Vergleich VW Polo 1.6 TDI gegen VW Golf 2.0 TDI — 02.06.2009

Die neue Golf-Größe?

Brüderchen, komm, tanz mit mir: Der neue VW Polo will Golf spielen. AUTO BILD hat den Kleinen und den Kompakten zum exklusiven Duell gebeten. Gerät die bekannte Wolfsburger Familienhierarchie jetzt durcheinander?

Polo und Golf – das ist wie Ralf und Michael Schumacher: Immer steht der kleine im Schatten des großen Bruders. Damit soll bei Polo Nummer fünf endlich Schluss sein. Mit frischem Design, modernster Technik, verbesserter Qualität und volkstümlicheren Preisen könnte der Polo besser in die Zeit passen als der Golf. Hat der Kleine tatsächlich das Zeug dazu, aus dem Schatten seines übermächtigen Bruders zu fahren? Die Antwort liefert das erste exklusive Duell der beiden Brüder auf der Straße.

Mit seinem entschlossenen Blick gefällt der Polo besser als der Golf

Design: Näher dran am großen Golf war bislang kein Polo zuvor. Zumindest optisch. Die Familienähnlichkeit ist frappierend. Dennoch hat der Polo seinen ganz eigenen Stil. Ein kantiger Typ mit ausgeprägter Schulterlinie. Betonte Keilform, flache, scharf geschnittene Scheinwerfer, nach oben gewölbte Motorhaube. Das wirkt durchaus bullig. Im Vergleich zu den Rundungen des stattlichen Golf kommt der Polo mit entschlossenem Blick sehniger und durchtrainierter daher. Der Golf hingegen ist auf Harmonie bedacht, sein freundliches Gesicht macht ihn zu Everybody’s Darling. Unser Favorit ist dennoch der jugendliche Herausforderer, seine scharfen Linien verleihen ihm mehr Charakter. Gelungen bei beiden: die zeitlose Formensprache ohne Verfallsdatum.

In Sachen Komfort und Platzangebot ist der Golf das Auto der Wahl

Innenraum: Es ist (fast) alles Golf, was glänzt: Beide Armaturenträger ähneln sich stark. Alle Bedienelemente sind hier wie dort perfekt bedienbar, die Ablesbarkeit vorbildlich. Mit seinen geschäumten Oberflächen wirkt das Cockpit des gefahrenen Polo Highline hochwertiger als bisher, der Klassenunterschied findet nur noch im Detail statt. Im Gegensatz zum Raumangebot: Der zehn Zentimeter breitere und 23 Zentimeter längere Golf ist innen spürbar luftiger, Kofferraum und Fond bieten mehr Platz. Selbst große Passagiere sitzen hinten bequem, während Polo-Hinterbänkler über 1,80 Meter den Kopf einziehen müssen und mit ihren Knien unfreiwillig den Rücken des Fahrers massieren. Vorn reist man aber auch im Polo erstklassig, selbst Hünen finden eine ergonomisch einwandfreie Position.

Ausstattung: Schon der Basis-Golf springt erfreulich üppig ausgestattet vom Band, mit ESP, Servolenkung, Klimaanlage, Zentralverriegelung und elektrischen Fensterhebern vorn serienmäßig schon ab Trendline. Dazu garantieren sieben Airbags (inklusive Knieschutz vorm Fahrer) Rundumschutz. Der Polo knausert in der Basisvariante Trendline. Eine geschäumte Armaturentafel gibt es hier nicht, ebenso wenig einen Knieairbag. Kopfairbags kosten generell Aufpreis (465 Euro), beim Basismodell auch die Klimaanlage (im Paket mit CD-Radio 910 Euro) und die Fernbedienung für die Zentralverriegelung (170 Euro). Der günstige Einstiegspreis (12.885 Euro, 4-türig) relativiert sich also, wenn der Kunde seinen Polo auf Golf-Niveau bringt.

Bei den Fahrleistungen liegen die beiden Brüder auf Augenhöhe

Gleichstand: Polo 1.6 TDI und Golf 2.0 TDI bieten fast identische Fahrleistungen.

Motor: Wie unfair! Zum Bruderduell erscheint der Polo mit dem brandneuen 1,6-Liter-TDI, der viel geschmeidiger läuft als die Pumpe-Düse-Aggregate und leichtfüßig hochdreht. Doch mit deutlichem Nageln kann auch der 105 PS starke Common-Rail-Diesel seine Herkunft nicht verheimlichen. Dazu kommt die Anfahrschwäche: Unter 2000 Touren holt er tief Luft, um dann ungestüm vorwärtszustürmen – das Turboloch zwingt zum häufigen Schalten im zu lang übersetzten Fünfgang-Getriebe. Da gefällt der Golf mit seinem dezent brummenden, aber gut gedämmten 110-PS-TDI besser. Der Zweiliter zieht knapp über Standgas schon wie ein Ochse, entfaltet seine Leis tung viel harmonischer. Ein entspannter Geselle, der den rund 200 Kilo schwereren Golf souveräner antreibt. Schade, dass er auch hier bald Platz machen muss für den 200 Euro günstigeren 1.6er, der laut VW weniger verbraucht und entsprechend weniger CO2 ausstößt.

