Drei Kraftzwerge im Vergleich

Opel Meriva OPC – Mitsubishi Colt CZT – VW Polo GTI Opel Meriva OPC – Mitsubishi Colt CZT – VW Polo GTI

Vergleichstest: Drei Kraftzwerge

— 23.06.2006

Trio Minimal

Klein, aber oho: Zwischen 150 und 180 Turbo-PS bringen Mitsubishi Colt CZT, Opel Meriva OPC und VW Polo GTI auf den Asphalt. Das reicht für mehr als den Sprint zur nächsten Parklücke.

Ausstattungen und Preise

Ende der 80er Jahre sorgte eine kleine, aber genußfreudige Gesellschaft automobiler Enthusiasten in ihren Peugeot 205 GTi und Fiat Uno Turbo für traumatische Erlebnisse auf deutschen Autobahnen. Manch ein Besitzer eines BMW, Mercedes oder Jaguar kam damals verstört nach Hause und berichtete, wie er auf der linken Spur belästigt, fast schon von ihr vertrieben wurde. Noch schlimmer als die Tatsache an sich waren die Störenfriede: kaum größer als der Kofferraum einer S-Klasse, leicht und verdammt schnell. Und jetzt die gute Nachricht: Es gibt sie noch, die kleinen Parklücken-Rambos – und es werden sogar mehr.

Okay, sie sind zwar etwas schwerer als damals, aber dafür auch 30 bis 50 PS stärker. Für unseren Vergleich haben wir drei Turbo-Minis geladen. Mit Opel Meriva OPC und VW Polo GTI sind zwei brandneue Modelle am Start. Dritter im Bunde ist der seit einem Jahr erhältliche Mitsubishi Colt CZT. Das Motorkonzept ist bei allen gleich: vier Zylinder, wenig Hubraum – und Leistung durch Ladedruck. Am meisten davon bietet der jüngste Sproß der Rüsselsheimer Leistungssportabteilung OPC. Unter der Meriva-Haube wohnt ein druckvoller 1,6-Liter-Turbomotor mit 180 PS und 230 Newtonmeter Drehmoment. Wer mit Höchstgeschwindigkeit über die linke Spur fegt, blickt beim Vorbeifahren reihenweise in verdutzte Gesichter.

Nur der Tankwart freut sich und ist kaum überrascht. Wie bei allen OPC-Modellen ist der Durst beachtlich. Unter Vollast rauschen bis zu 17 Liter Super plus durch die Brennräume. Das schmerzt, wird nur dank Fahrspaß erträglicher: Mit straffem Fahrwerk und direkter Lenkung mausert sich der kleine Van zum Kurvenräuber. Nur auf Seitenwind reagiert der Kraftknirps wegen des hohen Aufbaus und der schmalen Spur bisweilen empfindlich. Das Outfit paßt problemlos in jede Boxengasse: Frontschürze, Seitenschweller, Trapezendrohr und 17-Zöller zeugen von gesundem Selbstbewußtsein. Sportlich präsentiert sich auch das Cockpit mit blauen Zifferblättern, griffigem Lenkrad und perfekt geformten Stoff-Leder-Recaros.

Fahrleistungen und Verbrauch

Eher wie der berüchtigte Wolf im Schafspelz tritt der Colt CZT an. Lediglich Leichtmetallräder und Dachspoiler verraten die verschärfte 150-PS-Turboversion – für die einen mag das genau die richtige Dosis Understatement sein, der Rest wird enttäuscht. Ziemlich dürftig geriet auch der Innenraum: Die babyblauen Plastikschalter und Knöpfe aus dem 9990-Euro-Einstiegsmodell wirken im knapp doppelt so teuren Topmodell deplaziert. Beim dürren, hakelig zu bedienenden Plastikschaltknüppel denkt man, jeder Schaltvorgang könnte der letzte sein – und die Sportsitze geben auch nicht den Seitenhalt, den sie auf den ersten Blick versprechen.

