, flutscht aber – Trommelwirbel, Tschingderassabäng – als neuer Aerodynamik-Weltmeister durch die Luft: cW-Wert nur 0,24! Der Trick dabei: Der schlanke Viersitzer ist nur scheineckig. Die wie Intarsien eingearbeiteten grafischen Elemente, zum Beispiel die Scheinwerfer, sind zwar spitz und scharfkantig, die eigentliche Form aber blieb trotz aller Lichtkanten abgerundet. Darüber hinaus wurden die Fugen abgedichtet, Rückspiegel und Motordurchströmung optimiert, und selbst die Rückleuchten tragen seitlich eine kecke Spoilerschanze, damit sich die Luft nicht am Heck festbeißt. Überhaupt die Rückleuchten: Bei Nacht funkeln die LEDs wie die Casinos in Las Vegas. Will heißen: Daimler hat sich richtig Mühe gegeben. Und unser Referenz-Coupé, der A5 von Audi, sieht bei aller fließenden Eleganz dagegen schon ein bisschen pummelig aus, besonders um die Nase herum. Dessen cW-Koeffizient schafft trotz der drallen Rundungen bloß 0,29. So kann man sich täuschen.

Das neue Coupé stammt endlich wieder von der E-Klasse ab

Doch beim Mercedes ist noch mehr Historisches geschehen. Er heißt nicht CLK oder CLE, oder wie auch immer die Logik der Buchstaben des Hauses funktionieren mag. Er heißt E-Klasse Coupé, denn selbst die Daimler-Denker finden sich in ihrem Kürzel-Dickicht kaum noch zurecht. Mit dieser Namens-Revolution scheint auch eine gewisse Enthubbertisierung der Marke vonstatten zu gehen. Endlich. Jürgen Hubbert war Pkw-Chef in den 90er-Jahren bis 2004, als sich Mercedes von der schwerfälligen, aber unantastbaren Autorität mit superber Qualität in die populistischen Niederungen von geschmäcklerischem Styling, Massenproduktion, Kleinwagen und gar einer Affäre mit Amerika begeben hat. Shareholder-Value vor Güte – keine gute Idee. Jetzt hauchen die Schwaben ihrem alten Nimbus Frischluft ein. Dazu gehört auch, dass das nur drei Monate nach der Limousine vorgestellte Coupé tatsächlich wieder von der E-Klasse abstammt und nicht kostenoptimiert vom C wie der Vorgänger CLK. Das erste Coupé der Mittelklasse basierte schließlich auf dem berühmten Strich-8, die Nachfolger entwuchsen den Baureihen W 123 und W 124, alles waschechte E-Klassen. Bei denen konnten es sich die Mercedes-Formgeber noch leicht machen. Die Bedeutung des französischen Begriffs Coupé war deutlich zu erkennen: "abgeschnitten". Die Zweitürer wirkten wie versehentlich unters Hackebeil geraten – aber auch vornehmer als die volkstümlicheren Limousinen.

Im Vergleich zur Limousine gibt es einen kürzeren Radstand

Geschrumpft: Der Radstand des Coupés ist zehn Zentimeter kürzer als bei der Limousine.

Auch heute ist das Coupé sofort als E-Werk zu identifizieren, dennoch herrscht trotz des zehn Zentimeter kürzeren Radstands feine Harmonie: niedrigerer und noch schärfer gepfeilter Bug, flachere Taille, selbst die Scheinwerfer sind nicht dieselben wie in der Limousine, damit aus dem Wagen ein Gesamtkunstwerk wird. Und ein netter Gag sind – wie bei der Limousine – die bauchigen Kotflügel hinten. Schon der Ponton in den Fünfzigern besaß die Hüftpolster, auch in der feinen 220er-Coupé-Version übrigens, die nur knapp 2000 Mal entstand. Jedenfalls sieht das Coupé nicht mehr wie bislang nach Damenwagen oder einer Überdosis Lenor im letzten Waschgang aus, sondern sehnig-maskulin. Das unterscheidet ihn grundlegend vom elegant fließenden Audi A5, der besonders in der Seitenansicht an die Rundungen von Germany’s next Topmodel erinnert, wenn auch in mancher Perspektive ein wenig füllig. Zu diesem Eindruck trägt die B-Säule bei, die wie ein Klotz in der Seitenlinie steht. Feine Coupés lassen so etwas gern weg.

