Drei Edel-Kombis im Vergleich

Lexus IS 300 SportCross Lexus IS 300 SportCross

Vergleichstest

— 14.02.2002

Lexus sucht die Luxus-Lücke

Vorsicht, da prescht einer vor: Der heißt Lexus SportCross und will ein Edel-Kombi sein. Wie eng wird es jetzt für BMW und Mercedes?

Autos, die Emotionen wecken

Wer solchen Autos ohne Herzklopfen begegnet, der ist nie jung gewesen. Der sollte weiter Hosenträger-Modelle fahren. Der liest mit Sicherheit auch nicht AUTO BILD. Wird also nie vom Säuseln sanfter Sechszylinder gefesselt, die bei Bedarf so schnell losschießen, dass mögliches Ladegut aufgrund seiner Massenträgheit voll gegen die Heckklappe kracht. Der wird auch im Verkehr nie die elegant hingegossenen Formen bemerken, die aus einfachen Limousinen plötzlich Coupé-ähnliche Kombis machen. Der wird rein gar nichts registrieren, eben weil diesen drei Sportwagen alle Merkmale von Krawall fehlen.

Okay, da wären vielleicht die Auspuffrohre. BMW hat deren zwei, Lexus entlässt seine Abgase (als Einziger nur Euro-3-gereinigt) aus einem fetten Ofenrohr, und Mercedes versteckt die zwei Öffnungen ganz dezent. Okay, da wäre auch noch der Klang. BMW berauscht seine Insassen mit den kernigsten Tönen, quittiert jedes Fußzucken mit sündiger Nürburgring-Sinfonie. Einfach nur lärmig, weil ohne Wohlklang, der Mercedes. Der Lexus hingegen wirkt voll Ohropax-gedämpft, ist nach außen subjektiv halb so laut wie seine beiden etablierten Konkurrenten.

Motoren und Fahrleistungen

So, nun noch schnell die Hauben aufgerissen. Mit Gasdruck (außer Lexus) federn sie hoch. Schenkt man den heute leider üblichen Plastik-Verkleidungen Glauben, dann versteckt der C 320 darunter einen mächtigen V12, der IS 300 einen opulenten V6 und der 330i einen langen Reihensechszylinder. Treffer! Der BMW hat einen, aber auch der Lexus stellt seine sechs Kolben hintereinander auf. Gewähr für absolute Laufruhe. Leider schwören nur noch diese beiden Pkw-Hersteller auf das bewährte Prinzip, alle anderen setzen (mit wenigen Ausnahmen) aus Platzgründen auf die kompakte V-Form.

So auch Mercedes. Den C 320 treibt ein agiler V6, der - bauartbedingt - obenrum nicht ganz so vibrationsarm ist. Doch wie Leistung entsteht, ist letztlich dann egal, wenn man sieht, was dabei rauskommt. In allen drei Fällen Kraft im Überfluss. Die auch erlaubt, bleifüßige TDI eindrücklich von der linken Spur zu bitten und bei Bedarf locker abzuhängen. Was dann natürlich nicht ohne Einfluss auf den Verbrauch bleibt: Er zeigt zweistellige Literzahlen, Intercity-Tempo kostete eben immer schon Schnellzug-Zuschlag.

Fahrwerk und Handling

Die Freude am Fahren überträgt sich im BMW wieder einmal am innigsten. Die bayerischen Motoren-Werker haben den 330i so erzogen, dass er auf den kleinsten Fingerzeig gehorcht, ohne sich abhängig zu machen. Wer es mit ihm zu toll treibt, der wird von der allgegenwärtigen Elektronik eingebremst. In diese Grenzbereiche stoßen normale Fahrer nie vor. Denen genügt das Wissen um den Chip-Schutz und dessen Wachsamkeit vor allem bei widrigen Wetterverhältnissen.

Wer vom BMW in den Lexus umsteigt, den überrascht die Leichtfüßigkeit. Handliches Lenkrad, gute Sitze, die Schalttasten im Lenkrad, das subjektiv niedrige Geräuschniveau und die Top-Verarbeitung zeigen, dass Toyotas Luxusmarke sich keineswegs verstecken muss. Im Gegenteil. Das Fahrwerk ruht sicher auf breiten Sohlen (vorn 215er, hinten 225er), zusammen mit dem stark geneigten Heck wird klar signalisiert: Hier fährt kein Nutzfahrzeug, sondern ein Kombi-Coupé, das bei Bedarf auch noch über 400 Kilogramm zuladen darf.

