Kraftfahrt-Bundesamt

Verkehrssünderkartei wird 50

— 02.01.2008

Raser sind der Renner

Seit einem halben Jahrhundert werden beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg Verkehrssünder geführt. Im Laufe der Jahre sind viele neue Delikte dazugekommen - zum Beispiel das Telefonieren am Steuer.

Die Verkehrssünderkartei wird 50 Jahre alt: Am 2. Januar 1958 wurden im Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die ersten Verkehrssünder eingetragen. Nach einem Jahr hatte die Kartei bereits 810.000 Namen. Bei heute 50 Millionen Führerscheininhabern ist der Bestand auf 8,4 Millionen Einträge im Verkehrszentralregister (VZR) gewachsen. "Nicht nur die Motorisierung hat zugenommen", sagt KBA-Präsident Ekhard Zinke, "es sind auch viele neue Delikte dazugekommen." Früher seien Alkoholverstöße beispielsweise nicht so hart bestraft worden, zudem habe es noch kein Handyverbot am Steuer gegeben. Die Quote von etwa 15 Prozent sei in all den Jahren etwa gleich geblieben.

Rund 80 Prozent der Sünder sind Männer

Seit 50 Jahren Heimat der Verkehrssünderkartei: die Fördestadt Flensburg.

Dennoch ist und bleibt das zu schnelle Fahren bei Männern und Frauen mit Abstand das häufigste Delikt (je fast 60 Prozent). Bei Männern folgt das Fahren unter Alkoholeinfluss (15 Prozent), bei Frauen die Vorfahrtverletzung (17 Prozent). Rund 80 Prozent der Sünder sind Männer. Drei Viertel der Erfassten haben nicht mehr als sieben Punkte auf dem Flensburger Konto. Fast fünf Prozent – etwa 400.000 Menschen – haben acht bis 13 Punkte auf dem Kerbholz, rund ein Prozent hat 14 Punkte und mehr. Je nach Delikt dauert es zwischen zwei und zehn Jahren, bis die Punkte gelöscht werden – vorausgesetzt es kommen keine neuen hinzu.

Unbeleuchtetes Schwein über die Straße geführt

Knapp ein Fünftel der Eingetragenen hat keine Punkte, ist aber trotzdem aktenkundig. Darunter fallen auch Menschen ohne Führerschein, die als Autofahrer erwischt wurden oder sich als Radfahrer oder Fußgänger ein Verkehrsdelikt geleistet haben. "Es soll auch einmal ein Landwirt Punkte bekommen haben, weil er sein unbeleuchtetes Schwein nachts über die Straße geführt hat", erzählt Zinke, der aktuell keine Punkte in der Behörde hat. "Ich hatte aber mal einen – für zu schnelles Fahren." Der Eintrag habe bei ihm etwas bewirkt und zu einer bewussteren Fahrweise geführt.

"Image der Behörde ist positiv"

Historisches Vorbild der Kartei war 1910 die "Sammelstelle für Nachrichten über Kraftfahrzeugführer" im Berliner Polizeipräsidium. Auch nach Einführung des VZR gab es die berüchtigten Punkte zunächst nicht. Erst 1974 wurde das bundesweit einheitliche sogenannte Mehrfachtäter-Punktsystem eingeführt. Neue Einträge werden von den 187 Mitarbeitern im Zentralgeister mittlerweile elektronisch erfasst. "Das VZR hat sich im letzten Jahrzehnt weiterentwickelt", sagt Zinke. Die Reihe von älteren Fällen, die in Regalwänden auf 10,7 Millionen Blättern in Handakten geführt werden, ist allerdings noch rund 500 Meter lang. "Bis die letzte Akte vernichtet wird, wird es noch einige Jahre dauern", sagt Zinke. Entgegen der allgemeinen Meinung sei das Image der Behörde nicht negativ, betont Zinke. "Die Existenz des Registers wird positiv gesehen. Verkehrsteilnehmer vom Verkehr fernzuhalten, die nicht geeignet sind – darum geht es."

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