Mehr Verkehrstote in Deutschland

Verkehrstote: Zahl ist gestiegen

— 22.11.2011

Erstmals seit 1991 wieder mehr Verkehrstote

Zwei Jahrzehnte lang sank die Zahl der Verkehrsopfer - doch dieser positive Trend kippt. Über die Gründen können Verkehrsexperten bislang nur rätseln. Der Autoclub ACE fordert mehr Tempolimits und eine neue Null-Promille-Grenze-Diskussion.

(dpa) Erstmals seit 20 Jahren ist die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland angestiegen. Von Januar bis September 2011 kamen 2938 Menschen bei Unfällen ums Leben. Das ist ein Plus von 5,9 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen 2010, so das Statistische Bundesamt. Eine Ursache für den Anstieg könnte nach Einschätzung von Experten das Wetter sein. Das gute Wetter um Frühjahr sorgte für ein höheres Verkehrsaufkommen, es wurde mehr Motorrad und Fahrrad gefahren. Allerdings: Auch im August und im September stieg die Zahl der tödlichen Unfälle. Dafür haben die Statistiker noch keine Erklärung.

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2010 wurde der bisherige Tiefststand mit zehn Verkehrstoten pro Tag erreicht: Im ganzen Jahr starben auf den deutschen Straßen 3648 Menschen bei Verkehrsunfällen. Höchststand war 1970 mit 21.332 Unfalltoten. Seit 1991 verzeichnete das Bundesamt einen kontinuierlichen Rückgang.  Bundesweit erfasste die Polizei in den ersten neun Monaten 2011 rund 1,7 Millionen Unfälle. Dabei stieg die Zahl der Unfälle mit Verletzten um 4,6 Prozent, die Unfälle mit auschließlich Sachschäden ging um 2,3 Prozent zurück. Im September 2011 kamen 395 Menschen bei Verkehrsunfällen um (plus 5,3 Prozent gegenüber September 2010). Im August 2011 gab es 380 Verkehrstote (plus 27 Prozent gegenüber August 2010).

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Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat in Bonn nannte die günstige konjunkturelle Entwicklung als möglichen Grund. Eine höhere Zahl von Beschäftigten erhöhe auch automatisch das Verkehrsaufkommen. Der Auto Club Europa (ACE) warnte davor, äußere Einflüsse wie die vielen Baustellen im Sommer oder mehrere starke Gewitter im September für den Anstieg verantwortlich zu machen. "Der Regen macht nicht den Unfall. Entscheidend ist das Fahrverhalten", sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Für eine höhere Sicherheit fordert der ACE eine automatische Startsperre für Gurtmuffel. Der Verband hält zudem mehr Tempolimits und verpflichtende Fahrerassistenzsysteme wie ESP für sinnvoll. Außerdem empfiehlt der Club eine neue Diskussion über die Null-Promille-Grenze für alle Autofahrer. Der ADAC hält die Zahl der Verkehrstoten trotz des Anstiegs für niedrig. "Jeder Verkehrstote ist einer zu viel", sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel in München. "Aber es ist auf jeden Fall auf sehr niedrigem Niveau." Warum von Januar bis September mehr Menschen auf deutschen Straßen ums Leben kamen, konnte auch Hölzel nicht erklären.

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