So wie beim Mercedes, der damit eine Tradition des Hauses fortsetzt: Bei heruntergefahrenen Seitenscheiben entsteht ohne die B-Säule eine Art horizontales Cabriolet, luftig, licht und leicht, besonders wenn sich dazu das optionale Glasdach öffnen kann. Um die Dachlinie kuppelförmig geschwungen zu halten und gleichzeitig das hintere Seitenfenster ganz öffnen zu können, haben die Designer jedoch ein winziges, starres Dreieckfenster an der C-Säule integrieren müssen – ein Kompromiss, der Perfektionisten etwas stört. Der Verzicht auf die B-Säule ist übrigens keine banale Sache. Der Stabilität und Sicherheit wegen musste die Bodengruppe erheblich verstärkt werden. Ja, die Sicherheit. Wie sich das für Mercedes gehört, werden wieder neue Maßstäbe gesetzt. Hier liegen die Stuttgarter mit Attention Assist (warnt bei Müdigkeit), Pre-Safe-Bremse (bremst in der Not selbsttätig ab), Adaptive Brake (rubbelt die Bremse bei Nässe trocken) klar vor den Ingolstädtern.

Im Vergleich zum neuen E-Klasse Coupé sieht der Audi plötzlich alt aus

Geschmacksache: Im Vergleich zum E-Klasse Coupé wirkt der Audi plötzlich alt.

Der Audi punktet dafür bei der Klarheit und Stilsicherheit im Innenraum. Er verzichtet auf gewollte Dekoration und gibt sich vornehmer, gediegener als der neue Mercedes. Die aneinanderstoßenden Flächen der verschiedenen Innenraumelemente wie Türgriffe, Ablagen, Armauflagen wirken subtiler als im E-Klasse Coupé. Dessen Armaturenträger soll allen Ernstes an den Querschnitt eines Düsenjets erinnern, mit den Belüftungsdüsen in der Mitte als Triebwerke und der geschwungenen Aluminiumleiste über die ganze Breite als Tragfläche. Hinten sitzt man in beiden coupétypisch etwas beengter als in den zugehörigen Limousinen, wobei im Mercedes die hintere Mittelarmlehne fehlt. Warum eigentlich? Stattdessen gibt es – noch so ein Traditionsdetail – eine versenkte Ablage zwischen den Sitzen. Wie im Audi lassen sich die Rücksitze umlegen, um einen Kofferraum zu bekommen, der auch Sperrgut schluckt.

Übergröße, das passt zum Preis. 44.685 Euro kostet das E 250 CDI Basis-Coupé mit dem 2,2-Liter-Diesel und 204 PS oder wahlweise als 250 CGI mit 1,8-Liter-Benziner (ebenfalls 204 PS), beide als Vierzylinder. Den A5 mit 180 Benziner-PS gibt es ab 34 350 Euro, als vergleichbaren Diesel ab 40.000 Euro. So zeigt sich auch im Preis, dass Mercedes sein Coupé nach oben rückt.

Technische Daten Audi A5 Coupé 3.2 FSI quattro: V6, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 3197 cm³ • 195 kW (265 PS) bei 6500 1/min • max. Drehmoment 330 Nm bei 3000 1/min • Allradantrieb • Sechsstufen-Automatik • L/B/H 4625/1854/1372 mm • Radstand 2751 mm • Tankinhalt 64 l • EU-Verbrauch 9,0 l S/100km • CO2 215 g/km • 0–100 km/h in 6,4 s • Spitze 250 km/h • Preis: ab 47.600 Euro

Technische Daten Mercedes E 350 CGI Coupé B.E.: V6, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 3498 cm³ • 215 kW (292 PS) bei 6400 1/min • max. Drehmoment 365 Nm bei 3000 1/min • Hinterradantrieb • Siebenstufen-Automatik • L/B/H 4698/1786/1397 mm • Radstand 2760 mm • Tank 66 l • EU-Verbrauch 8,7 l S/100km • CO2 203 g/km • 0–100 km/h in 6,3 s • Spitze 250 km/h • Preis: ab 51.408 Euro
Autor:

Bernhard Schmidt

Fazit

Das E-Coupé kehrt zurück zu einem klaren Namen, zu alter Größe und zu alter Klasse. In der Beletage der bürgerlichen Schönheiten lässt er den Audi A5 plötzlich alt aussehen – und das zählt schon eine Menge bei der modebewussten Klientel.

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