Vergleich Opel Astra/VW Golf

Vergleich Opel Astra/VW Golf Vergleich Opel Astra/VW Golf

Vergleich Opel Astra/VW Golf

— 15.03.2004

Welcher ist der bessere Volkswagen?

Es kann nur einen geben! Im Duell des Jahres streiten Golf und Astra um die Krone der Kompaktklasse.

Im Golf fährt die große Freiheit mit

Fisch oder Fleisch, Lack oder Leder, blond oder braun – es gibt im Leben ein paar Grundsatzfragen, die beizeiten beantwortet sein sollten. Andere wiederum verlangen immer wieder aufs Neue nach Klärung. Und nach reiflicher Überlegung. Eine der wichtigsten Grundsatzfragen liefert – zumindest in Deutschland – das ewige Duell zwischen Golf und Astra.

Nach 30 Jahren Golf-Herrschaft versucht die dritte Auflage des Astra ab 20. März 2004 erneut nach der Kompakt-Krone zu greifen. Und schon das mutige Styling des Rüsselsheimer Rivalen macht klar, dass er es ernster meint als je zuvor. Steht die Generation Golf am Wendepunkt?

Fast schon aggressiv schaut der Astra C in Richtung des übermächtigen Wolfsburgers, der in den letzten 30 Jahren die Zulassungszahlen dominierte. Doch mit seinem modernen Design kauft der Rüsselsheimer dem Golf zumindest auf den ersten Blick den Schneid ab. Dennoch verbucht VW zwei Vorteile auf seinem Konto. Erstens wette ich, dass Nummer fünf auch 2010 noch nicht verbraucht wirkt. Und zweitens bietet er spürbar mehr Platz. Hier bestätigt Astra die alte Weisheit: Wer schön sein will, muss leiden. Das stärker eingezogene Heck beschert den Fondpassagieren ein deutlich intimeres Klima. Im Golf fährt neben drei Gästen auch noch die große Freiheit mit.

Rückbanksplitting 60:40 gegen 40:20:40

Für die Piloten stellt der Golf ebenfalls die erste Wahl. Der Verstellbereich seiner bequemen Polster erlaubt von David bis Goliath jedem eine vernünftige Sitzposition. Im Astra, dessen betont straffe Sitze zusätzlich im Ganzen gekippt werden können, sitzt man dagegen stärker auf dem statt in dem Auto. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Im Astra herrscht gewiss keine Platznot, lange Kerls fühlen sich im Rüsselsheimer aber weniger wohl als im Golf.

Stressfreier gestaltet sich bei beiden die Urlaubsplanung. Mit fast identischen Kofferraummaßen empfehlen sich beide für Familie und Freizeit. Wer im Golf allerdings ein vollwertiges Alu-Reserverad ordert (bei Astra ohne Mehrpreis), zahlt nicht nur 205 Euro extra, sondern verliert auch 75 Liter Stauraum.

Was Hobbybastler bei beiden Kandidaten vermissen, ist eine klappbare und vielleicht sogar herausnehmbare Sitzbank hinten. In trauter Eintracht bieten beide nur die Lehne zum Flachlegen – beim Golf klassisch im 60:40-Split, im Astra für noch mehr Variabilität dreigeteilt (40:20:40). Ganz so überlegt geht es im Cockpit des Opels leider nicht zu. Materialien und Verarbeitung hinterließen zwar selbst an unserem Vorserienwagen einen guten Eindruck, eine Anzeige für die Kühlwassertemperatur oder ausreichende Ablagen für den Kleinkram des Alltags suchten wir aber vergebens. Zudem liegen die Regler der Klimaanlage (1110 Euro) sehr tief und dem Fahrer wenig zugeneigt.

Der Opel macht den sportlicheren Eindruck

Da weiß der Golf schon eher, was die Autonation wünscht: zusätzliches Fach links vom Lenkrad, griffgünstige Klimaregler und jetzt sogar serienmäßige Klimaanlage. Bei der so hoch gelobten Qualität bleiben die Wolfsburger zwar auf einem hohen, nicht mehr aber auf einem abgehobenen Niveau. Wer sich die Kunststoffe im unteren Teil des Cockpits genauer anschaut, wird seinen Golf IV gleich noch ein bisschen mehr schätzen.

Beim Astra lässt sich gegenüber dem Vorgänger dagegen echter Fortschritt fühlen. Das gilt auch für das Fahrwerk. Skepsis gegenüber der "billigen" Verbundlenkerachse hinten ist mehr als überflüssig. Unser mit IDS Plus gedopter Testwagen hinterließ auf dem Handlingkurs einen derart sportlichen und souveränen Eindruck, dass Alt-Opelanern glatt der Hut wegfliegt.

