Vergleichstest Cabrio-Oberklasse

Cabrio-Vergleich: Audi A4, BMW 3er, VW EOS, Volvo C70 Cabrio-Vergleich: Audi A4, BMW 3er, VW EOS, Volvo C70

Vergleichstest Cabrio-Oberklasse

— 16.04.2007

Offen für die Freude am Fahren

Stoff oder Blech, Fünf- oder Sechszylinder? In die Cabrio-Oberklasse kommt Bewegung. Der Newcomer BMW 335i muss sich gegen Audi A4, Volvo C70 und VW Eos behaupten.

Nach vorn. An die Spitze. Was sonst? Für BMW sind die Ansprüche sonnenklar. Seit knapp zwei Wochen zeigt das neue 3er Cabrio auf dem Oben-Ohne-Markt, was es hat beziehungsweise nicht hat: ein Stoffverdeck nämlich. Erstmals in der BMW-Geschichte rüsten die Bayern ein Cabriolet mit Blech- statt Stoffdach aus. Und wie das so ist bei wichtigen Neuerungen, tritt der Debütant gleich in seiner schärfsten Form als 335i auf die Bühne. Natürlich werden mehr Unterschriften unter 320i-, 325i-, 330i- und 330d-Verträge gesetzt, aber warum die Trommel nehmen, wenn die Pauke mehr Krach macht?

Bei BMW ist von dickem Hintern keine Spur

Man muss es sich nur leisten können. Die Ouvertüre namens 335i kostet 50.750 Euro. Grundpreis versteht sich. Champagner geht extra: Mit Metalliclackierung, Leder, Navigationssystem und so weiter lässt sich der Preis schnell auf 60.000 Euro treiben. Die Alternativen in der exklusiven Frischluftecke heißen Audi A4 3.2 FSI, Volvo C70 T5 und VW Eos V6, wobei Letzterer für 37.198 Euro mit 18-Zoll-Rädern und Sportfahrwerk (VW Individual) fast ein Sonderangebot ist. Dass der BMW die erste Geige spielen will, macht schon sein optischer Auftritt klar. Dem Design-Team um Chris Bangle ist eine elegante Linie gelungen. Geschlossen wie offen besticht das 335i Cabrio mit einer tollen Formensprache. Keine Spur von dickem Popo. Im Gegenteil: Obwohl die B-Säule fehlt und sich die Dachlinie von der des 3er-Coupé unterscheidet, ist das Cabrio dem Fixdach-Bruder zum Verwechseln ähnlich – ein "Coupé-Cabrio" im besten Sinne des Wortes.

Mit Biturbo stürmt der 335i in eine eigene Liga

Erst bei näherem Hinsehen werden Fugen und Scharniere auf dem Dach erkennbar. Auch innen bleibt das Cabrio ganz das Coupé. Bis auf einen kleinen Schalter auf der Mittelkonsole ist alles identisch. Der BMW öffnet in 22 Sekunden sein Dach und faltet es mit kaum hörbarem Elektromotor-Summen in den Kofferraum. Oben ohne offenbart der 3er aber auch eine Enttäuschung. Denn unter dem Heckdeckel bleibt zu wenig Platz. Mit nur 210 Liter Stauvolumen und 320 Kilogramm Zuladung bietet er am wenigsten in diesem Vergleich. Wer offen zu zweit verreisen will, muss Koffer und Taschen auf der Rückbank lagern. Als Vollwert-Viersitzer eignet sich keiner der Kandidaten – höchstens für Kurzstrecken. Mit Hinterradantrieb ist der BMW hier ganz allein unterwegs. Zusätzlich besticht er mit seinem wundervollen Sechszylinder. Der ist nach Art des Hauses in Reihe geordnet und doppelt aufgeladen. Die beiden Turbos drücken die Leistung auf 306 PS, so dass sich der Dreiliter wie ein V8 anfühlt. Durch den Biturbo liegen schon bei 1300 Touren 400 Newtonmeter an, und der 335i stürmt in eine eigene Liga.

