Diesel-Dreikampf Mercedes, Audi, BMW

Vergleichstest Mercedes E-Klasse

— 24.07.2006

Ist das E jetzt wieder Spitze?

Ab sofort heit es bei den Mercedes-Hndlern: "Spot an" fr die berarbeitete E-Klasse. Sie soll das dunkle Kapitel sinkender Verkaufszahlen wieder schlieen. Sofern Audi A6 und BMW 5er den Stern nicht berstrahlen ...

"Sehen Sie die E-Klasse in neuem Licht". Mercedes rhrt mit diesem Spruch die Werbetrommel fr die neue Oberklasse. Und pointiert dabei das Highlight im wahrsten Sinne des Wortes: Intelligente Xenon-Lampen fr Abblend- und Fernlicht sollen per Schwenk- und Hebelinsen die Fahrbahn effektiver ausleuchten, den Nebel lichten, dstere Kurven rntgen. Ach ja, und wenn es nach den Stuttgartern geht, nebenbei auch gleich die Konkurrenz von Audi und BMW in den Schatten stellen. Ob das klappt? Selbst wenn A6 und 5er zumindest die Frontbeleuchtung betreffend eher im Dunkeln tappen, die beiden Oberklasse-Typen aus Bayern kamen in letzter Zeit auch ohne Superlampen bestens beim Kunden an. Auerdem gibt es die schlauen Scheinwerfer des Mercedes ohnehin nicht gratis, sondern nur gegen saftigen Aufpreis. Da wir uns aber ohnehin nicht von ein paar Scheinwerfern blenden lassen, haben wir die drei deutschen Limousinen zum ersten Vergleich gebeten.

Die Theorie: Fr 39.092 Euro gibt es bei Mercedes die E-Klasse, als beliebten 220 CDI, jetzt mit 170 PS statt bisher 150 PS. Wer auf den serienmigen Rufilter verzichten mag, zahlt dafr 580 Euro weniger, darf sich spter ber einen schlechteren Wiederverkaufswert aber bitte nicht beklagen. Bei Audi sollte man mindestens den Sechszylinder A6 2.7 TDI whlen, um der E-Klasse Paroli bieten zu knnen. Dann kann man mit 180 PS kontern und liegt sogar 1200 Euro unter dem Preisniveau des Mercedes. Bei Audi gibt es keine filterlose Rauch-Version vom A6 mehr. Seit Mai 2006 fahren bei Audi alle TDI mit serienmigem Partikel-Killer.

Bei BMW ist der Basis-Motor des 5er erste Wahl. Ein von Ausgleichswellen beruhigter Sahne-Vierzylinder mit 163 PS. Er kostet samt Serien-Filter im 520d ab 35.900 Euro und somit satte 4100 Euro weniger als der nur geringfgig strkere und kaum laufruhigere groe Bruder 525d mit Reihensechszylinder. Soweit die Grundpreise, die wir allerdings noch etwas aufhellen wollen. Denn speziell im Sicherheitsbereich mten Audi- und BMW-Kunden ordentlich nachlegen, um an das hohe Schutzniveau der E-Klasse heranzukommen. So liefert BMW aktive Kopfsttzen nur in Verbindung mit den 1950 Euro teuren Komfortsitzen. Audi bestckt den A6 zudem nur gegen Aufpreis von 500 Euro mit einer Reifendruck-Kontrolle. Das oben erwhnte intelligente Licht der E-Klasse oder deren Pre-Safe-Funktionen bieten 5er und A6 berhaupt nicht.

Auch das adaptive Flacker-Bremslicht des Mercedes kann allenfalls BMW mit einer Zweistufen-Funktion der Heckleuchten ausgleichen. Was liefert Audi? Immerhin als einziger auch in der Schaltgetriebeversion den radargesttzten Abstands-Temporegler (1980 Euro Aufpreis). Den geldwerten Vorteil einer Mehrzonen-Klimaautomatik des A6 kompensieren BMW und Mercedes dagegen mit einer teilelektrischen Sitzverstellung. Egal ob per E-Motor oder Handrad justiert: Hervorragende Sitze mit entsprechendem Komfort bieten alle drei. Im BMW geht es minimal hrter zu, der Audi glnzt mit gutem Seitenhalt der Vordersitze, die E-Klasse verwhnt mit langstreckentauglicher Polsterung auf allen Pltzen.

