Vier Minis mit Mumm

Nissan Micra 350SR Nissan Micra 350SR

Vergleich: Vier Minis mit Mumm

— 18.07.2006

Die kleinen Kracher kommen

Vier Minis zeigen ihre Muskeln: Rund 200 PS und mehr verleihen Renault Clio, Seat Leon, Mini Cooper und Nissan Micra Flügel.

Fahrspaß-Feuerwerk im Sechszylinder-Micra

Zugegeben, bis Silvester haben wir noch reichlich Zeit, dennoch zünden wir schon jetzt ein Fahrspaß-Feuerwerk. Vier kleine kompakte Knaller mit Leistungen von etwa 200 PS und mehr gehen an den Start. Frankreich schickt den Renault Clio Sport ins Rennen – mit 197 PS unter der Haube und imposantem Diffusor am Heck. Seat sorgt mit dem 200 PS starken Leon FR für einen echten Knalleffekt – nicht nur wegen der auffälligen gelben Lackierung.

Bei der britischen BMW-Tochter Mini hält der kurze Cooper S mit dem langen Beinamen John-Cooper-Works-GP-Kit die Fans in Atem – leider auch, weil die 280 Exemplare schon vergriffen sind. Den absoluten Höhepunkt liefert schließlich Nissan, die ihrem braven Micra den 3,5-Liter-V6 aus dem 350Z hinter die Vordersitze klemmen und ihn damit zur rasanten Rakete machen. Eigentlich schade, daß dieser Kracher ein unverkäufliches Einzelstück ist. Und wohl auch bleibt.

Seat Leon FR auch als starker Selbstzünder

Power für Papa: Seat verpaßte dem grundsoliden Leon eine Kraftkur. Das Resultat heißt Leon FR und soll sämtliche Kundenwünsche erfüllen, die man in dieser Klasse so vermuten kann. Zum Beispiel Kraft: Es gibt einen Benziner (2.0 TFSI, 200 PS, auf Wunsch auch mit DSG-Getriebe) und einen Diesel (2.0 TDI, 170 PS). Der TFSI braucht zu seiner sportlichen Entfaltung heftig Drehzahl. Ab etwa 4000 Umdrehungen bemüht er sich um Sportlichkeit. Klingt also kernig, wirkt dabei aber niemals unangenehm oder gar laut.

Die Schaltung ist exakt geführt. Wer nicht gern im Getriebe rührt, freut sich über den elastischen Vierzylinder-Turbo. Und wer nicht täglich an der Drehzahlorgel musiziert, kann sich auch am schicken Sportoutfit erfreuen: 17-Zoll-Aluräder sind Serie, ebenso das wunderschöne Lederlenkrad und das sportliche Gestühl. Es gibt ausreichend Seitenhalt und das Gefühl, ein etwas breites Becken zu haben.

Das Fahrwerk polarisiert: Manche werden die geringe Seitenneigung in ambitioniert angefahrenen Kurven schätzen, nicht wenige aber auch über den mangelnden Komfort und die straffe Abstimmung deutliche Worte verlieren. Aber vermutlich schätzten das die León-FR-Käufer. Sie bezahlen 23.690 für den Benziner und 24.690 Euro für den TDI.

Technische Daten: R4-Turbo • vier Ventile pro Zylinder • zwei obenliegende Nockenwellen• Hubraum 1984 cm³ • Leistung 147 kW (200 PS) bei 5100/min • max. Drehmoment 280 Nm bei 1800/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Kofferraumvolumen 341/775 l • Tankinhalt 55 l • Länge/Breite/Höhe 4323/1768/1458 mm • Höchstgeschwindigkeit 229 km/h• 0–100 km/h in 7,3s • Preis: 23.690 Euro

Renault Clio Sport mit 215-km/h-Bremse

Ganz schön mutig: Da versucht Renault doch glatt, den mächtigen Heckdiffusor des neuen Clio Sport als Resultat des gesammelten Fomel-1-Know-hows zu verkaufen. Diese Herleitung scheint zwar etwas gewagt, aber was soll's, solange die Neuauflage des Rennflohs Spaß macht. Und den macht sie – und zwar nicht zu knapp. Schuld daran hat im wesentlichen der muntere Motor. Der trumpft mit sportlichem Charakter auf, gönnt sich keine Atempause und dreht hoch, was das Zeug hält.

Renault verlangt dem altbekannten Vierzylinder noch einmal alles ab: Während im alten Clio 179 PS genügen mußten, stehen jetzt 197 an. Leider zehrt der Gewichtszuwachs den Leistungssprung komplett auf: Der ab September erhältliche Clio Sport wiegt 225 Kilogramm mehr als der alte (1335 statt 1110 Kilogramm). Zügig voran geht es trotzdem. Vor allem in verwinkeltem Kurvengeschlängel fühlt sich der Franzose wohl. Das durcheilt er mit recht geringer Seitenneigung im Sauseschritt – die etwas synthetisch wirkende Lenkung lindert das Vergnügen kaum.

