Gigaliner

Verkehrsminister-Konferenz: Gigaliner-Test

— 07.10.2010

Entscheidung zu Gigalinern

Die Verkehrsminister haben ihr Urteil zum geplanten Testlauf mit Riesenlastern auf Bundesstraßen gefällt. Ergebnis: Acht Bundesländer sind gegen den Einsatz von Gigalinern.

(dpa) Im Verkehrsministerium hofft man, dass sich irgendwann auch das letzte Vorurteil gegen die 25-Meter-Lkw verflüchtigt. "Es werden keine Riesen-Lastwagen in einen Kreisverkehr einfahren und Geranien zerstören", sagt der Parlamentarische Staatssekretär Andreas Scheuer. Die extralangen Lastwagen sollen keineswegs über den Marktplatz einer Kleinstadt rauschen, sondern nur auf bestimmten Straßen fahren dürfen. Am 7. Oktober 2010 stimmten bei der Verkehrsministerkonferenz nahe Weimar dennoch acht Länder gegen bundesweite Feldversuche ab 2011. Hessen, Sachsen, Thüringen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg sind dafür, Sachsen-Anhalt enthielt sich. Das ist ein Fortschritt, 2007 waren noch 13 Länder dagegen.

Verkehrsminister Ramsauer will die Winterreifenpflicht einführen

Die Bundesregierung hat Abstriche bei der Größe der Lastwagen gemacht und setzt auf die Kraft der Argumente. Die Grünen meinen allerdings, dass der Bundesrat zustimmen muss. Im Koalitionsvertrag wollte die Bundesregierung noch 60-Tonner, nun sollen es 40-Tonner sein mit einer Länge von 25,25 Metern. Zwei Lastwagen könnten so die Fracht von drei herkömmlichen Lkw transportieren. Sie sind 6,5 Meter länger als die bisher in Deutschland zugelassenen Lastwagen. Erste vereinzelte Tests in einigen Bundesländern waren durchaus positiv, zudem erproben immer mehr EU-Länder die großen Trucks, sodass das Verkehrsministerium darauf dringt, sich der Herausforderung zu stellen. Und: Im Durchschnitt lässt sich mit Lang-Lkw bis zu 20 Prozent Kraftstoff einsparen. Besonders Mittelständler mit 25 bis 50 Lkw sollen interessiert sein, denn sie könnten beim Fuhrpark und Personal sparen.

Der Güterverkehr in Deutschland werde drastisch zunehmen, sagt Minister Peter Ramsauer (CSU). Die Länder, die nun mitmachen wollen, bilden immerhin 70 Prozent der Fläche ab. So können etwa Päckchen per Riesen-Lastwagen von Nürnberg nach Leipzig gefahren werden. Ramsauer betont, es werde mit ihm keine 60-Tonner geben, "und auch keine Strecken, die durch Städte oder schwieriges Gelände führen." Um auch noch einige der anderen Länder bis zum Start des Feldversuchs ins Boot zu holen, wurden nun Arbeitsgruppen eingerichtet. Sie sollen bis Dezember 2010 Ergebnisse liefern, damit 2011 der Feldversuch auf langen Strecken starten kann. Dabei geht es darum, welche Fähigkeiten die Fahrer mitbringen sollen, welche Strecken möglich sind und welche Vorgaben für die Fahrzeugtechnik und die Maße zu machen sind.

Ramsauer sieht in den langen Lkw eine Chance, das erwartete hohe Güteraufkommen in der Zukunft besser zu bewältigen. In Skandinavien rollen die superlangen Trucks schon über die Straßen. Aber in Deutschland gibt es weiter große Vorbehalte. Befürworter sehen in den Lkw ein gutes Mittel gegen drohenden Verkehrsinfarkt auf den Straßen und für umweltschonenderen Transport. Gegner befürchten Gefahren für die Sicherheit auf Deutschlands Straßen. MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen klagt, die bisherige Längenbegrenzung führe dazu, dass die Spediteure jeden Millimeter Ladefläche ausnutzen wollten. "Daher die Lkw-Kastenform." Um den Kraftstoffverbrauch deutlich zu senken und den CO2-Ausstoß zu verringern, seien aber vor allem Fahrzeuge mit einer besseren Aerodynamik erfolgversprechend.

"Der Güterverkehr wird langfristig deutlich wachsen – auf der Straße, Schiene und auf den Wasserstraßen", sagt ein Sprecher des Branchenverbands VDA. Im Fernverkehr auf Autobahnen zwischen logistischen Knotenpunkten könnten Lang-Lkw die Straßen entlasten. "Die vorhandene Verkehrsinfrastruktur kann so besser genutzt werden." Dies bedeute auch weniger Staus. ADAC-Verkehrssprecher Andreas Hölzel warnt dagegen, die Sicherheit müsse Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben. Mit ihren riesigen Abmessungen bräuchten die Fahrzeuge viel Platz – ein Problem vor allem im Kreisverkehr und beim Abbiegen. Eine weitere Gefahr sieht der ADAC beim Überholen. "Es dauert noch länger, einen Gigaliner zu überholen als einen normalen Lastwagen." Aus dem Verkehrsministerium wird aber zumindest ein weiteres Vorurteil zu entkräften versucht. So soll es für die Riesen-Lastwagen ein Überholverbot geben – nicht dass sie genervten Autofahrern plötzlich auch noch den Weg versperren.

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