Wie das Duell zwischen VW Golf und VW Polo ausgegangen ist, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt es als Download im Heftarchiv.
Die Motoren im Vergleich
Modell Golf 2.0 TDI Polo 1.6 TDI
kW/PS 81 (110) 77 (105)
Drehmoment (Nm bei 1/min) 250/1750 230/1500
Verbrauch (EU-MIX) 4,9 l D/100 km 4,2 l D/100 km
CO2-Ausstoß 128 g/km 109 g/km
Vmax 193 km/h 190 km/h
0–100 km/h 10,7 s 10,4 s
Getriebe Fünfgang Fünfgang
Preis (4-Türer) ab 21.375 € ab 18.385 €
Uli Holzwarth

Uli Holzwarth

Fazit

Der Polo ist zweifellos ein beeindruckender VW und kommt ganz nahe ran an seinen großen Bruder. Insbesondere qualitativ hat der Polo einen spürbaren Sprung gemacht. Hier müssen wir schon sehr genau hinsehen, um Unterschiede zu erkennen. Eine Klasse besser ist der geräumigere Golf im direkten Vergleich tatsächlich nur bei Platzangebot und Komfort. Andererseits habe ich im Polo nie das Gefühl, eine Klasse tiefer gelandet zu sein. Das gilt allerdings auch für den Preis. So kann der Kleine die Hierarchie in der VW-Familie (noch) nicht erschüttern.

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Kommentare zum Artikel (7)

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Stefan
05.10.2009, 22:19Uhr

Zu lang übersetzte Gänge? Früher schalten und freuen, dass er bei 130 mit 2250 brummt!! Wer will denn dabei 4000 1/min??

black cat
04.06.2009, 19:55Uhr

POLO und GOLF zwei Autos mit Vergangenheit.Der POLO ist sicher jetzt der bessere GOLF mit ???.Er past besser zu der zeit em durch die Wirschaftskrise aber das heist noch nicht das der GOLF schlechter geworden ist in gegenteil.POLO hat vorteile aber auch nachteile zum einen die Heckpartie gefählt mir nicht, von Vorne sind er schnitig aus.Er kostet weniger hat aber nicht soviel Platz wie der GOLF.Es ist eine frage des geschmacks, läst sich naturlich bekanntlich streiten.Sparsam sind sie beide leichte vorteil sehe ich beim POLO.

Realist
03.06.2009, 16:25Uhr

Hinten sieht der Polo leider sehr altbacken aus (kein schöner Anblick), die Preise sind unverschämt hoch (für weniger Geld gibt es viele Konkurenzprodukte in ähnlicher Größe), keine Seitenschutzleisten zur Verhinderung von Schrammen. Ob die Qualität stimmt wird sich erst künftig zeigen ? Bei meinem Golf IV stimmt rein gar nichts, die Reparaturliste ist endloslang, die Sitze mit dem starken Seitenwulst sperren bei längeren Fahrten die Blutbahnen ab und das führt zu tauben Stellen an den Beinen usw. M.f.G.

acsa
02.06.2009, 20:48Uhr

Zum Artikel: könnte man Information darüber bekommen, wie groß der Unterschied zwichen den Sitzen der unterschiedlichen Ausstattungen besteht? Es ist wirklich unangenehm für viele zu erleben, dass zahlreiche Hersteller in das untere (praktisch sowieso fast nie gekaufte) und mittlere Ausstattungsniveau absichtlich solche Sitze einbauen, die wirklich "unortopädisch" sind. Bei Golf weiß man, dass nur ab Comfortline OK ist.

acsa
02.06.2009, 20:47Uhr

Irgendwie sind das Preise vom Mond. Die Abwrackprämie hat die Preisnachlässe auch stark verhindert (bzw. vom Staat subventioniert). In Ungarn kann man z.B. den C-Max Trend schon leicht unter 13000€ bekommen. Diesel Aufpreis 2-3000€. Vor einigen Monaten waren die Preise noch genauso hoch wie in DE. Die Handelsketten/Importöre haben (hatten?) überall Riesenmargen - vergessen Sie die Lamentation im Schauraum über mini-Margen.

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