Technische Daten und Fahrleistungen

Etwas grer werden die Unterschiede beim Fahrkomfort. Der Audi federt ertrglich stramm, luft insgesamt durch Wind- und Reifeneinflsse etwas lauter als BMW und Mercedes. Beim 5er ist es genau umgekehrt: Das sehr niedrige Geruschniveau steht einer noch sportlicher definierten Fahrwerkeinstellung gegenber, die speziell auf langsam gefahrenem Kopfsteinpflaster etwas rauh arbeitet. Mercedes setzt trotz neuer Fahrwerk- und Lenkungsabstimmung immer noch voll auf Komfort und das ist gut so. Leise, sanft, gediegen schnrt der E 220 CDI ber die Straen und rundet das Wohlfhl-Klima mit tadelloser Funktionalitt im Cockpit und bester Rundumsicht ab. Damit besttigt sich gleichzeitig der Eindruck vom lssigsten Gleiter unter den drei Kandidaten.

Denn auch die gefhlsrmere Lenkung (geschwindigkeitsabhngiges Parametersystem, 226 Euro Aufpreis), die typisch knorpelige Mercedes-Schaltung oder ein ngstlich frh und besonders rigoros regelndes Anti-Schleuder-System ESP stehen dem ganz groen Fahrspa im Weg. BMW macht im Gegenzug vor, da auch eine Diesellimousine dynamische Qualitten zeigen kann. Die exakte und direkte Lenkung, wenig Karosserieneigung, leichtfiges Einlenken und verbindlicher Straenkontakt animieren den Fahrer, mal ein bichen mehr auf den Pinsel zu treten. Im Audi fallen bereits in der ersten schnellen Kurve zwei Nachteile auf: Ein von Turbodieselkraft gequlter Frontantrieb mit Traktionsproblemen auf Nsse und der schwer auf den Vorderwagen drckende V6 rauben Dynamik. Allenfalls der sorgfltige Eingriff der elektronischen Anti-Schleuderhilfe ESP bewahrt den kopflastigen und aufbrausenden Audi vor allzu heftigem Untersteuern. Was der A6 in Kurven verschenkt, holt er auf Geraden locker wieder heraus. Mit seinen Sprint- und Durchzugsqualitten stellt er Mercedes und BMW in den Schatten. Hubraumstark, drehmomentgewaltig und vibrationsarm so definiert man bei Audi die groen TDI.

Fazit und Bewertung

Da dieser brige Motor auch auf das schwerste Auto im Feld trifft (115 kg ber Mercedes, 160 kg ber BMW), beschert ihm dabei nicht einmal den schlechtesten Verbrauch. Mit sieben Litern liegt der A6 nur minimal ber dem Mini-Durst des E 220 CDI (6,8 Liter Diesel auf 100 km) und sogar unter dem Wert des schwcheren 520d. Aber auch wenn der Mercedes etwas langsamer ist die Art, wie er seine Leistung abgibt, berzeugt. Hier kann der sanft anschiebende Vierzylinder mit dem Audi-V6 gleichziehen. Er wirkt unter Last sogar weniger angestrengt, auch weil er besser gedmmt ist.

Im BMW wird der typische Turbo-Dimmer sprbar. Unter 2000 Touren regt sich der Diesel kaum, dafr zeigt er sich darber um so durchtrainierter und ausreichend bissig. Immerhin, die gute Fhrung der 5er-Schaltung erleichtert die hufiger anliegenden Gangwechsel wo Licht ist, gibt's auch Schatten. Das gilt ebenso fr die Qualitt. Da treffen im Audi perfektes Innenraum-Finish und ungleiche Kofferraum-Haubenfugen aufeinander. BMW rgert mit mig verarbeitetem Klarlack, vershnt gleichzeitig mit edlem Cockpit-Material. Und Mercedes trbt das solide wirkende Gesamtbild der E-Klasse mit einem nicht ganz perfekt eingepaten Armaturentrger. Etwas zu pingelig? Mag sein aber bei Licht betrachtet mehr als rgerlich fr Autos dieser (Preis-)Klasse.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

Sie hat es nicht geschafft. Die neue E-Klasse kann nur den 5er schlagen, nicht aber den A6. Und das aus einem einfachen Grund: Die Bremse enttuscht. Dieses Manko kann der ansonsten berzeugende E 220 CDI nicht ausgleichen. Und das auch deshalb, weil die Innovationen wie "intelligentes Licht" hier nicht bewertet werden schlielich kosten sie saftig Aufpreis. Der Audi profitiert von seinem krftigen Motor, der BMW ist ein ausgewogenes und relativ preiswertes Angebot mit leider miesen Garantien.

Autor: Jan Horn

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