Test Porsche 911 GT3 gegen VW Golf R

Vergleich Porsche 911 GT3 gegen VW Golf R

— 25.01.2010

Wie viel Porsche steckt im Golf R?

Der Golf R ist das sportlichste Kind von VW. Der Porsche 911 GT3 gilt als Wunderwaffe der neuen Tochter aus Zuffenhausen. AUTO BILD hat die beiden Heißsporne zum Duell gebeten.

Die Blautöne sind so grundverschieden wie die technischen Inhalte des hellen 911 GT3 und des dunklen Golf R. Der Kontrast zwischen dem Rivierablau aus Stuttgart und dem Wolfsburger Shadow-Blue fin det unter dem Blech seine Fortsetzung: • Sechszylinder-Boxer-Sauger gegen Vierzylinder-Turbo • Heckmotor gegen Frontmotor • Hinterradantrieb gegen Allradantrieb • Schaltgetriebe gegen Doppelkupplungsgetriebe • 435 PS gegen 271 PS • 435 Nm gegen 350 Nm • 312 gegen 250 km/h • 12,6 gegen 8,4 Liter Verbrauch • 116.947 Euro gegen 38.275 Euro. Noch Fragen? Nein, dies ist kein Vergleich, und deshalb gibt es auch keinen Sieger in den Bergen hoch über der Riviera.

Überblick: News und Tests zu VW Golf und Porsche 911 GT3

GT3 fahren heißt Zähne zusammenbeißen. Die engen Schalensitze zwacken am angefutterten Hüftgold, der per Knopfdruck einstellbare Sportmodus knallt dir auf den französischen Rumpelpisten die Plomben einzeln aus dem Kiefer, und das knifflige Handling reißt schon beim ersten Lastwechsel den Grauschleier vom Kleinhirn. Doch der Macho-Auftritt hat auch seine guten Seiten. Die Signalfarbe potenziert das Überholprestige, die Xenon-Augen machen die Nacht zum Tag, das Flügelwerk kümmert sich um aerodynamische Stabilität. Ganz anders Sir Golf, den gibt’s auf Wunsch mit vier Türen, Schiebedach, elektrisch verstellbaren Sitzen und Dynaudio-Sound. Der voll ausgestattete VW wiegt 51 Kilo mehr als der schlanke Porsche. Der 270 PS starke 2,0-Liter-Turbo des Golf R reißt mächtig an, doch der Beschleunigungsvergleich endet mit 4,1 zu 5,7 Sekunden für das Flügelmonster aus Zuffenhausen. Der Golf ist komfortabel, verbindlich, harmonisch. Der GT3 ist umtriebig, nervös, hart im Nehmen und gnadenlos im Austeilen.

Der raue Kern des GT3 produziert Gänsehaut im Akkord

Quertreiber: Der Porsche 911 GT3 ist eine Fahrmaschine reinsten Wassers.

Die schwarz-weiße Leistungsentfaltung des spät, aber dann umso gieriger zupackenden 3,8-Liter-Saugers ist Gift für turboverwöhnte Naturen. Wer das Beste aus dem GT3 herausholen will, muss die Maschine im Drehzahlfenster zwischen 4500 und 8000/min bei Laune halten, bis abends der verkrampfte Kupplungsfuß und der taube Schaltarm reif sind für die Couch. Das Fahrerlebnis in diesem sehr speziellen Elfer trübt kein Filter und kein Weichzeichner. Im Gegenteil: Der raue Kern des GT3 produziert Gänsehaut im Akkord. Was die Pupillen ebenso weitet wie die Herzkranzgefäße, das ist nicht nur die ungetrübte Lust am Querfahren, sondern auch diese ganz spezielle Mischung aus Ehrgeiz und Respekt. Doch wenn links der nackte Fels bleckt und rechts der tiefe Abgrund gähnt, dann muss man nicht unbedingt nach dem Stabilitätsprogramm auch noch die Antriebsschlupfregelung deaktivieren. Andererseits begeistert gerade dieser Porsche durch die transparente Unmittelbarkeit seiner Aktionen und Reaktionen. Die Keramikbremse verzögert so nachhaltig wie ein vierfacher Türstopper, das Fahrwerk fräst immer mutigere Radien in den überzuckerten Asphalt.

Der VW ist kein Über-GTI, sondern ein Gran Turismo im Golf-Format. Der Allradantrieb macht sich den Schnee zum Freund, das DSG-Getriebe degradiert Gangwechsel zur simplen Fingerübung, das um 25 Millimeter abgesenkte DCC-Fahrwerk schafft auf Knopfdruck den Spagat zwischen Futon-Härte und Wasserbett-Geschmeidigkeit. Was dem Golf R fehlt, ist eine Extraportion Dynamik und das letzte Quäntchen Sportlichkeit. Wenn vorn der GT3 das Tempo vorgibt, dann giert, rollt und stampft der Golf im Schlepptau wie ein Kutter in schwerer See, und das ESP morst fleißig SOS. Der aktuelle GT3 ist kein furchteinflößender Sportwagen mehr, sondern eine unerwartet verbindliche Fahrmaschine, die federn, die Spur halten und sogar mit Lastwechseln umgehen kann. Wer den Finger von der Sporttaste lässt, der erlebt den Doppeldecker als kurvengierigen Gleiter, der dank schluckfreudiger Vorderachse endlich auch jenseits von 200 km/h relativ satt auf der Straße liegt. Der Golf R ist ein kommoder Cruiser mit beachtlichen Fahrleistungen, der ein nachgeschärftes Sportpaket verdient hätte – im Stile des GT3, bitte.

Technische Daten Porsche 911 GT3: Sechszylinder-Boxer • Hubraum 3797 cm³ • Leistung 320 kw (435 PS) bei 7600/min • Sechsganggetriebe • 0–100 km/h in 4,1 s • Spitze 312 km/h • Leergewicht 1395 kg • Verbrauch EU-Mix 12,6 l SP/100 km • CO2 298 g/km • Preis ab 116.947 Euro.

Technische Daten VW Golf R: Vierzylinder-Turbo • Hubraum 1984 cm³ • Leistung 199 kW (271 PS) bei 6000/min • Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) • 0–100 km/h in 5,7 s • Spitze 250 km/h • Leergewicht 1466 kg • Verbrauch EU-Mix 8,4 l S/100 km • CO2 195 g/km • Preis 38.275 Euro.

Autor: Georg Kacher

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.