Versicherungsmodell "Pay-as-you-drive"

Versicherungsmodell "Pay-as-you-drive"

— 16.03.2007

Spion fährt mit!

Versicherer testen den "Gläsernen Autofahrer": Eine Box zeichnet den Fahrstil des Piloten auf und steuert so die Prämie.

Technisch ist es kein Problem: Eine kleine Box im Wagen zeichnet die zurückgelegten Strecken, die Fahrtdauer, Straßentypen und Fahrstil auf. Bis zu 1500 deutsche Fahranfänger haben die Mini-Box 2007 eingebaut. Seit Anfang 2007 testen die WGV-Versicherungen und T-Systems die Praxistauglichkeit von "Pay-as-you-drive"-Versicherungsmodellen. Die Prämie orientiert sich dabei am Fahrstil. Autofahrer, die weniger oder vorausschauender fahren, zahlen auch weniger – Rasen dagegen wird teuer. Vorbild ist das Pay-as-you-drive-System in Dänemark, wo es 300 Fahrer drei Jahre in Jütland testeten. Im Ergebnis fuhren sie vier bis sieben Stundenkilometer langsamer als zuvor und reduzierten das Unfallrisiko damit um ein Viertel.

Kern des Systems ist ein Bordcomputer, der über GPS die Position des Wagens sekundengenau protokolliert und auf einem Display die Geschwindigkeitslimits auf der Straße anzeigt. Wird das Limit um mehr als fünf Stundenkilometer überschritten, ertönt ein Warnsignal. Respektieren die Fahrer die Limits, erhalten sie auf ihre Versicherungsprämie einen Rabatt. Eine aktuelle Studie der Marktforscher Forrester Research sieht in Pay-as-you-drive-Angeboten Vorteile für Versicherer und Fahrer. Die Prämien seien realistischer berechnet und ermöglichten den Versicherern die Entwicklung neuer Produkte.

Und was sagt der Bundesdatenschutz?

Die WGV-Versicherungen haben das von T-Systems entwickelte Telematiksystem "Trip Sensitive Insurance" drei Monate lang getestet – mit Erfolg. Im Pilotprojekt wurden Fahrten über 70.000 Testkilometer mit durchschnittlich 1,72 Positionsmeldungen pro Kilometer ausgewertet. Für den Versicherer soll der Kunde mit dem System nicht "gläsern" werden. So liegen T-Systems zwar alle Daten vor, doch der Fahrer soll hinter einer Nummer "weitgehend anonym" bleiben.

Der Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar ist skeptisch: "Auch wenn die Systeme rechtlich zulässig sein mögen, sehe ich doch die Gefahr, dass diese Daten auch für andere Zwecke, etwa zur Verfolgung von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten, verwendet werden." Entsprechendes sei bereits bei den Mautdaten für Lkw der Fall. Schaar befürchtet aber auch, "dass andere Benutzer des Autos über den streckenbezogenen Einzelnachweis durch den Halter kontrolliert werden können".

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