Vergleich Mercedes S 350 CDI/S 400 Hybrid — 04.08.2009

Wer macht die bessere Umweltpolitik?

Diesel in der S-Klasse? Längst etabliert. Er ist schließlich leise, stark und sparsam. Gleiches verspricht Mercedes nun auch beim S 400 Hybrid. Kann der den S 350 CDI wirklich übertrumpfen?

Luxus-Maßstab, Sicherheits-Vorreiter, Technik-Pionier – die S-Klasse darf sich vieler Titel rühmen. Und bislang jedenfalls fuhr Daimlers Dickster stets die richtige Politik. Technischer Vorreiter sein und repräsentative Aufgaben würdevoll zu erfüllen ist der Auftrag, der mit Luftfederung, Pre-Safe-Technik und Siebenstufenautomatik souverän erledigt wird. Doch zu einer Vorreiterrolle gehört heute mehr denn je die Ökologie. Umweltverträglichkeit, Schonung der Ressourcen und damit der Verbrauch sind schlagende Argumente weit über Parlamentsdebatten hinaus. Sparen mit der S-Klasse heißt für Mercedes: erst einmal kräftig Geld ausgeben. Etliche Millionen Euro sind in die Entwicklung kraftvoller Dieselaggregate mit Piezo-Einspritztechnik geflossen. Und jetzt das: der erste Hybridantrieb in einem deutschen Serienmodell, dem S 400 Hybrid – sicher auch keine billige Geschichte. Hier arbeiten ein 279 PS starker 3.5-V6 und ein 20-PS-Elektromotor mit vereinten Kräften.

Der Mercedes S 400 Hybrid schafft locker die Euro-5-Abgasnorm

Wie effektiv, zeigt der Vergleich mit dem bisherigen Vorzeige-Sparer S 350 CDI BlueEfficiency. Hybrid oder Diesel: Fragt sich, was besser, sauberer, günstiger ist. Die Preisliste spricht klar für den CDI. Rund 12.000 Euro sparen Diesel-Abgeordnete – autsch! Dabei stehen doch sonst die Benziner im Ruf, deutlich preiswerter zu sein. Hier nicht. Weil die aufwendige Hybridtechnik inklusive E-Maschine und Lithium-Ionen-Batterie deutlich mehr kostet – und weil der S 400 Hybrid üppiger ausgestattet ist als der 350 CDI BlueEfficiency. So ist zum Beispiel das DVD-Navigationssystem Command APS serienmäßig bei ihm an Bord, dazu gibt es im 400er LED-Licht und eine aktive Reifendruckkontrolle. Klar, die Extras machen immerhin 4556 Euro Preisdifferenz wieder wett. Aber wo verstecken sich die restlichen 7760 Euro Mehrpreis? Etwa im Gefühl, einen Saubermann zu fahren? Immerhin schafft der Hybrid locker die Euro-5-Abgasnorm, während sich der CDI mit seinem NOX-Handicap gerade mal über die Euro-4-Hürde robbt.

Aus dem Drehzahlkeller schiebt der Turbodiesel nachdrücklicher an

Typisch Turbodiesel: Der S 350 CDI schiebt schon aus dem Drehzahlkeller mächtig an.

Auch der Blick auf die CO2-Bilanz lässt den S 400 erstrahlen – er kommt dank 8,1 Liter Normverbrauch auf verhaltene 189 Gramm CO2-Ausstoß. Immerhin ein Wölkchen weniger, als der Diesel freisetzt. In Sachen Laufkultur zeigt der Hybrid ebenfalls bessere Manieren. Der Benziner schnurrt seidiger, klingt weicher, hängt spritziger am Gas. Nicht nur weil er seine zusätzlichen PS in bessere Fahrleistungen umsetzt – beim Durchzug legen sich Elektromotor und V6-Antrieb erfolgreich zusammen ins Zeug, können so zum Beispiel beim Kick-down gefühlt mit dem Bären-Drehmoment des Diesels mithalten. Klar, aus dem Drehzahlkeller heraus haut der CDI dank Turboschub nachdrücklicher rein – im Alltag verschwimmt der theoretische Kraft-Abstand der beiden jedoch zum feinen Charakterunterschied. Nur das unentschlossene, manch mal zweistufig wirkende Anfahrverhalten des Hybriden irritiert ein wenig – der Elektromotor und der V6 könnten eleganter koalieren.

