Verkehrssicherheit

Verkehrssicherheit: Fahrverbot für Lkw?

Verkehrssicherheit

— 06.02.2007

Fahrverbot für Lkw?

Der jüngste Wintereinbruch hat es gezeigt: Wenn es heftig schneit, läuft auf deutschen Autobahnen nichts mehr. Grund: querstehende Laster. Sie zu bewegen, dauert Stunden.

Wie Spielzeugautos schlidderten die schweren Lastwagen den Albaufstieg wieder herunter, stellten sich quer und blockierten die Autobahn A8. Das Technische Hilfswerk brauchte Stunden, um die Quertreiber zu bergen. Räum- und Streufahrzeuge kamen nicht durch, vergangene Woche ging oft nicht mehr viel auf den Straßen Baden-Württembergs. Erboste Autofahrer riefen beim Radiosender SWR an und forderten bei Glatteis ein Fahrverbot für Lastwagen. Später stellte auch das "heute journal" des ZDF die Frage: Dürfen Lkw bei Glatteis noch auf die Autobahn?

Am selben Tag hatten die Regierungspräsidien Karlsruhe und Stuttgart ihre Autobahnen für Lastwagen gesperrt, die schwerer als 7,5 Tonnen sind – ganztägig. Allerdings galt das Pistenverbot nicht auf allen zugeschneiten süddeutschen Autobahnen. Im ebenfalls rutschigen Bayern durften Lastwagen fast überall weiter schliddern – und kamen meistens nicht weit. Bei Beratzhausen brach der Verkehr am Mittwochabend nach der Kollision von drei Lkw zusammen.

Wo aber dürfen Lastwagen noch rollen und wo nicht? Die Lage ist meist unübersichtlich. In Deutschland entscheiden bei schlechter Witterung Hunderte Landkreise und Bezirksregierungen über Fahrverbote. Häufige Folge: ein Flickenteppich verschiedener Regeln. Winfried Hermann, Verkehrsexperte der Grünen im Bundestag, fordert deshalb bei gleicher Witterung auch einheitliche Regeln: "Die Behörden müssen sich so verständigen, dass vergleichbare Fälle auch gleich behandelt werden – unbeschadet der Freiheit, in Einzelfällen abweichen zu können." Bei Eis und Schnee müssten sich alle Stellen für ein Lkw-Verbot entscheiden: "Wenn es so glatt ist, dass sich ein Lkw nicht auf der Straße halten kann, dann hat er da nichts verloren." Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) aber ist gegen ein generelles Lkw-Fahrverbot bei Eis und Schnee. "Man muss hier von Fall zu Fall entscheiden. In Deutschland und selbst innerhalb großer Bundesländer herrschen oft höchst unterschiedliche Wetterbedingungen. Starre Regelungen sind deshalb nicht angemessen."

Auch Baden-Württembergs Verkehrs-Staatssekretär Rudolf Köberle ist gegen Automatismen auf der Autobahn: "Ich kann mir nur bei ganz extremen Wetterlagen länderübergreifende Fahrverbote für Lkw vorstellen. Das heißt, wenn anders die Sicherheit und Ordnung auf unseren Straßen nicht wiederhergestellt werden kann", so der CDU-Mann. Die Lkw-Lobby verweist auf die Abhängigkeit der Wirtschaft von termingerechten Lieferungen. Adolf Zobel,stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Güterkraftverkehr: "Wenn ein Autowerk drei Stunden nicht beliefert wird, stehen die Bänder still." Was der Lastwagen-Freund nicht sagt: Das Gleiche passiert, wenn ein schwerer Sattelzug drei Stunden lang die Autobahn blockiert.

Autor: Claudius Maintz

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