Diesel-Dreikampf Mercedes, Audi, BMW

BMW 520d – Audi A6 2.7 TDI – Mercedes-Benz E 220 CDI BMW 520d – Audi A6 2.7 TDI – Mercedes-Benz E 220 CDI

Vergleichstest Mercedes E-Klasse

— 24.07.2006

Ist das E jetzt wieder Spitze?

Ab sofort heißt es bei den Mercedes-Händlern: "Spot an" für die überarbeitete E-Klasse. Sie soll das dunkle Kapitel sinkender Verkaufszahlen wieder schließen. Sofern Audi A6 und BMW 5er den Stern nicht überstrahlen ...

"Sehen Sie die E-Klasse in neuem Licht". Mercedes rührt mit diesem Spruch die Werbetrommel für die neue Oberklasse. Und pointiert dabei das Highlight im wahrsten Sinne des Wortes: Intelligente Xenon-Lampen für Abblend- und Fernlicht sollen per Schwenk- und Hebelinsen die Fahrbahn effektiver ausleuchten, den Nebel lichten, düstere Kurven röntgen. Ach ja, und wenn es nach den Stuttgartern geht, nebenbei auch gleich die Konkurrenz von Audi und BMW in den Schatten stellen. Ob das klappt? Selbst wenn A6 und 5er – zumindest die Frontbeleuchtung betreffend – eher im Dunkeln tappen, die beiden Oberklasse-Typen aus Bayern kamen in letzter Zeit auch ohne Superlampen bestens beim Kunden an. Außerdem gibt es die schlauen Scheinwerfer des Mercedes ohnehin nicht gratis, sondern nur gegen saftigen Aufpreis. Da wir uns aber ohnehin nicht von ein paar Scheinwerfern blenden lassen, haben wir die drei deutschen Limousinen zum ersten Vergleich gebeten.

Die Theorie: Für 39.092 Euro gibt es bei Mercedes die E-Klasse, als beliebten 220 CDI, jetzt mit 170 PS statt bisher 150 PS. Wer auf den serienmäßigen Rußfilter verzichten mag, zahlt dafür 580 Euro weniger, darf sich später über einen schlechteren Wiederverkaufswert aber bitte nicht beklagen. Bei Audi sollte man mindestens den Sechszylinder A6 2.7 TDI wählen, um der E-Klasse Paroli bieten zu können. Dann kann man mit 180 PS kontern – und liegt sogar 1200 Euro unter dem Preisniveau des Mercedes. Bei Audi gibt es keine filterlose Rauch-Version vom A6 mehr. Seit Mai 2006 fahren bei Audi alle TDI mit serienmäßigem Partikel-Killer.

Bei BMW ist der Basis-Motor des 5er erste Wahl. Ein von Ausgleichswellen beruhigter Sahne-Vierzylinder mit 163 PS. Er kostet samt Serien-Filter im 520d ab 35.900 Euro – und somit satte 4100 Euro weniger als der nur geringfügig stärkere und kaum laufruhigere große Bruder 525d mit Reihensechszylinder. Soweit die Grundpreise, die wir allerdings noch etwas aufhellen wollen. Denn speziell im Sicherheitsbereich müßten Audi- und BMW-Kunden ordentlich nachlegen, um an das hohe Schutzniveau der E-Klasse heranzukommen. So liefert BMW aktive Kopfstützen nur in Verbindung mit den 1950 Euro teuren Komfortsitzen. Audi bestückt den A6 zudem nur gegen Aufpreis von 500 Euro mit einer Reifendruck-Kontrolle. Das oben erwähnte intelligente Licht der E-Klasse oder deren Pre-Safe-Funktionen bieten 5er und A6 überhaupt nicht.

Auch das adaptive Flacker-Bremslicht des Mercedes kann allenfalls BMW mit einer Zweistufen-Funktion der Heckleuchten ausgleichen. Was liefert Audi? Immerhin als einziger auch in der Schaltgetriebeversion den radargestützten Abstands-Temporegler (1980 Euro Aufpreis). Den geldwerten Vorteil einer Mehrzonen-Klimaautomatik des A6 kompensieren BMW und Mercedes dagegen mit einer teilelektrischen Sitzverstellung. Egal ob per E-Motor oder Handrad justiert: Hervorragende Sitze mit entsprechendem Komfort bieten alle drei. Im BMW geht es minimal härter zu, der Audi glänzt mit gutem Seitenhalt der Vordersitze, die E-Klasse verwöhnt mit langstreckentauglicher Polsterung auf allen Plätzen.

