Verhandlungen bei Volkswagen

Verhandlungen bei Volkswagen

— 13.06.2006

Und wieder 35 Stunden

Volkswagen will zur 35-Stunden-Woche zurückkehren. Die IG Metall lehnt den Vorschlag zur Mehrarbeit ohne Lohnausgleich ab.

Volkswagen will ohne Lohnausgleich zur 35-Stunden-Woche zurückkehren. Die Gewerkschaft IG Metall lehnte die Forderung von Arbeitsdirektor Horst Neumann in einem Sondierungsgespräch ab. Derzeit gilt bei VW in den sechs westdeutschen Werken überwiegend eine Vier-Tage-Woche mit 28,8 Stunden. Neumann deutete auch ein Festhalten an dem geplanten Personalabbau und Einschnitte in der Komponentenfertigung an.

Die Konzernspitze legte nach monatelangen Spekulationen über die geplante Sanierung der ertragsschwachen Marke VW erstmals die Karten auf den Tisch. IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine sagte, eine Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich sei nicht akzeptabel. Es gebe zudem vielfach nicht einmal genügend Arbeit für 28,8 Stunden. "Das paßt hinten und vorne nicht zusammen."

Beide Seiten wollen weiter miteinander beraten und haben ein zweites Sondierungsgespräch vereinbart. Allerdings gibt es noch keinen Termin dafür. Meine sagte, es solle möglichst noch vor der Sommerpause stattfinden. Tarifverhandlungen gebe es derzeit aber nicht, betonte er. Es gebe einen ungekündigten Tarifvertrag und keinen Grund, daran etwas zu ändern. Bei VW gilt der Zukunftstarifvertrag von November 2004, in dem VW der Gewerkschaft eine Beschäftigungsgarantie für die über 100.000 Arbeitnehmer in den westdeutschen Werken bis 2011 zusicherte. Er steht aber unter der Voraussetzung der Wirtschaftlichkeit und kann auch gekündigt werden.

Neumann betonte, VW wolle den Vertrag nicht kündigen, aber es werde "sehr schwer", die Zahl von 100.000 zu halten. Beide Seiten seien sich einig gewesen, daß die Situation bei VW "sehr ernst ist". VW habe der Gewerkschaft ein dreistufiges Modell vorgelegt, sagte Neumann. Es betreffe Produktivität, Arbeitskosten und Auslastung. In allen drei Bereichen müsse VW wettbewerbsfähiger werden.

Neumann ließ durchblicken, daß auch nicht alle Teile der Komponentenfertigung erhalten bleiben könnten. Dazu sagte er aber nichts Konkretes. "Der ganze Vorstand kämpft dafür, daß möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben", versicherte Neumann. Auch die Golf-Produktion solle in Wolfsburg bleiben. Dazu müßten aber Produktivität und Qualität verbessert werden und "mehr Schwung" in die Werke kommen. Meines Einwand, daß es nicht genügend Arbeit für eine Verlängerung der Arbeitszeit gebe, begegnete er mit dem Hinweis auf die geplante Produktoffensive.

Einen Weg für die Rückkehr zur 35-Stunden-Woche müsse man aber noch erarbeiten, sagte Neumann. Er könne sehr unterschiedlich aussehen. Noch sei nichts festgelegt.

Mit zahlreichen neuen Modellen, massiven Kosteneinsparungen und Personalabbau will VW die ertragsschwache Kernmarke sanieren. VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte dazu bereits im Februar 2006 tiefgreifende Maßnahmen angekündigt, die 20.000 Jobs betreffen könnten. Anfang Mai hatte der Wolfsburger Autobauer die IG Metall zu Gesprächen aufgefordert. Der Streit dürfte jetzt in die heiße Phase gehen. Markenvorstand Wolfgang Bernhard will bis zum Jahresende Ergebnisse haben.

Die Gewerkschaft fordert ein umfassendes Gesamtkonzept für die Restrukturierung und einen "fairen Ausgleich von Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung". Vor Zugeständnissen der Beschäftigten müßten außerdem zunächst Management-Fehler ausgeräumt werden. Die IG Metall verlangt deshalb auch Vorschläge zur Optimierung der Produkte und Prozeßabläufe.

Nach hohen Verlusten in den westdeutschen VW-Standorten in den vergangenen Jahren und einem Ergebnis der Marke 2005 nur knapp über der Null-Linie hat sie beim Absatz jetzt das Tal verlassen. In den ersten fünf Monaten 2006 stieg nach Konzernangaben die Zahl der ausgelieferten Autos um mehr als 15 Prozent auf 1,38 Millionen. VW- Vertriebschef Michael Kern beklagt jedoch einen anhaltend hohen Preis- und Margendruck.

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