Vergleich Mindset/Porsche 911 Turbo

Mindset Porsche 911 Turbo Mindset Porsche 911 Turbo

Vergleich Mindset/Porsche 911 Turbo

— 23.04.2009

Sportwagen der Zukunft

Der Mindset könnte der Porsche von morgen sein: elektrisch statt klassisch, leicht statt stark. Bei der Ausfahrt mit dem 911 Turbo stellte AUTO BILD fest: Die beiden haben mehr gemeinsam als erwartet.

"Geschafft! Wir fahren schon durch Kinderzimmer und über Schulhöfe", freut sich Daniel Buchter, Geschäftsführer von Mindset, und präsentiert stolz das neue Ravensburger Quartettspiel "Öko-Power". In dem ist das gleichnamige Elektromobil die absolute Trumpfkarte. Vor allem beim Verbrauch: Umgerechnet 1,2 Liter Benzin soll es auf 100 Kilometer verbrauchen – so wenig wie kein anderer. "Mein Fünfjähriger gewinnt damit meist gegen seine Freunde", sagt Buchter. So ändern sich die Zeiten. Eigentlich war stets der Porsche 911 Turbo die Siegerkarte, mit der Quartett-Spieler jeden Stich holten. Und nun begegnen sich die beiden im richtigen Leben, umkurven gemeinsam die Curbs. Aufmüpfiges Akku-Auto gegen traditionelles Turbo-Tier: Darf das wahr sein? Beginnt hier ein neues Zeitalter – der Mindset als Blaupause für die Sportwagen der Zukunft?

Beide Sportwagen streben durchaus nach den gleichen Werten

Weitsichtig betrachtet sind diese Fragen nicht so abwegig, wie sie im ersten Moment erscheinen. Beide Sportler folgen ähnlichen Idealen. Sie streben nach Effizienz, Zuverlässigkeit, Qualität und Status. Natürlich: Fahrdynamisch kann der frontgetriebene Stromer mit 95 Elektro-PS dem 480-PS-Turbo-Allrad-Elfer nicht die Kabeltrommel reichen. Und doch haben die Mindset-Macher den Porsche zum spirituellen Vorbild erkoren. Warum? Ganz einfach: 911-fahren ist eine Geisteshaltung, was Mindset übersetzt ja auch heißt. So baut sich die Brücke zu Porsche fast von selbst. Und: Die automobile Aufbruchstimmung wie 1948, als Ferdinand Porsche seinen ersten 356er auf die Räder stellte, herrscht auch heute wieder. Aus Käfer wurde Sportwagen. Und aus Porsche der Inbegriff für Fahrspaß.

Nur auf den ersten zwei Metern ist der Mindset dem 911er gewachsen

Diesen Entwicklungsprozess soll der Mindset wiederholen: Alternatives E-Projekt wird zum akzeptierten Statussymbol und coolen Trendmobil. Seine 2+2-Karosserie hat ähnliche Abmessungen wie der 911, schwebt aber insektenhaft auf 22 Zoll großen Schmalspurreifen. Was für ein Hingucker. Der Kontrast könnte nicht krasser sein: Hier die walzenreifige Flunder, dort der hochbeinige Avantgardist, der buchstäblich über den Dingen steht. Hier der sportlich brüllende 911, dort die Ruhe selbst. Liegt darin eine neue Kraft? Tatsächlich zieht das Elektromobil beim Vollgasstart auf den ersten zwei Metern weg. Dann krallt sich der Elfer wütend mit allen vieren in den Asphalt und springt über den Horizont, als wolle er sagen: "Ha, du Wurm, ich habe dich gewarnt!" Der Turbo joggt im dritten Gang, wenn im Mindset bei 140 km/h Schluss ist. Und im Porsche reist man an die Adria, während der Stromer nach 100 Kilometern ans Netz muss. So was lässt den Mindset-Fahrer kalt, er ist in seiner eigenen Welt unterwegs.

Die muss kein Irrgarten sein. Der Öko-Racer hat einen anderen, ungewohnten Reiz. Bequem gleitet der Fahrer auf die durchgehende Lederbank mit runden Sofaknöpfen; hinten liegen Kissen, vorn fällt der Blick auf Analoganzeigen, die auf einem Netbook-Monitor leuchten – Retro trifft Radikalo. Die hohe Sitzposition weitet Blick und Sinne. Es ist ein Lounge-Cockpit, das Gelassenheit verbreitet. Mag dieser eigensinnige Futurismus den Benzinblüter alter Schule kalt lassen – wer sich auf den Mindset einlässt, spürt den Reiz der Elektromobilität. Die ist, so viel wissen wir, nicht das Allheilmittel für morgen, aber immerhin eine Alternative. Man fährt anders im Mindset: gespeist vom perfekten Motor-Drehmoment, leise dahinsummend. Verzicht ist das falsche Wort: Leicht sein (800 Kilo), nicht langsam sein, nur auf andere Weise schnell – das sind Mindset-Tugenden, die der doppelt so schwere Elfer trotz Power und dem Glorienschein der großen Marke nicht teilt.

Dafür ist der Turbo real. Kaufbar, nutzbar, während vom Elektroauto nur der 1,5 Millionen Euro teure Prototyp dasteht. Was fehlt, ist ein finanzkräftiger Investor, aber den suchen heute viele. Wir sind gespannt, ob der Mindset mit der Reife der Jahre den Weg vom Kinderzimmer auf die Straße schafft.

Technische Daten Porsche 911 Turbo Tiptronic S • Sechszylinder-Boxermotor, Biturbo, hinten längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 3600 cm³ • Leistung 353 kW (480 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 620 Nm bei 1950/min • Fünfstufen-Automatik • Allradantrieb • L/B/H 4450/1852/1300 mm • Gewicht 1695 kg • Verbrauch EU-Mix 13,6 l Super plus • CO2 326 g/km • Spitze 310 km/h • 0–100 km/h 3,7 s • Preis 145.953 Euro.

Technische Daten Mindset • Elektromotor vorn • Leistung 70 kW (95 PS) • max. Drehmoment 220 Nm • 20-kWh-Lithium-Ionen-Batterien • optional 17 kW (23 PS) Einzylinder zur Batterieladung • CVT-Automatik • Vorderradantrieb • L/B/H 4260/1730/1380 mm • Gewicht 800 kg • Radstand 2780 mm • Kofferraum 750 l • Spitze 140 km/h • 0–100 km/h 7,0 s • Reichweite 100 km mit Range Extender 800 km • Preis circa 50.000 Euro.
Jörg Maltzan

Jörg Maltzan

Fazit

Dass CO2-freie Mobilität keine freiwillige Verzichtserklärung auf Fahrspaß sein muss, wissen wir spätestens seit dem Tesla. Der Mindset setzt noch einen drauf. Dieses Elektroauto könnte den Sportwagenbau revolutionieren. Schon elektrisierend, der Gedanke.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.