Technische Daten und Fahrleistungen

Etwas größer werden die Unterschiede beim Fahrkomfort. Der Audi federt erträglich stramm, läuft insgesamt durch Wind- und Reifeneinflüsse etwas lauter als BMW und Mercedes. Beim 5er ist es genau umgekehrt: Das sehr niedrige Geräuschniveau steht einer noch sportlicher definierten Fahrwerkeinstellung gegenüber, die speziell auf langsam gefahrenem Kopfsteinpflaster etwas rauh arbeitet. Mercedes setzt trotz neuer Fahrwerk- und Lenkungsabstimmung immer noch voll auf Komfort – und das ist gut so. Leise, sanft, gediegen schnürt der E 220 CDI über die Straßen – und rundet das Wohlfühl-Klima mit tadelloser Funktionalität im Cockpit und bester Rundumsicht ab. Damit bestätigt sich gleichzeitig der Eindruck vom lässigsten Gleiter unter den drei Kandidaten.

Denn auch die gefühlsärmere Lenkung (geschwindigkeitsabhängiges Parametersystem, 226 Euro Aufpreis), die typisch knorpelige Mercedes-Schaltung oder ein ängstlich früh und besonders rigoros regelndes Anti-Schleuder-System ESP stehen dem ganz großen Fahrspaß im Weg. BMW macht im Gegenzug vor, daß auch eine Diesellimousine dynamische Qualitäten zeigen kann. Die exakte und direkte Lenkung, wenig Karosserieneigung, leichtfüßiges Einlenken und verbindlicher Straßenkontakt animieren den Fahrer, mal ein bißchen mehr auf den Pinsel zu treten. Im Audi fallen bereits in der ersten schnellen Kurve zwei Nachteile auf: Ein von Turbodieselkraft gequälter Frontantrieb mit Traktionsproblemen auf Nässe und der schwer auf den Vorderwagen drückende V6 rauben Dynamik. Allenfalls der sorgfältige Eingriff der elektronischen Anti-Schleuderhilfe ESP bewahrt den kopflastigen und aufbrausenden Audi vor allzu heftigem Untersteuern. Was der A6 in Kurven verschenkt, holt er auf Geraden locker wieder heraus. Mit seinen Sprint- und Durchzugsqualitäten stellt er Mercedes und BMW in den Schatten. Hubraumstark, drehmomentgewaltig und vibrationsarm – so definiert man bei Audi die großen TDI.

Fazit und Bewertung

Daß dieser bärige Motor auch auf das schwerste Auto im Feld trifft (115 kg über Mercedes, 160 kg über BMW), beschert ihm dabei nicht einmal den schlechtesten Verbrauch. Mit sieben Litern liegt der A6 nur minimal über dem Mini-Durst des E 220 CDI (6,8 Liter Diesel auf 100 km) und sogar unter dem Wert des schwächeren 520d. Aber auch wenn der Mercedes etwas langsamer ist – die Art, wie er seine Leistung abgibt, überzeugt. Hier kann der sanft anschiebende Vierzylinder mit dem Audi-V6 gleichziehen. Er wirkt unter Last sogar weniger angestrengt, auch weil er besser gedämmt ist.

Im BMW wird der typische Turbo-Dimmer spürbar. Unter 2000 Touren regt sich der Diesel kaum, dafür zeigt er sich darüber um so durchtrainierter und ausreichend bissig. Immerhin, die gute Führung der 5er-Schaltung erleichtert die häufiger anliegenden Gangwechsel – wo Licht ist, gibt's auch Schatten. Das gilt ebenso für die Qualität. Da treffen im Audi perfektes Innenraum-Finish und ungleiche Kofferraum-Haubenfugen aufeinander. BMW ärgert mit mäßig verarbeitetem Klarlack, versöhnt gleichzeitig mit edlem Cockpit-Material. Und Mercedes trübt das solide wirkende Gesamtbild der E-Klasse mit einem nicht ganz perfekt eingepaßten Armaturenträger. Etwas zu pingelig? Mag sein – aber bei Licht betrachtet mehr als ärgerlich für Autos dieser (Preis-)Klasse.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

Sie hat es nicht geschafft. Die neue E-Klasse kann nur den 5er schlagen, nicht aber den A6. Und das aus einem einfachen Grund: Die Bremse enttäuscht. Dieses Manko kann der ansonsten überzeugende E 220 CDI nicht ausgleichen. Und das auch deshalb, weil die Innovationen wie "intelligentes Licht" hier nicht bewertet werden – schließlich kosten sie saftig Aufpreis. Der Audi profitiert von seinem kräftigen Motor, der BMW ist ein ausgewogenes und relativ preiswertes Angebot – mit leider miesen Garantien.

Autor: Jan Horn

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