Einziger Vorteil der Magerausstattung: Gewichtsersparnis. Mit 1135 Kilo hebt sich der kleine Japaner positiv von der Konkurrenz ab. Das macht sich im Antritt bemerkbar, bei dem der Colt mit 7,7 Sekunden von null auf 100 der Konkurrenz die Rücklichter zeigt. Dafür geht dem 1,5-Liter-Turbo weiter oben die Puste aus: Als einziger kommt er auf der zwei Kilometer langen Testgeraden nicht auf Tempo 200. Auch die Abstimmung geriet nicht optimal: Das Fahrwerk ist unterdämpft, in Schikanen tendiert der Colt zum Aufschaukeln – und der extrem schwergängigen Lenkung fehlt es an Rückstellmoment.

Wie ein zu heiß gewaschener Golf GTI fährt der 150 PS starke Power-Polo vor. Egal ob Karositze, roter Zierstreifen im Grill oder markante Aluräder – die Anleihen beim großen Bruder sind unverkennbar. In einem Punkt übertrifft er sein Vorbild gar – innen röhrt der Kleine noch einen Tick kerniger. Der Grund: eine Verbindungsleitung vom Saugrohr zur Motordämmwand, die über einen Resonator das Ansauggeräusch in die Karosserie überträgt. Zum Einsatz kommt im Polo übrigens nicht der neue Direkteinspritzer, sondern der alte (aber bewährte) 1,8-Liter-Turbo aus dem VW/Audi-Regal. Tuningfans dürfen sich freuen, Luft für Leistungssteigerungen bietet das drehfreudige Aggregat bekanntermaßen reichlich.

Technische Daten und Fazit

Im Vergleich zum seidigen OPC-Turbo fühlt sich das VW-Kraftwerk allerdings spürbar rauher an. Wer über mehr PS nachdenkt, sollte auf jeden Fall die teigige Bremse auswechseln, die bereits nach wenigen Runden im Renntempo überfordert war. Auch die Lenkung könnte besser sein: wenig Rückmeldung und ein zu hoher Widerstand um die Mittellage – schade, daß der Polo nicht die phantastische Lenkung vom großen Bruder Golf GTI geerbt hat. Trotzdem schneidet er mit seinem straffen Fahrwerk und minimalem Untersteuern in der Motorsport-Arena Oschersleben mit 1:57.27 Minuten am besten ab.

Nicht zuletzt auch, weil er als einziger im Test über ein abschaltbares ESP verfügt und dadurch auf der Rennstrecke wertvolle Sekunden gegenüber den Konkurrenten herausfährt. Beim Preis liegen Polo GTI (18.950 Euro) und Colt CZT (18.490 Euro) nahezu gleichauf, wobei der Mitsubishi als einziger eine Klimaautomatik serienmäßig an Bord hat. Der Opel kostet mit 23.000 Euro zwar deutlich mehr, taugt dafür aber auch als flotte Familienkutsche und beinhaltet eine Vollausstattung im wahrsten Wortsinn.

Bleibt noch die Frage am Ende: Taugen die kleinen Rabauken noch immer zum Autobahnschreck? Ganz ehrlich: Sicher nicht für großkalibrige Limousinen von Mercedes, BMW oder Jaguar. Alle anderen aber sollten künftig lieber mal häufiger in den Rückspiegel schauen ...

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Ingo Roersch: Der Polo GTI überzeugt: drehfreudiger Motor, toller Sound, agiles Fahrwerk und klasse Verarbeitung – nur die gefühllose Lenkung verhindert die Vergabe der Bestnote. Ähnliches Bild beim Meriva OPC: bärenstarker Motor, pfiffige Optik, vorbildlicher Innenraum, direkte Lenkung – hier dämpft allerdings der deftige Verbrauch die Euphorie. Der Colt kann trotz des besten Leistungsgewichts nicht mithalten: schwammiges Fahrwerk, träge Lenkung und zuviel billiges Plastik.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für VW Polo GTI, Opel Meriva OPC und Mitsubishi Colt CZT. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Ingo Roersch

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