Von null auf 160 km/h nimmt er seinen Konkurrenten mindestens drei Sekunden ab – das sind Welten. Es ist aber vor allem die Art und Weise, wie er seine Bärenkräfte entfesselt und kontrolliert. Ob präzise Lenkung, kräftige Bremsen, hohe Fahrdynamik und rauchiger Auspuffsound – hier stimmt einfach alles. Sehr empfehlenswert ist die bislang nur für den 335i erhältliche Sechsstufen-Automatik (2160 Euro) von ZF. Sie wechselt die Gänge so blitzschnell, dass selbst Handschalter-Traditionalisten nichts vermissen werden. Dieser BMW verschmelzt Sportwagen-Tugenden mit den Vorzügen eines hochwertigen Klappdach-Cabrios.

Technische Daten, Ausstattungen, Preise

Dem Stoffverdeck-Vorgänger dürfte keiner nachtrauern. Oder doch? BMWs bayerischer Rivale Audi wirft seine textile Oberbekleidung noch nicht in die Altkleidersammlung. Im Gegenteil: "Auch das künftige A3 Cabrio bekommt ein Stoffdach. Unsere Verdecke vermitteln nicht einmal bei hohem Tempo das Gefühl, ein Cabrio zu fahren", sagt Audi-Chef Rupert Stadler. Da hat er recht, besonders wenn das A4 Cabrio mit dem Akustikverdeck (255 Euro) ausgerüstet ist. Die mehrlagige Konstruktion filtert Störgeräusche weg, der A4 ist subjektiv fast so leise wie die Klappdach-Cabrios. Beim Strippen ist er schnell und flexibler als der Rest. Nach 21 Sekunden sitzt sein Fahrer an der Sonne und muss an der Ampel nicht warten, bis die Hülle gefallen ist. Als Einziger in diesem Quartett öffnet und schließt der A4 sein Verdeck bis 30 km/h.

Das Stoffverdeck des A4 signalisiert Exklusivität

Und noch etwas bewirkt die Stoffmütze: Sie weist den Fahrer auch im geschlossenen Zustand auf den ersten Blick als Cabrio-Fan aus und wirkt damit exklusiver als das Klappdach. Schließlich möchte so mancher Besitzer seiner Umwelt mitteilen, dass er frische Luft mag – und dafür auch mehr bezahlt hat. Darüber hinaus erlaubt sich Audi den Luxus eines eigenen Sechszylinders. Statt des VR-Triebwerks aus dem Eos verbauen die Ingolstädter lieber ihren eigenen Direkteinspritzer und übertreffen die hausinterne Konkurrenz knapp in PS und Drehmoment. Trotzdem liegen sie beim Beschleunigen fast gleichauf. Aber: Der A4 schluckt einen knappen Liter mehr.

Bemerkbarer macht sich da schon das stufenlose Audi-Getriebe. Die für den Fronttriebler aufpreisfreie Multitronic schaltet komfortorientierter. Der A4 wirkt weniger aggressiv. Speziell im Vergleich mit dem BMW fehlt ihm die Direktheit beim Kraftschluss. Hektisches Spurten, scharfes Einlenken, hartes Bremsen – all das beherrscht der A4 weniger gut. Vor allem der schlechte Bremsweg von nahezu 40 Meter aus 100 km/h ist alles andere als Premium. Dafür glänzt der Audi bei geöffnetem Verdeck mit dem größten Gepäckraum und der mit Abstand höchsten Zuladung. Noch mehr Nutzwert bietet der Volvo. Zumindest bei geschlossenem Verdeck. Mit 404 Litern erreicht er die Gepäckraum-Dimensionen einer Limousine. Öffnet sich das riesige Dach – was rund zehn Sekunden länger dauert als beim Audi –, schrumpft das Stauvolumen auf nur 200 Liter. Gut: Im Kofferraum gibt es eine Taste, durch die das Dachpaket elektrisch anhebt und einen Spalt zum Be- und Entladen frei macht.

Beim Antrieb ist der C70 T5 mit seinem quer eingebauten Turbo-Fünfzylinder im Nachteil. Vom BMW trennen ihn sogar 86 PS, und für den Vergleich stand nur ein Testwagen mit Schaltgetriebe zur Verfügung. Kein Wunder, dass Volvo nachlegt. Im Sommer bekommt der C70 T5 zehn PS mehr. In diesem Quartett spielt er den gelassenen Gleiter. Seine Fahrgeräusche sind angenehm niedrig. Nur beim starken Beschleunigen dringt der kernige Reihenmotor durch. Schade, dass sein entspannender Habitus auf schlechten Straßen verloren geht. Hier wirkt er stuckerig. Dazu ist die Karosserie zu weich. Bei geöffnetem Verdeck sind Schwingungen und ein zittriger Dachholm spürbar. Ganz anders der VW Eos: Er präsentiert sich verwindungssteif und ist rund 17 Zentimeter kürzer als der Volvo. Das geht zu Lasten des Kofferraums, 183 Liter bei offenem Verdeck lassen nur Platz für zwei Mini-Taschen. Ansonsten gibt sich der VW mit dem Zauberdach inklusive Schiebedach keine Blöße.

Kein anderer öffnet sein Blechverdeck aufwendiger ins Heck. Der Eos V6 ist ein stimmiges Cabrio mit einem leichten Ansatz zum Fettsteiß – besonders wenn er direkt neben dem BMW parkt. Sein quer eingebauter V6 bietet Fahrleistungen auf Audi-Niveau. Er bremst aber besser und glänzt mit dem Direktschaltgetriebe (Serie), das jeden Gangwechsel – ob automatisch oder manuell – zur Freude macht. Außerdem sind es die kleinen Nettigkeiten, die ihn begehrenswert machen. So merkt sich beispielsweise die Klimaautomatik die Einstellungen bei offenem und geschlossenem Dach und regelt automatisch die gewünschte Temperatur ein. Das kann der Audi auch, der erheblich teurere BMW aber nicht. VW bietet also viel Cabrio fürs Geld. Der Eos-Preisvorteil ist so groß, dass er alle Nachteile überkompensiert und klar gewinnt. Gegenpol ist der Volvo: Für 42.270 Euro gibt es zwar ein schönes, doch vom Fahrerlebnis her wenig dynamisches Klappdach-Cabriolet. Und der BMW? Der steht oben. Wenn es um Fahrspaß geht, und Geld überhaupt keine Rolle spielt.

Fazit und Bewertung

Klappdach nicht ganz dicht? Beim Cabrio-Vergleich zwischen Eos, Astra und Focus ließ uns der Ford im Regen stehen – trotz geschlossenen Verdecks. Leider kein Einzelfall. Es tropft auch im Eos. Leser Oliver Möbius musste schon fünfmal in die Werkstatt. Doch auch Premiumhersteller sind vor undichten Stellen nicht sicher. Der SLK von Daniel Klauck bringt es mittlerweile auf drei Reparaturversuche – Ende offen. Beim Peugeot 206+ CC stellt sich das Problem anders dar. Das Dach hält zwar dicht, nur verweigert es mitunter komplett den Dienst. Was vor allem bei geöffnetem Dach und einsetzendem Regen mindestens genauso nervig ist.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan

Zugegeben: Zwischen 335i Cabrio und Eos liegen Welten. Nicht nur bei PS-Zahl und Preis. Und dennoch ist dieser Vergleich realistisch: Denn wie der BMW hat auch der VW einen Sechszylinder und empfiehlt sich für manchen Cabrio-Käufer als preiswerte Alternative. Dass er im Club der viersitzigen Oben-Ohne-Elite nicht nur mithalten kann, sondern diesen Vergleich sogar gewinnt, liegt an seinen relativ niedrigen Kosten sowie seinem hohen Fahrspaß-Potenzial. Im Antriebskapitel kann er sogar seinen vornehmen Bruder Audi überholen. Natürlich hat auch der Volvo seine Fans. Die entspannte Ausstrahlung des C70 T5 kann keiner kontern. Wessen Gefühl Ja zum Schweden sagt, der wird mit dem Volvo glücklich.

Autor: Jörg Maltzan

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