Mit mäßigem Untersteuern und vom gut abgestimmten ESP stets perfekt kontrolliert, fährt der Opel-Blitz dem Golf mit aufwändiger Vierlenkerachse knapp davon. Das manierlich schaltbare Getriebe und die überraschend direkte, in den Randbereichen aber zu gefühllose Lenkung unterstützen den Kurveneinsatz dabei, so gut es geht.

Preise und Ausstattungen

Dank elektronischer Straßenwacht offenbart zwar auch der VW keinerlei Sicherheitslücken, der Golf schiebt in schnellen Kurven aber schwerfälliger geradeaus und wirkt insgesamt eine Spur behäbiger. Auch wenn die sehr exakte Sechsgangschaltung und die ausgesprochen harmonische Lenkung in der Kompaktklasse derzeit zu den besseren Steuerelementen gehören.

Gleiches gilt für die Federung, die gekonnt zwischen Komfort und Karacho vermittelt. Hier verliert der Astra wichtige Punkte. Weil er zusammen mit IDS Plus auch ein Sportfahrwerk unterm Blech trägt, fährt er beim Komfort eine ganze Klasse hinterher. Härtere Federn und Dämpfer sowie die um 15 Millimeter tiefer gelegte Karosserie verwandeln den Astra auf schlechten Straßen in ein unangenehmes Raubein. Schade, denn ganz feine Unebenheiten steckt der straffe Astra sogar noch eine Idee besser weg als der Golf. Wir freuen uns jedenfalls schon jetzt auf den ersten Testwagen mit "normalem" Fahrwerk.

Betriebskosten und Garantien

Genügsam und eher gemütlich treten die Motoren der beiden Rivalen auf. Weil VW uns noch keinen 1.6er mit 102 PS liefern konnte, fährt der 115 PS starke 1.6 FSI gegen Opels 1,6-Liter-Twinport mit 105 PS. Ein Leistungsdefizit, das dem 50 Kilo leichteren Astra in fast jeder Lebenslage anzumerken ist. Untenrum herrscht zunächst Flaute, gefolgt vom eher bescheidenen Durchzug und gekrönt von gebremster Drehfreude. Nein, zum sportlichen Handling des Opels passt dieser Motor nicht wirklich.

Für die automobile Grundversorgung aber reicht er allemal. Selbst mit voller Zuladung verkommt der Astra nie zum rollenden Verkehrshindernis, im Solobetrieb lässt sich auf der Autobahn bequem mit 180 km/h reisen. Nur der Verbrauch, der trotz pfiffiger Twinport-Technik bei nicht gerade rekordverdächtigen 8,2 Litern liegt, provoziert unseren Unmut.

Technische Daten und Fahrleistungen

Der stärkere FSI überfällt uns zwar ebenfalls nicht mit überschäumendem Temperament, er spurtet aber deutlich schneller als der Opel. Und auch wenn sein Sechsganggetriebe ihn bei der Elastizitäts-Wertung zurückwirft, verhilft es ihm doch zu günstigen 7,7 Litern Verbrauch. Einziger Schönheitsfehler dabei: Es muss teures Super plus sein.

Doch Zurückhaltung zeigen die Wolfsburger beim Thema Geld ohnehin nicht. Der gut ausgestattete Golf 1.6 FSI Comfortline verlangt immerhin 20.620 Euro, den vernünftig eingerichteten Opel Astra 1.6 Twinport Enjoy gibt es schon für 17.685 Euro (inkl. IDS Plus). Zusätzlich punkten die Rüsselsheimer mit zwei Jahren echter Garantie (VW nur Gewährleistung) und der günstigeren Vollkaskoversicherung. Die Stunde des Golf schlägt dagegen im Alter, wo er deutlich weniger an Ansehen und vor allem an Wert verliert. Für den Kunden also schon wieder so eine Grundsatzfrage: Mit dem Astra schon jetzt sparen oder mit dem Golf erst später?

Fazit und Bewertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka Auch wenn der Astra in diesem Vergleich nicht am Golf vorbeikommt: Die Richtung stimmt. Solide Verarbeitung, souveräne Straßenlage, faire Preise – das ist eigentlich der Stoff, aus dem Sieger sind. Dass der trotzdem aus dem Hause VW kommt, liegt nicht nur am geräumigen, komfortablen und sehr sicheren Golf. Wäre der Astra mit einem konventionellen und weniger straffen Fahrwerk angetreten, hätte die Sache schon anders ausgesehen. Gleiches gilt für die Motoren. Der Twinport erweist sich im Astra leider als träge und nicht sonderlich sparsam, ein Diesel hätte sicher mehr Punkte gesammelt. Beim nächsten Treffen zwischen Golf und Astra werden die Karten also ganz neu gemischt. VW führt 1:0. Dieses Duell ist entschieden. Weitere werden folgen.

Autor: Gerald Czajka

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung