Vergleich V8-SUV

Range Rover Sport – Volvo XC90 – Mercedes-Benz ML 500 Range Rover Sport – Volvo XC90 – Mercedes-Benz ML 500

Vergleich V8-SUV

— 21.12.2005

Die Neuen im Yachtrevier

Manche Leute fahren grundsätzlich keinen Diesel. Sie wollen einen noblen Achtzylinder-Benziner unter der Haube ihres Offroaders grummeln hören. Für diese Leute gibt es jetzt drei brandneue europäische V8-Modelle

V8-Grollen statt Diesel-Gemurmel

Natürlich ist es nicht lustig, daß beim Volltanken eines Mercedes-Benz ML 500 rund 130 Euro von der Kreditkarte abgebucht werden. Die gleiche Strecke mit dem Diesel-Bruder ML 320 CDI hätte nur 80 Euro gekostet. Schön. Aber Spritkosten sind nicht alles. Im Vergleich zu den Fixkosten, Wartungskosten und dem Wertverlust eines 60.000-Euro-Fahrzeugs, die sich auf runde 10.000 Euro pro Jahr summieren, macht der V8-Zuschlag an der Tankstelle gegenüber dem Diesel nur noch zwischen zehn und 20 Prozent aus, abhängig von der Jahresfahrleistung.

Na gut, werden Sie sagen, ist also nicht ganz so schlimm. Aber was hat man nun davon, wenn man mehr Geld ausgibt, abgesehen vom vornehmeren Auftritt? Auf diese Frage bekommt man nur dann eine Antwort, wenn man den V8-Benziner ausprobiert. Sicher, die heutigen Hightech-Diesel nageln nicht mehr, sie murmeln nur noch. Und die Berge von Drehmoment, die aktuelle Turbodiesel auftürmen, beeindrucken fast jeden, der etwas für Autos und Motoren übrig hat. Trotzdem: Ein großer V8-Benziner – gleich welcher Marke – vermag sich besser in Szene zu setzen als jeder Diesel. Der V8 startet bei jeder Außentemperatur mit einem dezenten Säuseln. Unfeine Vibrationen kennt er nicht.

Sein vornehm gedämpftes Grollen klingt nach Kraft, wie der Donner eines entfernt aufziehenden Gewitters. Wahre Freunde des Hubkolbenmotors bekommen dabei eine Gänsehaut. Weiterer Vorteil: Die Kraft eines großen Saugmotors ist in jeder Lebenslage augenblicklich zur Stelle, von der Leerlauf- bis zur Höchstdrehzahl. Und nicht erst dann, wenn wie bei fast allen modernen Dieselmotoren ein Hilfsgebläse namens Turbolader einen zu klein geratenen Motor mühsam in Schwung gebracht hat.

Preise und Ausstattungen

Das Talent zum souveränen Gleiten haben alle drei unserer V8-Testkandidaten in die Wiege gelegt bekommen. Sogar beim Range Rover Sport kommt nie der Wunsch nach mehr Leistung oder Drehmoment auf, obwohl er wegen seines Übergewichts die schlechtesten Fahrleistungen des Trios hat und damit etwas weniger Souveränität mitbringt. Beim Zwischenbeschleunigen holt seine Sechsgang-Automatik öfter mal den kleineren Gang. Dafür erzeugt der von Jaguar zugelieferte Motor einen besonders wohligen Klangteppich, der die Hast nach Sekunden dämpft und in den Hintergrund schiebt. Er mag Sport heißen und auch dynamischer aussehen als jemals ein Auto der Marke Land Rover zuvor, sportlich ist der Brite in Wahrheit nicht, Hektik für ihn ein Fremdwort.

Aber man kann durchaus flott fahren, ohne sich anzustrengen. Ein Genuß wird die Fahrt stets. Dabei hilft ein geschmackvoll britisch und keineswegs kitschig eingerichteter Innenraum, in dem man sich einfach wohl fühlt. Raum steht auf allen Plätzen zwar nicht im Überfluß zur Verfügung, aber ausreichend für eine komfortable Reise zu viert, gerne auch mit viel Gepäck. Besonders erfreut nimmt die Besatzung auf jeder Reise zur Kenntnis, daß der Range Rover trotz des Namenszusatzes Sport die Tradition seiner großen Brüder fortsetzt und auf jegliche Härte beim Fahrwerk verzichtet. Der Federungskomfort gelang den Briten vortrefflich.

Mit gleich hohem Komfort verwöhnt der neue Mercedes-Benz ML 500. Sein aufpreispflichtiges Luftfederfahrwerk mit verstellbaren Stoßdämpfern erlaubt ähnlich genüßliches Gleiten wie im Range Rover Sport. In vielen anderen Dingen zeigt der Mercedes jedoch teutonische Strenge und Perfektion. Den V8-Motor beispielsweise, ein respektables Überbleibsel aus der Dreiventiler-Epoche der 90er Jahre, dämmten die Stuttgarter derart konsequent, daß man ihn fast gar nicht mehr hört. Das mag mancher schade finden, denn im Verein mit der neuen Siebengang-Automatik von Mercedes gibt er in Sachen Fahrleistungen eindeutig den Ton an.

Betriebskosten und Garantien

Dieser hervorragenden Motor-Getriebe-Kombination kann man wahrlich nicht viel vorwerfen. Die Automatik bemüht sich sogar redlich um die Senkung des Benzinverbrauchs. Sie läßt den Mercedes beispielsweise schon in Tempo-30-Zonen mit der spritsparenden Wandlerüberbrückungskupplung dahinrollen. Auch der Innenraum des ML 500 sorgt für entspannte Stimmung. Man reist auf außerordentlich großzügigen Sesseln, genießt ebenso großzügige Platzverhältnisse, hat keinerlei Probleme mit der Bedienung (wenn man sich erst einmal an den Automatik-Wählhebel am Lenkrad gewöhnt hat) und fühlt sich auch angesichts der verwendeten Materialien mehr als angemessen untergebracht.

Bei Bedarf kann der Mercedes auch anders als zügig dahinrollen, sein Fahrwerk erlaubt durchaus rasante Gangart. Die erzielbaren Kurvengeschwindigkeiten liegen hoch, ehe das ESP eingreift, die Bremsen packen kräftig zu. Aber dank des gepflegt säuselnden V8 verführt der ML 500 nicht zum Rasen. Auch hier verspürt man nie das Bedürfnis, den Aufenthalt im Auto auf Teufel komm raus zu verkürzen. Lieber genießt man die Aussicht und freut sich über den guten Klang des Soundsystems.

Noch weniger Drang zum Schnellfahren erzeugt der Volvo XC90 in seiner neuen V8-Version. Klar schielt auch dieses Modell ebenso wie die beiden anderen Testkandidaten primär auf den US-Markt, wie alle Autos mit großen Benzinmotoren. Doch auch hierzulande hat der starke Schwede seinen Reiz. Die Lässigkeit, mit der sein 4,4-Liter-Sauger für Vortrieb sorgt, hat wenig mit den stets nach Luft ringenden Turbomotoren des restlichen XC90-Modellprogramms zu tun. Gas geben bedeutet auch wirklich fahren, und zwar sofort. Und auch dieser V8 zeigt, daß selbst ein gelassener Volvo noch gelassener werden kann, wenn man einen besonders großzügigen Motor einbaut. Sicher, die Maschine ist kein Drehmomentwunder. Aber der relativ leichte XC90 macht es ihr nicht schwer, dennoch für souveräne Fahrleistungen zu sorgen.

Technische Daten und Fahrleistungen

Der kühl-heisere Klang des Achtzylinders paßt in diesem Fall vorzüglich zum sachlich-skandinavischen Stil im Innenraum. Künstliche Wohlfühl-Dekoration halten die Schweden für verzichtbar. Und sie setzen darauf, daß man sich mit der Bedienung ihres Spitzenmodells ausreichend vertraut macht, um die zahlreichen Tasten virtuos zu beherrschen. Man gewöhnt sich schnell daran. Noch schneller gewöhnt man sich die besonders gelassene Fahrweise an, zu der der Volvo auf jedem Meter Fahrt förmlich bittet. Eilige Kurvenhatz mag er nicht besonders. Er absolviert jede schnelle Biegung zwar sicher, gibt seinem Lenker aber zu verstehen, daß dies doch bitte schön nicht sein müßte.

Im XC90 V8 wird man ruck, zuck zu dem lässigen Cruiser, den Passanten und Verkehrsteilnehmer hinter dem Steuer dieses Autos vermuten. Ein Volvo drängelt nicht, er läßt sich nicht hetzen. Und er rast nicht, selbst wenn er es dank extrem spontan antretender 315 PS locker könnte. Die Kraft des Volvo-V8 stellt den Allradantrieb via Haldexkupplung bei rutschigem Untergrund auf eine harte Probe. Bei nasser Fahrbahn passiert es schon mal, daß die primär angetriebenen Vorderräder einen Augenblick scharren, bevor die hinteren Räder zu Hilfe eilen – trotz der zum Modelljahr 2006 erfolgten Verbesserung der Haldex-Kupplung.

Die im Vergleich zu Mercedes und Land Rover simple Allradtechnik des Volvo reicht aber locker für die meisten üblen Waldwege – auch dank der ausreichenden Bodenfreiheit. Mehr kann der Mercedes auch nicht, jedenfalls dann nicht, wenn er in Basisversion antritt – ohne Geländereduktion, ohne Differentialsperren, ohne höhenverstellbare Luftfederung. Erst alle diese Technik-Extras für insgesamt 3770 Euro Aufpreis machen ihn zum Allesüberwinder im Gelände. Und nur dann fährt die M-Klasse den anderen davon.

Bewertung und Fazit

Der Range Rover Sport kann mit dem Mercedes so oder so mithalten. Bei ihm ist die Geländetauglichkeit serienmäßig: Kräftig zupackende Lamellenbremsen im Zentraldifferential und an der Hinterachse verhelfen ihm zu ausgezeichneter Traktion auf schwierigem Terrain, die Geländeuntersetzung ist selbstverständlich. Seine einzige Schwäche ist die trotz Luftfederung geradezu beschämend geringe Bodenfreiheit von maximal 190 Millimetern. Und dieser Nachteil läßt sich auch gegen Aufpreis nicht beseitigen. Dafür gibt der Brite im Yachthafen eine denkbar gelungene Vorstellung als souveräner Zugwagen mit vornehmer Herkunft. Mit seinen 3,5 Tonnen Anhängelast lassen sich schon recht mächtige Boote bewegen.

Für den Mercedes ist das gleiche Gewicht erlaubt, selbst dann, wenn man ihn ohne Untersetzungsgetriebe bestellt. Das sollte man ihm aber gönnen, wenn einem das Leben des Automatikgetriebes im Zugbetrieb lieb ist. Und der Volvo? Mit nur 2250 Kilo Anhängelast muß das Boot zurückhaltender ausfallen, eben skandinavisch-bescheiden.

Fazit von AUTO BILD ALLES ALLRAD-Redakteur Martin Braun Der Range Rover Sport gewinnt – dank besserer Geländetauglichkeit ab Werk. Aber: Wenn man die Offroad-Extras beim Mercedes mitbestellt, zieht er locker vorbei auf den ersten Platz. Auch der Volvo liegt nur mangels Geländetauglichkeit so weit hinten. In Wahrheit sind alle drei V8 herrliche Unvernunftautos.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Range Rover Sport 4.4 V8, Mercedes-Benz ML 500 und Volvo XC90 V8. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Martin Braun

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