Vergleich Opel Insignia

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Vergleich Opel Insignia

— 16.06.2008

Rekord-verdächtig gut?

Die Hits der 60er, 70er und das Beste von heute: Radiostationen nerven gern mit solchen Versprechen. Und halten sie oft nicht. Bei Opel ist das anders – wie die Begegnung des ganz neuen Insignia mit seinen erfolgreichen Rekord-Ahnen belegt.

Sieht prima aus, denkt man unwillkürlich, wenn Opels Bester von heute vor einem steht. Nur: Wie spricht man Insignia aus? Stolpernd In-sig-ni-a mit vier Silben? Oder feingeistig das g verschluckend wie im französischen "Signet", also In-sin-ja mit nur drei Silben? Die Opel-Leute sagen es auf gut Deutsch, was mit dem formalen Schwung des Wagens nicht unbedingt harmoniert. Das neue Opel-Flaggschiff ist geschmeidig gestylt. Gedrungen und kraftvoll steht es auf breiter Spur. Spannung liefern fließende Linien und eine gekonnte, bumerangförmige Sicke in der Flanke. Dazu gibt’s eine hohe Gürtellinie und ein stark abfallendes, coupéhaftes Dach. Alle Achtung!

Das Design des Insignia erinnert an BMW

Der Insignia soll ab November den 22 Zentimeter kürzeren Vectra und gleichzeitig das selige Topmodell Senator ersetzen – und damit ein Rekord der Zukunft werden. Der war Rüsselsheims größter Hit – von den 60ern bis in die 80er-Jahre. Genau so soll nun der Insignia die Marke wieder zu alter Geltung führen. Die ging nämlich in den letzten 20 Jahren an VW sowie die Edelanbieter BMW , Mercedes und Audi verloren. Man fragt sich jedoch, was ist von der Opel-Designmelodie übrig geblieben? Wenn der Neue neben Rekord C und D parkt, lässt sich keine Verwandtschaft entdecken, so, als wäre der Insignia ein Kuckuckskind. Er besitzt eher BMW-Merkmale. Den Hofmeister-Knick am hinteren Seitenfenster, den wulstig wie eine Oberlippe aufliegenden Kofferraumdeckel, selbst die Blinker an der Seite, die entgegen den Moden nicht im Außenspiegel stecken. Wozu auch?

Die wilden 60er und die sachlichen 70er

Der babyblaue Rekord C von 1967 galt damals auch als aufregend geformtes Auto. Besonders der kesse Hüftschwung in bester Colaflaschen-Form sorgte in jenen gesellschaftlichen Umbruchjahren für Applaus. Der dunkelblaue Rekord D dagegen war schon wieder schnörkellos und nüchtern wie ein Bauhaus-Entwurf, entsprach so dem Zeitgeist der 70er. Form hatte nun funktionell zu sein, und Kenner sprachen vom besten BMW, den Opel je baute. Wie sich die Zeiten gleichen.

Rekord war Beststeller

Jedenfalls waren Rekord C wie D riesige Erfolge. Der C verkaufte sich in fünf Jahren 1,25, der D in drei Jahren 1,1 Millionen Mal. Der Rekord brach alle Rekorde. Warum? Er erfüllte das Versprechen des damaligen Opel-Mottos „Der Zuverlässige“. Seine anspruchslosen, gusseisernen CIH-Motoren (Camshaft in Head = Nockenwelle im Zylinderkopf) waren unkaputtbar, wie man heute sagen würde, allerdings träge Burschen. Passend zu der nach heutigen Maßstäben teigigen Lenkung, schwerfälligen Straßenlage und müden Bremse. Beim Wiedersehen stellen wir leicht erschüttert fest, wie behäbig die Volkshelden von damals waren. Verschärfend hinzu kommen bei unseren beiden Oldies noch Automatikgetriebe, die jede dynamische Ambition eiskalt erdrosselten. Damit sind die beiden Rekord auch interessante Vermittler damaligen Lebensgefühls. Das alte Deutschland, eine gemütvolle Epoche. Gefühlt muss ein Kilometer eine ganz andere Länge gehabt haben.

Opel, der Zuverlässige

Der Insignia ist ein attraktives Auto und wird sich nicht so schleppend verkaufen wie der glücklose Vectra.

