Test Tiguan/X-Trail/Freelander/RAV4

Vergleich Tiguan/X-Trail/Freelander/RAV4

— 29.10.2009

Vier Diesel-SUV mit Automatik

Mehr und mehr hält die Automatik auch bei kompakten Diesel-SUV Einzug. Für Schaltfaule stehen zum Beispiel VW Tiguan, Land Rover Freelander, Nissan X-Trail und Toyota RAV4 bereit. AUTO BILD ALLRAD hat sie verglichen.

Kompakte Diesel-SUV mit Automatikgetriebe – das ist eine noch sehr junge Fahrzeugkategorie, denn weltweit ist die Nachfrage nach dieser Kombination nicht gerade rege. Amerikaner und Asiaten fahren zwar sehr gern und auch überwiegend mit Automatikgetriebe, bevorzugen aber die unkomplizierteren und preisgünstigeren Benziner. Für kleine Diesel interessieren sich eigentlich nur wir Mitteleuropäer. Allerdings fahren die Franzosen, die Italiener und die Spanier ihre Diesel lieber mit Schaltgetriebe. Die Kombination Diesel-SUV plus Automatik ist vor allem ein deutsches Thema. Das ist auch der Grund, warum bislang so wenige Hersteller diese Kombination anboten. Pionier war Suzuki, wo man schon 1996 den Vitara 2.0D long mit Automatikgetriebe anbot. Den heutigen Grand Vitara bekommt man allerdings nicht in dieser Kombination. Toyota hat sich dagegen besonders viel Zeit gelassen: 1994 erschien der erste RAV4, aber die Japaner trödelten satte 15 Jahre bis heute, um ihren erfolgreichen Allradler auch als Automatik-Diesel anzubieten.

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Bestseller: Der VW Tiguan behauptet die Marktführerschaft bei den Kompakt-SUV.

Möglicherweise hat der Erfolg des VW Tiguan die Konkurrenz endgültig wachgerüttelt. Denn das Wolfsburger Erfolgsmodell war seit seinem Produktionsstart im November 2007 in der Kombination Diesel-Automatik erhältlich. Und damit sehr erfolgreich – 36 Prozent aller Tiguan 4motion werden mit Automatik bestellt, trotz eines Aufpreises von 1775 Euro. Das ist zwar absolut gesehen viel Geld, aber immerhin günstiger als bei der Konkurrenz. Nur Nissan bewegt sich beim Automatik-X-Trail mit 1700 Euro Aufpreis auf dem gleichen Niveau wie Volkswagen. Land Rover verlangt dagegen unverschämte 2260 Euro Aufpreis für den Wegfall des Kupplungspedals. Und Toyota versteckt den Automatik-Aufpreis beim frisch überarbeiteten RAV4 in einem 4350 Euro teuren Zwangspaket namens Executive, das auch Ledersitze, Metalliclack, niederquerschnittsbereifte 18-Zoll-Räder und schlüssellosen Zugang beinhaltet – ob man will oder nicht. Der Land Rover Freelander ist weitgehend frei von solchen Paketzwängen. Es gibt zwar reichlich Pakete, aber fast alle Extras lassen sich auch einzeln bestellen.

Der Land Rover weiß mit Komfort und guter Abstimmung zu gefallen

Großer Gleiter: Der Land Rover Freelander erweist sich als komfortabel.

Doch nicht nur bei der Bestellung, auch beim Fahren möchte es der einzige Brite im Vergleichsfeld seinem künftigen Besitzer möglichst komfortabel machen. Und das macht der Land Rover konsequent: Die gekonnt abgestimmte Federung und die guten Sitze schonen auch auf Langstrecken die Kondition von Fahrer und Passagieren. Das Gleiche gilt für den von Peugeot konstruierten und bei Ford in England gebauten Dieselmotor. Für einen Selbstzünder läuft er recht sanft und vibrationsarm. Dazu kommt die sauber abgestimmte Wandlerautomatik des japanischen Herstellers Aisin AW (AisinWarner). Sie ist vor allem auf Komfort bedacht, schaltet nie ruckartig und dazu meist sinnvoll. Sinnvoll heißt heute vor allem: die Leistung des Motors für gute Fahrleistungen nutzend, aber auch sensibel und früh hochschaltend, um Verbrauch und Schadstoffe zu reduzieren. Beides macht der Automat recht gut. Er schafft es immerhin, das Übergewicht des mit über 1,90 Meter sehr breit geratenen Freelander zu kaschieren.

