Test VW Tiguan gegen VW Golf

VW Golf 2.0 TDI VW Tiguan 2.0 TDI VW Tiguan 2.0 TDI

Vergleich VW Tiguan gegen VW Golf

— 09.02.2009

Der bessere Golf?

Die Sparversion des VW Tiguan verzichtet auf den Allradantrieb. Was trennt ihn dann eigentlich noch vom Golf? AUTO BILD ist dieser Frage nachgegangen und hat das SUV und den Kompakten als 2.0 TDI miteinander verglichen.

Der Golf ist der Golf. Ein Auftritt wie Jeans mit Jackett, lässig und selbstverständlich. Ob Theater, Alltag oder Geschäft – der Kompakte passt einfach immer. Doch langsam bekommt der VW im Straßenbild Konkurrenz – ausgerechnet vom Geländegänger Tiguan, der auf dem besten Weg ist, der Golf der SUV-Szene zu werden. Der Tiguan ist angesagt, schlicht trendy. Und als reiner Fronttriebler rückt er dem Golf in Preis und Technik jetzt noch näher auf die Pelle. Wer Tiguan fahren will, muss für den Trend&Fun 2.0 TDI trotzdem mindestens 3000 Euro mehr (übrig) haben als für den Golf VI 2.0 TDI Fünftürer. Genau betrachtet, wächst die Differenz noch um einiges mehr. Denn der Golf rollt zum Preis von 26.100 Euro bereits als Highline vor – mit entsprechend üppiger Grundausstattung inklusive Klimaautomatik, Sitzheizung und Einparkhilfe. Dazu gibt es ab Werk sieben Airbags.

Der Tiguan gibt in diesem Vergleich den geräumigen Lademeister

Teurer und größer: Der Tiguan bietet 20 Zentimeter mehr Auto als der Golf.

Der frontgetriebene Tiguan kommt für 27.900 Euro gerade mal in Basisversion, Luxus wie Aluräder oder Nebellampen schlagen zusätzlich ins Kontor. Macht in unserem Falle fast 4000 Euro Abstand. Ein teures Vergnügen ... Immerhin bekommt man dafür rund 20 Zentimeter mehr Auto. Wer ausschließlich praktischen Nutzen sucht, darf das Geld ohne Frust ausgeben. Der Kofferraum des Tiguan schluckt zwei Taschen mehr (470 statt 350 Liter), bei umgelegter Rückbank sogar den halben Hausrat (1510 Liter). Mit dem verstellbaren Boden fällt das Laden leichter, die verschiebbare Rückbank macht ihn so vielseitig, wie ein Golf nie sein kann. Schwerer schleppen darf der auf 2,2 Tonnen Gesamtgewicht taxierte Geländewagen sowieso. Ganz klar: Den Packesel gibt der Tiguan. Für die Passagiere fällt das Urteil nicht so eindeutig aus. Hinten hat man im SUV deutlich mehr Luft vor den Knien – ansonsten hält der Golf vor allem in der ersten Reihe mit innerer Größe dagegen.

In Sachen Dynamik liegt der Golf eindeutig vor dem Tiguan

Ohnehin fühlen sich Fahrer und Beifahrer auf den tadellosen Sportsitzen des Golf Highline besser aufgehoben, der Verstellbereich der vorderen Sitze ist sogar größer als beim Tiguan. Der wichtigste, gefühlte Unterschied: Im SUV sitzt man höher, hat die bessere Übersicht. Also: Was ist dran, am "Hochsitz"? Tatsächlich thront der Fahrer lediglich 13 Zentimeter – etwa eine Kugelschreiberlänge – über dem Golf-Piloten. Leider bringt es das nicht wirklich. Auch wenn so ein besserer Überblick im schwimmenden Verkehr hilft, beim Rangieren nützt das Plus an Höhe nicht. Im Gegenteil, der kompakte Golf lässt sich beim Einparken leichter überblicken, die Rundumsicht fällt subjektiv genauso gut aus. Übers Heck peilt es sich über die tiefer angesetzte Scheibe des Golf sogar etwas besser. Oha – der Kleinere schließt also auf. Und überholt sogar, sobald die beiden losfahren. Denn trotz gleicher Fahrwerkanlagen und identischer Motorisierung fällt der Tiguan in der Fahrdynamik deutlich zurück. Nicht in Zahlen, weil er hier ernsthafte Schwächen offenlegt.

