Test VW Tiguan 2.0 TSI gegen Ford Kuga 2.5 T

Vergleich VW Tiguan 2.0 TSI gegen Ford Kuga 2.5 T

— 22.06.2009

Sport-Programm

VW verkauft momentan viermal so viele Tiguan wie Ford vom Kuga. Der AUTO BILD ALLRAD-Vergleichstest der 200-PS-Spitzenversionen zeigt, dass die Unterschiede beim Fahren bei Weitem nicht so groß sind.

Scirocco, Passat, Touareg — früher verwendete Volkswagen noch wahrhaftige Begriffe als Typennamen der Autos. Genauso bei Ford: Capri, Fiesta , Maverick. Die Zeiten echter Namen sind aber wohl vorbei. Sowohl VW als auch Ford favorisieren für ihre Kompakt-Geländewagen wohlüberlegte Kunstnamen. Tiguan ist ein in Wolfsburg ausgedachtes Wort aus Bestandteilen von Tiger und Leguan, das letztlich im Rahmen einer Leserbefragung von AUTO BILD final zum Typennamen erwählt wurde. Kuga entstand bei Ford dagegen im Alleingang als in allen Sprachen gut klingendes Kunstwort — obwohl die Kölner später feststellen mussten, dass es diesen Begriff in so mancher Balkansprache tatsächlich gibt. Doch die Bedeutung des Namens für den Siegeszug eines Produkts wird häufig überschätzt. Wie sonst wäre der Erfolg von Produkten zu erklären, die von ihren Schöpfern allen Ernstes Puddis in Love (ein Fertig-Nachtisch) oder Kotex Security (ein Damenhygieneartikel) oder auch Petra Padissima (eine Kaffeemaschine) getauft wurden? Ich behaupte deshalb dreist: Volkswagen würde nicht nennenswert weniger Exemplare des Tiguan verkaufen, wenn ein Typenschild mit der Aufschrift Optiwell (eine Joghurtmarke) am Heck des Wagens kleben würde. Es kommt in Wahrheit eben auf das richtige Produkt zur rechten Zeit vom richtigen Hersteller an.

Innenraum: Sinnlose Spielereien erlaubt sich der Tiguan nicht

In der Länge unterscheiden sich die beiden Kontrahenten um nicht einmal zwei Zentimeter, bei der Höhe ist es sogar weniger als einer.

Der Vergleich zwischen Ford Kuga und VW Tiguan ist auch deshalb so interessant, weil beide Autos fast gleichzeitig fertig wurden. Und deshalb kann es auch keine Vorwürfe geben, der eine hätte vom anderen abgekupfert. Dennoch gibt es einige augenfällige Übereinstimmungen. In der Außenlänge beispielsweise unterscheiden sich die beiden Kontrahenten um nicht einmal zwei Zentimeter, bei der Höhe ist es sogar weniger als einer. Trotzdem bleiben noch reichlich Unterscheidungsmerkmale übrig, Verwechslungsgefahr zwischen den beiden besteht sicher nicht. Und wenn man im Innenraum Platz nimmt, drängen sich die Unterschiede förmlich auf. Sinnlose Spielereien wie der serienmäßige Startknopf im Ford will sich der durch und durch zurückhaltend auftretende VW einfach nicht erlauben. Der sammelt lieber Punkte über sein größeres Platzangebot.

Platz für Passagiere und Gepäck: Der Tiguan hat die Nase vorn

Schhöner packen im Tiguan: Der Kofferraum ist größer als beim Kuga. Die längs verschiebbare Rücksitzbank hilft, den Platzbedarf zu dosieren.

Sowohl vorn als auch hinten liegt der Tiguan hier vorn, ohne eine größere Parklücke zu fordern. Der Ford hat vorn wie hinten ausreichend viel Platz. Aber – wieder ein Vorteil des Tiguan – besonders langbeinige Fahrer genießen im VW den größeren Einstellbereich des Sitzes, groß gewachsene Passagiere im Fond fünf Zentimeter mehr Kniefreiheit. Auch zum Transportieren von Gepäck ist der VW besser geeignet. Zum einen ist sein Kofferraum schlicht größer, zum anderen hilft die serienmäßig längs verschiebbare Rücksitzbank, den Platzbedarf zu dosieren. Ähnlich sieht es aus, wenn Kuga und Tiguan als Lastesel herhalten müssen. Wieder bietet der Ford Ausreichendes in Form seiner 462 Kilogramm Zuladung. Bei gleichem Leergewicht darf der VW aber noch 104 Kilogramm draufpacken. Noch größer ist der Unterschied bei der Anhängelast. Denn Ford reduziert bei der Automatikversion die 2,1 Tonnen der Kuga-Schaltvarianten auf traurige 1500 Kilogramm. Der VW darf dagegen satte 2,2 Tonnen ziehen.

Genügend Unterschiede zeigen sich auch in Fahrt. Zwar legen die übereinstimmenden Motorleistungen von 200 PS, der satte Turboschub ab jeweils 1500 Touren und die tatsächlich eng beieinander liegenden Messwerte für Beschleunigung und Höchsttempo nahe, dass beide in Sachen Antrieb charaktergleich sind, aber das trifft nicht zu. Speziell der Ford wendet sich vor allem an den bekennenden Motorenliebhaber. Denn der von der schwedischen Konzernschwester Volvo stammende Fünfzylinder-Turbo begeistert mit seinem rauchig-bassigen Klang und kräftigem Antritt. Vor allem im Stadtverkehr und unter 2500 Touren säuseln beide Motoren nur sanft vor sich hin. Darüber und beim Gasgeben hebt der Fünfzylinder im Ford kraftvoll pochend seine unverwechselbare Stimme, während der VW mit schlichtem Vierzylinderbrummen die Drehzahl steigert. Das interessiert aber nur Motorenfans. Denn objektiv spricht nichts gegen den VW-Motor: Trotz 13 Prozent weniger Drehmoment ermöglicht er dem Tiguan einen Hauch bessere Fahrleistungen. Grund dafür sind Unterschiede bei den Automatikgetrieben. Die VW-Sechsgangbox ist noch etwas sorgfältiger abgestimmt als das Getriebe des Ford. Mehr zum Fahrverhalten und der Allradtechnik der beiden Kandidaten lesen Sie in der Bildergalerie. Oder Sie laden sich hier den gesamten Artikel inklusive aller Messwert- und Techniktabellen als PDF herunter.
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Der VW Tiguan ist geräumiger, sparsamer und im Unterhalt günstiger. Und damit das vernünftigere Angebot. Für Motoren- und Dynamikliebhaber ist der Ford Kuga 2.5 T jedoch eine Überlegung wert, denn er zeigt mit seinem charismatischen Fünfzylinder-Turbo besonderen Charme.

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