Ausstattung und Innenraum

Was vorn dem Klassiker Omega und hinten dem legendären Saab 95 ähnelt, treibt aber etwas zu viel Heckmeck. Bodenplatten mit Klappfüßchen lassen den Laderaum in der Höhe variieren, sind aber sehr fummelig. Die abnehmbare Verkleidung unterm Heckfenster ist vermutlich als Geduldsspiel gedacht. Der optisch edle, aber unpraktische Bodenbelag zeigt, dass hier weder Hund noch Handwerkerbedarf hingehören. Golfschläger oder Champagnerkartons scheinen passender. Sperriges Gut sollte auch nur im Notfall auf die umgeklappten Rücksitze geladen werden, da der Lexus als einziger Wagen im Vergleich keine Schutznetz-Halteösen hinter den Vordersitzen hat. Schließlich lässt das Fehlen von Leseleuchten im Fond den Schluss zu, dass Lexus-Eigner hinten selten einen sitzen haben.

Der Mercedes wiederum wirkt auf Anhieb traditionell solide. Ihm kommt (wie auch dem 3er) zugute, dass er eigentlich nach mehr aussieht, obwohl ihm zur E-Klasse in der Länge fast 30 Zentimeter fehlen. Der C 320 T ist bei aller Schlankheit noch der ehrlichste Kombi. Auf jeden Fall auch der sicherste. Denn neben den üblichen Front- und Seitenairbags bietet er noch Windowbags vorn und hinten. Sonst muss in dieser Klasse über Sicherheit nicht mehr geredet werden. Alles, was die Chip-Industrie bietet, ist in diesen Wagen verbaut: Die Bremswege dank Bremsassistent kurz und gut, durchdrehende Räder werden gezügelt, ausbrechende Karossen eingefangen.

Verbleibt als größter Risikofaktor wieder mal nur der Mensch. Dem in allen drei Wagen ein vorzüglich geregeltes Kleinklima hilft, es Sommer wie Winter gemütlich zu haben. Um diese Jahreszeit außerdem besonders wichtig: das Scheinwerferlicht. Der Lexus hat als einziger serienmäßig Xenonlicht. Bei gutem Wetter prima, bei Nebel, Regen oder Schneefall aber schlecht. Denn die Lampen sorgen aufgrund des modischen Klarglas-Chrom-Designs für kräftiges Streulicht nach oben. Das führt zu Eigenblendung. Die Nebellampen bieten keine Abhilfe, weil auch sie zu viel Licht gen Himmel schicken. Die Konkurrenten (im Test Xenon nur gegen Aufpreis) sind etwas besser, könnten aber auch mehr Sorgfalt auf das Streulicht verwenden. Ein gläserner Schwachpunkt noch beim Lexus: Sein automatisch abblendender Innenspiegel verzerrt an den Rändern, Autos scheinen bei Dunkelheit vier Scheinwerfer zu haben.

Preise und Kosten

Damit in diesen Luxuskombis nicht zu viel gearbeitet werden muss, haben sie Automatikgetriebe (bei BMW Aufpreis). Das erhöht den Fahrkomfort, denn sie schalten ihre fünf Gänge butterweich. Natürlich dürfen sportlich Gesinnte in den Ablauf manuell eingreifen, beim Lexus wie gesagt sogar mit Lenkradtasten. Recht hoch die Preise für diese Luxuslaster: Sie beginnen bei BMW mit 37.600 Euro, der Lexus notiert 37.200, der Mercedes 41.574 Euro. Wobei beim Lexus nur noch Schiebedach, Satelliten-Navigation, Leder und Metallic Aufpreis kosten.

Ob das dem Lexus reicht, diese schlanke Luxus-Lücke zu füllen? In Deutschland gehört noch das (unbezahlbare) Image dazu. Auch das sorgt für das nötige Herzklopfen, ohne das Autos eigentlich langweilig sind.

Fazit und Zeugnis

Fazit Hallo, Jungmanager, die ihr Platz für Laptops, Bordcase und Wellness-Extras braucht. Hallo, alte Hasen, die ihr noch mal das Feuer vergangener Porsche-Zeiten spüren wollt, aber auch ein Enkelkind zur Schule bringen müsst - hier sind eure idealen Autos. Souveräner Alleskönner die Mercedes C-Klasse in T-Form. Rundum ausgeglichen und ausgereift. Knapp dahinter der 3er als temperamentvoller touring, der den meisten Fahrspaß vermittelt. Etwas abgeschlagen der Lexus als SportCross. Er verliert bei den Fahrleistungen und vor allem beim Platzangebot. Wen das nicht interessiert, der bekommt mit ihm den Kosten-König unter den Edel-Kombis.

Punktewertung

Knapper Vorsprung für den Mercedes, Lexus etwas abgeschlagen auf Platz drei. Wer andere Akzente setzen will, rechnet einfach die entsprechende Rubrik raus und kommt zum eigenen Ergebnis.

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