Verkehrsstudie

Risikobereitschaft von Kindern im Straßenverkehr

Verkehrsstudie

— 10.11.2004

Spielend zum Raser?

Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts ergab: Wie man als Kind spielt, so fährt man später Auto.

Das Teufelchen verrät die Risikobereitschaft

Wehe, wenn der Spielteufel grinst – dann hat der Verkehrskasper nichts zu lachen! Eine Studie des Max-Planck-Instituts kommt zu dem alarmierenden Ergebnis: Kinder und Jugendliche mit Hang zum Glücksspiel sind auch eine potentielle Risikogruppe im Straßenverkehr! Die Untersuchung legt die Annahme nahe, daß es einen Zusammenhang gibt zwischen Risikofreude beim Spiel und riskantem Verhalten im Straßenverkehr. Ein Phänomen, das sich schon im Kindergarten- und frühen Schulalter zeigt.

Psychologen des Max-Planck-Instituts testeten die Risikobereitschaft von 44 Jungen und Mädchen im Alter von fünf bis sechs Jahren mit Hilfe des "Teufelchen"-Spiels (zehn Schachteln). Die fünfjährige Susie kannte trotz des mit jeder Schachtel steigenden Risikos kein Halten. Sechsmal war es gutgegangen. In der Schachtel lag der erhoffte bunte Aufkleber. Aber in Schachtel Nummer sieben grinste ihr dann doch schadenfroh das Teufelchen entgegen. Sophia (sechs) dagegen begnügte sich mit drei Schachteln – und drei Stickern.

Im nächsten Experiment wurden beide Kinder, durch einen Gurt gesichert, an die Bordsteinkante einer vielbefahrenen Einbahnstraße gestellt. Mit einem Schritt auf eine Signalmatte sollten die Mädchen zu erkennen geben, wann ihrer Meinung nach ein gefahrloses Überschreiten der Straße möglich wäre.

18- bis 24jährige sind die Hauptrisikogruppe

Die vorsichtige Sophia betrat die Matte nur, wenn das nächste sich nähernde Auto mindestens noch sieben Sekunden Fahrzeit entfernt war. Susie und andere Kinder, die beim "Teufelchen"-Spiel alles auf eine Schachtel setzten, waren da weitaus unversichtiger und wollten trotz geringer Distanz noch über die Straße.

Verkehrs-Psychologen vermuten: Auch Daddelautomaten und Spielhöllen lassen später bei jugendlichen Führerscheinneulingen die Risikoschwelle im Straßenverkehr sinken, zum Beispiel die Neigung zu gewagten Überholmanövern, draufgängerischem Fahrstil. Joachim Seidl, Verkehrspsychologe aus Dresden: "Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen Spielsucht und risikobereitem Verhalten im Straßenverkehr. Vereinfacht gesagt: Der Adrenalinkitzel ist gleich – ob der Einsatz Geld ist oder das eigene Leben. Spielsucht ist eindeutig ein Risikofaktor im Straßenverkehr und ist auch ein immer wichtigeres Kriterium bei der medizinisch-psychologischen Untersuchung."

Norbert Geis, CSU-Rechtsexperte im Bundestag: "18- bis 24jährige sind die Hauptrisikogruppe im Straßenverkehr. Bei vielen in diesem Alter ist davon auszugehen, daß der Besuch von Spielhöllen und der Zeitvertreib an Glücksspielautomaten auch das Verhalten im Straßenverkehr ungünstig beeinflußt." Geis fordert: "Ein suchthafter Spieltrieb bei auffälligen Führerscheinneulingen muß gegebenenfalls im Rahmen eines Eignungstests abgeklärt werden."

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