Dagegen ähneln sich S 400 Hybrid und S 350 CDI im Fahrbetrieb wie Zwillinge. Der Federungskomfort liegt auf höchstem Niveau, alle Passagiere tummeln sich in perfekten Sesseln, trotz des hohen Gewichts lässt sich das Dickschiff erstaunlich flüssig dirigieren. Wenig spricht für den Diesel. Ist seine Amtszeit abgelaufen? Nicht wenn es um Haushaltsfragen geht. Denn im Gegensatz zur Werksangabe verprasst der Hybrid im AUTO BILD-Verbrauchstest deutlich mehr Reisespesen. Die von uns ermittelten 10,8 Liter liegen nicht nur fast drei Liter über der Werksnorm. Auch den CDI überbietet der Hybrid um fast zwei Liter. Und das bei deutlich höheren Spritpreisen. Auch in der Stadt kann der Hybrid seinen konzeptionellen Vorteil – er gewinnt beim Bremsen Energie zurück, schaltet bei Stopps den Motor ab, um Sprit zu sparen – nicht umsetzen. Der CDI schnurrt sparsamer durch die City, verbrennt dort über zwei Liter weniger. Am Ende wird dem Hybriden der Verbrauchsnachteil zum Verhängnis, der Diesel kann sein Amt als unnachgiebiger Sparkommissar souverän verteidigen. 

Weitere Details finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Ob 350 CDI oder 400 Hybrid, eine S-Klasse ist und bleibt eine S-Klasse. Luxuriös, komfortabel, schnell. Dabei sind die Unterschiede zwischen S 350 CDI und S 400 Hybrid im Fahrbetrieb eher vom Charakter bestimmt. Oder eben eine Frage der grünen Einstellung: Egal was tatsächlich aus dem Auspuff kommt, die Zauberformel Hybrid allein darf als Kaufanreiz infrage kommen. Wer in dieser Preisliga allerdings noch auf die Kosten schielt, muss den Diesel kaufen. Der CDI läuft sparsamer – mit günstigerem Diesel. Das läppert sich.

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papavassiliou
11.08.2009, 00:33Uhr

@rudolf diesel/ein diesel effizienter als ein hybrid? von wem hat dieser mensch eigentlich sein unwissen her? ein vollhybrid hat eine weitaus höhere effizienz als jeder reine verbrennungsantrieb alleine. der lexus rx450h wiegt lediglich 80kg mehr als sein benzinpendant und die batterien halten ein autoleben lang und werden recycelt. wieder einmal peinliches unwissen. und nochmal: habt ihr schonmal auf die diesel-auspuffe im verkehr geschaut? krebserregender russ, stickoxide, feinstaub? alles nur belanglos für herrn rudolf diesel.

papavassiliou
11.08.2009, 00:26Uhr

@techniker/wieder mal peinliche statements von der deutschen autolobby. wie tief muss eigentlich der stachel sitzen, die technologieführerschaft an die japaner abgegeben zu haben? man sieht den neid und den frust richtiggehend an solchen dümmlichen statements, wie "Lexus-Kiste", weil ansonsten die sachlichen argumente fehlen. und "die paar mikrogramm hin und her" sind leider welten (lexus rx450h: 148gr co2/km bei 299ps, 2,2t), die diese fahrzeuge von den deutschen dinos trennen. aber wie bringt man das chauvis wie techniker bloß bei?

Techniker
10.08.2009, 15:30Uhr

Viele sollten lieber wieder im Sandkasten spielen gehen, denn wenn so Sprüche kommen mit Planetegetriebe usw. und dadurch ableiten, dass das XY-Auto dadurch besser ist, dann gute Nacht ;)

Es ist im Nachhinein völlig Wurst (!) ob der Hybrid von Lexus besser oder nicht ist. Der Käufer entscheidet und ich persönlich würde mir so eine Lexus-Kiste mit Sicherheit NICHT in die Garage stellen ;), die paar Mikrogramm hin oder her!

Bernd Scheddler
10.08.2009, 13:49Uhr

Da sieht mans wieder. Die Lobbyisten Autoindustrie und Mineralölfirmen sind weiterhin mächtig. Linde könnte Wasserstoff in Mengen abieten mjit einem Kooperationspartner aber es gibt keine Lobby für den Ausbau einen flächendeckenden Tanknetzes. Das wäre die technologie die Deutschland weit nach vorne bringt und Ressurcen schont. Zusätzlich den Fokus auf Solar legen und der einstige Wirtschaftsmotor läuft wieder.Liebe Politiker helft dem Mittelstand, denn der schafft Arbeitsplätze, die Großen verlagenr unter dem Deckmantel Globalisierung etc. nur alles ins Ausland.

Lecter
10.08.2009, 12:34Uhr

Natürlich lohnt sich ein Hybrid, wenn man den richtigen kauft, Lexus! Dieser Test beweist nur, das die Deutschen keine Ahnung davon haben!

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