Test Sportec SP 600 gegen Caterham CSR 260

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Vergleich Sportec SP 600 gegen Caterham CSR 260

— 13.08.2008

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Minimalist gegen Luxussportler, Caterham CSR 260 gegen Sportec SP 600 – wie sieht die wahre Interpretation des offenen Zweisitzers aus? Ein Treffen der Konzepte auf dem Grand-Prix-Kurs am Nürburgring.

Nein, wir sind nicht irre. Es handelt sich auch keineswegs um einen Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Hier kommt es einzig auf den Blickwinkel an. Hier nährt nicht, wie sonst bei AUTO BILD SPORTSCARS üblich, ein technisch ähnlicher Status quo den Vergleich. Hier drängen vielmehr die ermittelten Messergebnisse folgende Frage auf: Wie finden zwei so grundsätzlich verschiedene Charaktere zu schlussendlich derart vielen Gemeinsamkeiten? Der technisch gegensätzliche Weg reizt zur Gegenüberstellung. Schließlich kann die Kluft zweier Roadster-Definitionen größer nicht sein.

530 gegen 1654 Kilo, 260 gegen 600 PS, 270 gegen 765 Newtonmeter

Auch ohne Dach schafft der Sportec-Porsche auf dem Grand-Prix-Kurs am Nürburgring Topspeeds von über 230 km/h.

Einerseits ein deutsches Stück Stahl mit Schweizer Wertarbeit – wuchtig, elegant, mit all den komfortablen Vorzügen eines Sportwagens. Andererseits ein Purist, der sein Dasein auf das Wesentliche beschränkt. Ein englischer Patient – klein, leicht, zweisitzig, ohne schützende Kapuze. Unter dessen Kunststoffkarosse der Vierzylinder-Cosworth-Motor heißblütig bellt, während im Porsche ein Boxermotor beinahe schüchtern blubbert. 3,6 Liter Hubraum treffen auf 2261 Kubikzentimeter. 600 impulsive Sportec-Pferde fordern 260 Caterham-Fohlen heraus. 1654 Kilogramm geballte Ladung Eleganz stehen zusammen mit 530 Kilogramm aggressiver Sportlichkeit am Start, um das Sprintvermögen zu demonstrieren. Zumindest auf den ersten Metern liegen beide gleichauf. Den relevanten Messpunkt bei 100 km/h durcheilen sie fast Kopf an Kopf nach exakt 3,6 und 3,7 Sekunden. Auch bei Tempo 130 bieten sich beide noch die Stirn. Erst darüber hinaus eilt der Schweizer dem Briten davon. Bei Tempo 200 sind es dann über zwei Sekunden Vorsprung.

250 km/h sind im kompromisslosen Caterham ein Risiko

Der Caterham fühlt sich an, als wären vorne Sägeblätter anstelle von Rädern aufgezogen.

Überhaupt ist der höhere Geschwindigkeitsbereich das bevorzugte Metier des schwarzen Porsche Turbo Cabrio. Nämlich dann, wenn die beträchtliche Masse schon mal in Schwung gebracht ist. Diesen Wesenszug bestätigen auch die Elastizitätsmessungen. Geradezu frappierend gleichen sich die Durchzugswerte in den jeweils höchsten Gängen. Dass sich der Sechszylinder-Boxer des Sportec SP 600 beim Erklimmen der Drehzahlleiter überaus elegant in Szene zu setzen weiß, lassen schon der sahnige Lauf und die gleichförmige Leistungsentfaltung des Serienaggregats erwarten. Trotz über 100 PS Mehrleistung hat sich daran nichts geändert. Mögliche 250 km/h im Caterham sind selbst auf einer geraden, gut einsehbaren Autobahn ein Risiko: Obwohl straßentauglich gefedert, wird der Kopf des Piloten mächtig gebeutelt, sodass eine klare Sicht Wunschdenken bleibt.

Der Vierzylinder brüllt

Doch wir haben es gewagt. Bei genau 252 km/h waren Mut und Drehzahlmesser-Ende erreicht. Die gemessenen 342 km/h im Sportec Porsche werden dagegen mit viel Luxus und Wohlgefühlen erreicht. Früh morgens um halb fünf, 11 Grad, die Sitzheizung sorgt für Wärme unterm Hintern, das Radio spricht die Nachrichten, und die Tachonadel kratzt an der 350er-Marke. Und den Piloten überkommt ein leichtes Gähnen. Die Klangqualitäten des Caterham sind einfach nur geil! Sein Vierzylinder blubbert und brüllt, dass es eine Freude ist. Jedes Hochziehen am Drehzahlmesser macht Spaß, man will jede Umdrehung auskosten. So viel Motor wie nötig bei so wenig Gewicht wie möglich – das ist die Philosophie des Caterham CSR 260 Superlight. Für die Power des Leichtgewichts sorgt ein getunter, 2,3 Liter großer Cosworth-Vierzylinder mit 260 PS und einem maximalen Drehmoment von 270 Nm. Das entspricht einem überragenden Leistungsgewicht von nur 2,0 kg/PS.

Keine Heizung, keine Teppiche oder andere Weichmacher

Im Vergleich zu den 20-Zoll-Walzen des Sportec wirken die 15-Zoll-Räder des Caterham winzig.

Zum Vergleich: Das Leistungsgewicht des Ferrari F 430 beträgt 2,8 kg/PS, beim Porsche 911 Turbo sind es 3,3 kg/PS. Beim Blick in die Fahrgastzelle wird der Zusatzname "Superlight" noch deutlicher. Keine Windschutzscheibe, keine Heizung, keine Teppiche oder andere Weichmacher. Auch äußerlich zeigt er mit frei stehenden Rädern und einer monströsen Auspuffanlage, was er kann. Der Sportec SP 600 hingegen tritt geradezu verschwenderisch auf. Dicker Flügel hinten, tiefe Schürze vorn, polierte Räder im 20-Zoll-Format. Auch im Innern: feinstes Leder, gediegen sportliches Ambiente – dieser 911er ist ein Lustobjekt für längere Touren mit allen Annehmlichkeiten.

Noch mehr Infos über das Duell der beiden ungleichen Sportler gibt es in AUTO BILD SPORTSCARS 9/2008.

Autor: Guido Naumann

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