Dank der kurzen Übersetzung ist der richtige Gang stets schnell gefunden. Auf der Autobahn erweist sich die Getriebeabstimmung jedoch als echtes Manko: Der Clio ist bei 215 km/h ausgereizt. Damit fährt ihm – trotz Spitzenleistung im Segment – fast die gesamte Konkurrenz davon. Formel-1-Star Fernando Alonso würde vor Wut ins Lenkrad beißen.

Technische Daten: Reihen-Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum1998 cm³ • Leistung 145 kW (197 PS) bei 7250/min • max. Drehmoment 215 Nm bei 5550/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe manuell •Tankinhalt 55 l • Länge/Breite/Höhe 3991/1768/1484 mm • Reifen 215/45 R 17 • Beschleunigung 0–100 km/h in 6,9 s • Höchstgeschwindigkeit 215 km/h • Preis: 21.900 Euro

Abgespeckt: Mini Cooper S Works GP Kit

Kurz vor dem Facelift und den neuen Motoren von BMW/PSA ist der bisher heißeste Mini aller Zeiten da: stärker, aerodynamischer, teurer und zweisitziger als jemals zuvor. Und den längsten Namen trägt er auch: Mini Cooper S mit John-Cooper-Works-GP-Kit. Das 218 PS starke Kompressor-Kraftpaket für 30.900 Euro soll die Sportlichkeit der Mini Challenge, einer Rennserie, auf die Straße bringen.

Dafür hat Werkstuner Cooper den Cooper S um 50 Kilo erleichtert (Rückbank und Dämmstoffe raus, Längsträger aus Alu, leichtere Alu-Räder), acht Mehr-PS spendiert und die maximale Drehzahl erhöht (anderer Kompressor, angepaßte Motorsteuerung, jetzt 7100/min). Mit diversen Anbauteilen wurde die Aerodynamik verfeinert, im GP-Kit sind Sperrdifferential und eine automatische Spurstabilitätskontrolle ASC+T serienmäßig.

Einzige (aufpreisfreie) Optionen: Klimaanlage und (abschaltbares) ESP. Das Ergebnis: ein supersportlicher Lifestyle-Mini mit sehr neutralem Fahrverhalten, der für ständigen Rundstreckeneinsatz noch standfestere Bremsen gebrauchen könnte. Leider limitiert auf 2000 Stück, davon nur 280 für Deutschland und die leider restlos ausverkauft.

Technische Daten: R4-Kompressor • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 160 kW (218 PS) bei 7100/min • max. Drehmoment 250 Nm bei 4600/ min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung • Scheibenbremsen • Reifen 205/40 R18 • Länge/Breite/Höhe 3655/1688/1416 mm • Radstand 2467 mm • Leergewicht 1120 kg • Tankinhalt 50 l • Kofferraum 670 l • 0–100 km/h in 6,5 s • Spitze 240 km/h• Preis: 30.900 Euro

Satte 310 V6-PS im Nissan Micra 350SR

Eigentlich fehlt nur Münchhausen, der sich aufs Dach setzt. Dieser Micra ist eine Kanonenkugel: 310 PS, Mittelmotor und Hinterradantrieb machen aus dem putzigen Stadtwagen einen giftigen Rennzwerg. Nissan England durfte spielen und hat den Monster-Micra auf 18 Zoll große Rays-Räder gestellt. Wie einst bei Renault 5 Turbo und Clio V6 sitzt der Motor beim Japaner mittschiffs in Querlage. Kofferraum? Gibt's nicht mehr.

Dafür einen getunten V6 aus den Nissan 350Z und irren Vortrieb. Ein eigenartiges Vergnügen: Eingeschnürt in eine enge Rennschale, brüllt von hinten ein Hochleistungstriebwerk, das den Micra mit jedem Gasstoß zu einem ansehnlichen Powerdrift verführt. Vom ursprünglichen Handling keine Spur mehr. Hier ist nur noch die Karosserie Micra. Getriebe, Lenkung und viele Fahrwerkteile stammen vom Nissan Altima SE-R (wird in den USA verkauft), der Rest ist Renntechnik.

Und so fährt sich der Micra 350SR auch: heiß, laut, ungemütlich, aber sauschnell. Das rote Geschoß fliegt von null auf 100 km/h in weniger als fünf Sekunden. Die Spitze liegt bei 240 km/h. Ohne Rennlizenz sollte niemand hinters Lenkrad. Auch Münchhausen nicht.

Technische Daten: V6-Mittelmotor • vier Ventile pro Zylinder • vier obenliegende Nockenwellen • Hubraum 3498 cm³ • Leistung 228 kW (310 PS) bei 6400/min • max. Drehmoment 363 Nm bei 4400 /min • Hinterradantrieb • Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung vorn und hinten • Tank 45 l • Länge/Breite/Höhe 3715/1760/1490 mm • Radstand 2430 mm • Reifen vorn/hinten 225/35–245/35 R 18 • Räder vorn/hinten 8 x18" /8,5 x18" • Leergewicht 1250 kg • Spitze 240 km/h • 0–100 km/h in unter 5,0 s

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