Beim Dieselverbrauch schlägt der Land Rover zwar nicht über die Stränge, dennoch summieren sich höchstes Fahrzeuggewicht (1916 Kilogramm) und die breite Stirnfläche zum höchsten Testverbrauch von 8,8 Liter/100 km. Auch die Automatik ist daran nicht unschuldig, denn gerade in hügeligen Gegenden nutzt sie das hohe Drehmoment des Motors nicht so gut, wie es ein geschickter Fahrer eines Schaltwagens täte. Der Automat verbleibt dann zuweilen grundlos in kleinen Gängen und treibt damit Drehzahl und Verbrauch nach oben. Noch mehr Verbrauchspotenzial verschenkt allerdings der Nissan. Der japanische Hersteller verwenden einen Dieselmotor von Konzernmutter Renault aus Frankreich und traditionell die Automatikgetriebe von Jatco (Japanese Transmission Company), einer Nissan-Tochter. Die Zusammenarbeit von Motor und Getriebe klappt beim Nissan nicht mehr als zufriedenstellend. Die Schaltpausen sind etwas länger als beim Land Rover. Zudem leistet sich die Automatik im Nissan einige Schrullen wie zuweilen sinnloses Zurückschalten oder die grundsätzlich erst über 100 km/h einrückende sechste Gangstufe. Das kostet naturgemäß zusätzlichen Treibstoff. Und so verbraucht der Automatik-Nissan im Test 8,2 Liter/100 km, was bemerkenswerterweise fast seinem Normverbrauch von 8,1 Liter/100 km entspricht.

Die schwachen Bremsen des Nissan X-Trail sind sein Hauptnachteil

Verbesserungswürdig: Aus Tempo 100 steht der Nissan X-Trail erst nach 42,2 Metern.

Die längeren Pausen beim Gangwechsel verschlechtern die Beschleunigungswerte ein wenig. Untermotorisiert fühlt man sich mit dem Automatik-X-Trail aber nie. Allerdings traut Nissan dem Automatikgetriebe offenbar wenig zu: Wie sonst wäre die gegenüber der Schaltversion von 2000 auf magere 1350 Kilogramm reduzierte Anhängelast zu erklären? Das kostet den Nissan Punkte. Trotzdem hat er viele Vorzüge. Der überaus bequeme Ein- und Ausstieg gehört dazu, aber auch die komfortable Federung, die unkomplizierte Bedienung und der große Gepäckraum. Er bringt es dank großvolumiger Staufächer unter dem Kofferraumboden auf insgesamt 603 Liter, ohne die Rückbank umklappen zu müssen. Ähnlich wie der Land Rover bemängeln Großgewachsene im Fond allerdings den knappen Knieraum. Hauptnachteil des Nissan ist allerdings die dürftige Bremsleistung. Mit 42,2 Meter aus Tempo 100 steht der X-Trail erst 6,7 Meter später als der VW Tiguan bei gleicher Ausgangsgeschwindigkeit. So verspielt der Japaner jede Chance auf einen Sieg in diesem Vergleich. Immerhin befriedigende Bremsleistungen schafft der Toyota , der aus Tempo 100 nach 39 Metern zum Stillstand kommt. Das aktuelle Facelift brachte dem RAV4 eine neue Optik an allen Leuchten und den Stoßfängern, vor allem aber die neue Version mit einem überarbeiteten Dieselmotor und Automatik.

Weitere Details zu den vier kompakten Diesel-SUV mit Automatik finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv .
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Der VW gewinnt – wegen gekonnter Motor-Getriebe-Abstimmung und niedriger Kosten. Der komfortable Land Rover hält mit mehr Geländetauglichkeit dagegen, schreckt aber mit teurem Unterhalt. Der ebenfalls komfortable Nissan verspielt seine Chancen durch müde Bremsen und dürftige Anhängelast. Bleibt der günstige, kompakte Toyota, dessen neue Diesel-Automatik-Version durch lieblose Abstimmung enttäuscht.

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