Verkehrsforschung

Verkehrsforschung

— 15.08.2006

Mehr Sicherheit durch Gefahr

Das EU-Projekt "Shared Space" zeigt, dass Autofahrer, Radler und Fußgänger bestens miteinander auskommen – wenn keiner auf Rechte pocht.

Bürokratieabbau fängt am Straßenrand an: In Deutschland steht – rein statistisch gesehen – alle 28 Meter ein Verkehrszeichen. Zu viele, darüber herrscht im Prinzip Einigkeit unter Verkehrssicherheitsexperten, Wissenschaftlern und Politikern. "Wir müssen alles an Schildern einsammeln, was unnötig ist", sagte jetzt ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums der "Berliner Zeitung". "Ein Drittel aller Schilder ist überflüssig", ist sich Andreas Hölzel vom ADAC sicher.

Bohmte macht es vor: Die Kleinstadt bei Osnabrück (Niedersachsen) verwirklicht derzeit den ehrgeizigen Versuch, sich von überflüssiger Blech-Last zu befreien. Die Kommune mit 13.500 Einwohnern beteiligt sich am EU-Projekt "Shared Space" (geteilter Raum). Das beinhaltet die Aufhebung der Trennung zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autos – mit anderen Worten: Es geht um eine Straße für alle.

Was auf den ersten Blick lebensgefährlich klingt, entspringt einer schrägen, aber gründlich durchdachten Philosophie. Der niederländische Verkehrsplaner Hans Mondermann erklärt: "Man muss den Verkehr gefährlicher machen, damit er sicherer wird. Das ist unlogisch wie die menschliche Psyche, und prompt funktioniert es bestens." Monderman saugt sich diese Erkenntnis nicht aus den Fingern: In der holländischen Stadt Drachten wurden die wichtigsten Kreuzungen von Ampeln und Schildern befreit. Es gilt rechts vor links.

Was viele in chaotischem Durcheinander und tödlichen Unfällen enden sahen, verlief harmonisch: Der Verkehr wird entschleunigt, die Menschen können sich nicht mehr auf ihre Rechte berufen, sondern müssen Blickkontakt halten. Laut Monderman hat sich die Zahl der Unfälle mit anschließendem Krankenhausaufenthalt halbiert. Wie in der holländischen Provinz Friesland soll nun auch auch in Bohmte "Shared Space" pur eingeführt werden: Bordsteine werden abgeschafft, Straße und Gehweg befinden sich auf einer Ebene, Verkehrsschilder wandern auf den Schrottplatz. Nur farblich werden sich die Bereich voneinander abgrenzen: "Damit die Leute sich nicht mehr blind auf Verkehrszeichen verlassen, sondern mehr aufeinander achten", so Monderman.

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