"Opel der Zuverlässige", das reichte damals als wichtigstes Argument für Millionen von Käufern. Nur keine Experimente – und wenn, dann beim Design. Heute sprechen wir vom „Markenclaim“. Der von Opel lautet inzwischen "Entdecke Opel", als sei das eine unerforschte Insel. Heute ist Opel bloß einer von vielen, zu Zeiten des Rekord war die Marke im Bewusstsein der Menschen als guter Kumpel der Straße fest verankert. Dort will man mit dem Insignia wieder hin, daher das Premium-Design. Mercedes textet allerdings schon gegen die Form des Insignia, um ihn als Nachahmer zu diskreditieren: "Und plötzlich wollen alle ein viertüriges Coupé bauen", heißt es in der neuesten Werbung.

Insignia macht das brave Stufenheck salonfähig

Ob der Insignia an die klassischen Opel-Tugenden Zuverlässigkeit, Robustheit und Preiswürdigkeit anknüpfen kann, bleibt abzuwarten.

Die Stuttgarter haben die neue Gattung mit dem CLS erfunden, VW hat mit dem Passat CC nachgezogen. Die gute alte Stufenheck-Limousine wird gerade neu definiert. Früher kauften Familien solche Autos. Doch Vati und Mutti nehmen heute lieber Vans oder SUV. Das heißt: Superpraktisch müssen viertürige Stufenheckautos nicht mehr sein. Sie sollen eher den feinen Geschmack des Besitzers zur Geltung bringen. Daher steht die zeitgenössische Limousine geduckt und sprungbereit da, ein Halbcoupé und Viertelsportwagen mit der Option, auch mal ein paar Leute menschenwürdig mitzunehmen. Daher vier Türen. Hinten sitzt es sich im Insignia dennoch viel komfortabler als einst im Rekord.

Üppiges Raumangebot in Opels neuem Flaggschiff

Insignia, Rekord C und Rekord D markieren jeweils den aktuellsten Designtrend ihrer Epoche.

Man freut sich über deutlich mehr Knieraum. Und die Sitze sind keine Sofas, wenn auch Großgewachsene keine üppige Kopffreiheit mehr haben. Aber es ist okay, selbst der Einstieg. Und die Lehnen lassen sich umklappen, sodass der gewaltige Kofferraum nochmals wächst. Außerdem wird es den Insignia später auch als Schrägheck-Limousine geben. Und, klar: als praktischen Kombi. Vorn sitzt man in wohnlicher Atmosphäre, perfekt eingebettet in ein durchdachtes Mensch-Maschine- System mit sinnfällig angebrachten Schaltern, in dessen Zentrum sich ein Dreh/Drück-Knopf befindet. Mit dem lassen sich die komplexen Funktionen des Infotainmentsystems dirigieren.

Technisch präsentiert sich der Insignia auf aktuellstem Stand

Opel-Adel: zum eleganten Äußeren das passende Cockpit. Beim Vorserienmodell passt die Verarbeitungsgüte noch nicht, sieht aber gut aus.

Interessant sind auch die als Extra erhältlichen technischen Highlights. Tagfahrlichter, die wie die Winkel militärischer Rangabzeichen die vorderen Konturen nachzeichnen, und das kluge adaptive Lichtsystem AFL, bei dem je nach Fahrsituation neun unterschiedliche Lichtkegel möglich sind. Zusätzlich gibt es das Fahrwerksystem FlexRide mit adaptiver Stabilisierungstechnologie. Bei den Motoren verfolgt Opel das Downsizing-Konzept, also kleine Hubräume, dafür Aufladung. Die Palette der vier Benziner reicht bei den Vierzylindern von 1,6 bis zwei Liter und von 115 bis 200 PS, darüber wird ein V6 mit 260 PS angeboten. Die drei Diesel haben alle zwei Liter Hubraum, aber eine Leistungsspanne von 110 bis 160 PS. Der stärkste Rekord C leistete 106 PS – vier weniger als der schwächste Insignia. Gefühlt hat sich sein Besitzer damals nicht schlechter. Den größten Sprung verzeichneten in den letzten 40 Jahren nämlich unsere Ansprüche.

Autor: Bernhard Schmidt

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