Autowrack eines Geisterfahrers auf der A 92 bei Freising

Verkehrsunfälle auf Autobahnen

— 15.03.2014

Wie sicher sind unsere Autobahnen?

Auf deutschen Straßen starben 2013 so wenige Menschen wie nie zuvor. Aber: Auf den als besonders sicher geltenden Autobahnen gab es wieder mehr Tote.

Beschleunigen, einfädeln, hoch­schalten, zurücklehnen – dann ist es nur noch ein gleichmäßiges Rauschen. Auf der Autobahn gibt es keine Kreuzungen, an denen andere einem die Vorfahrt nehmen könnten. Keine Fußgänger, keine Radfahrer, keinen Gegenverkehr. Kurzum: Nirgends sind Autofahrer so sicher wie hier .Doch die aktuelle Unfallstatistik lässt aufhorchen. Auf Landstraßen nahm die Zahl der Verkehrstoten 2013 um mehr als zehn Prozent ab, auf Autobahnen hingegen stieg sie um 8,1 Prozent. Besonders nach Auffahrunfällen (plus 20,6 Prozent) starben viele Menschen.
Hitze auf Autobahnen: Tödlicher Asphalt

"Während es in den letzten Jahren auf Landstraßen zahlreiche Maßnah­men zur Verbesserung der Sicherheit gab, lag der Schwerpunkt bei Auto­bahnen eher auf der Verbesserung der Leistungsfähigkeit", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Beispiel Rüttelstreifen: In Versuchen konnten die eingefrästen Querrillen am Fahrbahnrand die Anzahl der Unfälle mit Getöteten und Schwerverletz­ten um 15 Prozent senken. Warum die Rüttelstreifen trotz Empfehlung der Bundesanstalt für Straßenwesen den­noch kaum zum Einsatz kommen, er­klärt Brockmann so: "Der volkswirt­schaftliche Nutzen landet nicht beim Straßenbaulastträger." In dem Fall also nicht beim Bund. Dabei starben al­lein auf bayerischen Autobahnen im vergangenen Jahr 50 Menschen durch Abkommen von der Fahrbahn – fast doppelt so viele wie 2012. Der Deutsche Verkehrssicherheits­rat sieht in der Ablenkung eine mögliche Ursache für den negativen Trend. In einer DVR-Umfrage gaben 15,4 Pro­zent der Befragten an, trotz Verbots ohne Freisprechanlage zu telefonieren. Aber auch die Tempolimit-Diskussi­on dürfte neu entflammen. Zumal die Sicherheit auf deutschen Autobahnen im europäischen Vergleich nur mittel­mäßig ist. Die UDV geht davon aus, dass sich mit einem Tempolimit rund 70 Verkehrstote pro Jahr vermeiden ließen. "Es könnte auch bei 140 km/h liegen", so UDV-Leiter Brockmann. Gefährlich sei nämlich weniger das ab­solute Tempo, es seien mehr die großen Ge­schwindigkeitsunterschiede.
Unfallbilanz auf Autobahnen 2013 nach Bundesländern *
Bundesland Getötete Verletzte
2013 2012 2013 2012
Baden-Württemberg 39 48 2916 2899
Bayern 92 69 5883 5599
Berlin 2 0 353 382
Brandenburg 29 18 1036 993
Bremen 3 2 162 124
Hamburg 3 3 360 419
Hessen 35 32 3137 2929
Mecklenburg-Vorpommern 5 7 390 405
Niedersachsen 45 42 2719 2450
Nordrhein-Westfalen 52 51 5098 5000
Rheinland-Pfalz 22 26 1388 1249
Saarland 3 5 465 493
Sachsen 17 19 774 804
Sachsen-Anhalt 22 18 763 755
Schleswig-Holstein 7 8 833 769
Thüringen 11 10 568 607
Gesamt 387 (+8,1 %) 358 26.845 (+3,7 %) 25.877
* = Januar bis November
Verkehrstote auf Autobahnen pro 1000 km *
Schweiz 16
Frankreich 21
Dänemark 24
Spanien 29
Niederlande 32
Großbritannien 32
Polen 33
Deutschland 34
EU-Durchschnitt 34
Österreich 34
Tschechien 38
Portugal 41
Italien 56
Belgien 60
* 2010

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.