Eher, weil ein Golf nahezu perfekt fährt, fast genauso komfortabel federt. Die im Vergleich zum SUV rund 200 Kilogramm weniger Speck auf den Rippen setzt der Golf zudem in bessere Fahrleistungen, agileres Handling und angenehmeres Fahrverhalten um. Auch störende Karosserieneigung verkneift er sich. Gleichfalls überträgt er die Kraft souveräner. Wo der Tiguan mit seinen Vorderrädern scharrt, liefert der Golf optimale Traktion. Noch wichtiger: Bei 5,8 Liter Verbrauch kommt der Fünftürer mit fast einem Liter Sprit pro 100 Kilometer weniger aus als der schwere Geländewagen. Auch die Kraftentfaltung des starken TDI wirkt im Golf viel geschmeidiger als beim kürzer übersetzten, in den unteren Gängen hektischer hoch drehenden Motor des Tiguan. Aus Vernunftgründen bleibt so nur ein Bekenntnis zum Golf. Der beim Kauf spart, mit jedem gefahrenen Kilometer nachlegt, alles kann. Aber: Auto ist bei uns auch Anzug. Wer es schicker als mit Jeans und Jackett mag, zieht lieber den (teuren) Tiguan über.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

Kompaktes gegen SUV – vergleichen wir hier nicht Äpfel mit Birnen? Nein, zumal Tiguan und Golf auf dem gleichen VW-Baum wachsen. So oder so – wir haben beide Autos nach dem Punkteschlüssel für SUV bewertet. Hätten Kompakte als Messlatte gedient, hätte der Golf noch deutlicher gewonnen. Er ist günstiger, sparsamer, wendiger und schneller als der Tiguan. Selbst das Platzangebot fällt kaum knapper aus als im großen SUV-Bruder. Am Ende lässt der Alleskönner den Tiguan stehen. Geld und Alltagsqualität zählen mehr als Image und Prestige.

Weitere Details zu Golf und Tiguan finden sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten VW Golf VW Tiguan
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Zahnriemen
Hubraum 1968 cm³ 1968 cm³
kW (PS) bei 1/min 103 (140)/4200 103 (140)/4200
Nm bei 1/min 320/1750 320/1750
Vmax 209 km/h 190 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 ZR 17 235/55 R 17 H
Radgröße 7 x 17" 7 x 17"
Abgas CO2 129 g/km 155 g/km
Verbrauch* 6,4/4,0/4,9 l 7,6/5,0/5,9 l
Tankinhalt 55 l/Diesel 64 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 73 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1500/680 kg 2000/750 kg
Kofferraumvolumen 350–1305 l 470–1510 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Messwerte VW Golf VW Tiguan
Beschleunigung
0–50 km/h 3,3 s 3,3 s
0–100 km/h 9,6 s 9,8 s
0–130 km/h 16,6 s 17,0 s
Elastizität
60–100 km/h 7,2 s (4. Gang) 7,4 s (4. Gang)
80–120 km/h 14,4 s (6. Gang) 16,5 s (6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1432/478 kg 1606/554 kg
Gewichtsverteilung v./h. 64/36 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 10,7/10,6 m 11,8/11,7 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,1 m 37,3 m
aus 100 km/h warm 36,8 m 37,8 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 60 dB (A) 62 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 67 dB (A)
bei 130 km/h 71 dB (A) 70 dB (A)
Testverbrauch – CO2 5,8 l D – 154 g/km 6,6 l D – 175 g/km
Reichweite 940 km 970 km

Autor: Jan Horn

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