F1: Exklusives Fotoalbum

Vettel-Fotos aus Kanada

— 21.06.2010

Aus Vettels Sicht

Exklusiv für AUTO BILD MOTORSPORT haben Sebastian Vettel und seine Pressesprecherin Britta Roeske den Kanada-Grand-Prix aus Sicht des Red-Bull-Fahrers fotografiert. Die besten Aufnahmen in der großen Fotogalerie.

Nach dem Crash mit Teamkollege Mark Webber in Istanbul stand Sebastian Vettel im Kreuzfeuer der Kritik. Das Rennen in Montreal war für den Heppenheimer deshalb ein ganz besonderes. Für AUTO BILD MOTORSPORT hat er sein Kanada-Wochenende fotografiert und erlaubt exklusiv einen Blick auf seine Sicht der Dinge: "Mit dem vierten Platz in Montreal kann ich den Umständen entsprechend gut leben. Wir wussten, dass diese Strecke unsere schwerste werden würde. Deshalb: Abhaken und voll auf Valencia konzentrieren. Dort bekommen wir mit dem F-Schacht-System ein wichtiges Teil am Auto. Chefdesigner Adrian Newey war nicht mit nach Kanada gekommen, um in der Fabrik noch den letzten Feinschliff  am neuen System vorzunehmen. Bevor ich über das Rennen in Montreal nachdenken konnte, war mir klar: Ich muss noch mal über den Unfall zwischen meinem Teamkollegen Mark Webber und mir reden.

Lehren aus dem Unfall mit Teamkollege Webber

Vier Tage fotografierte Sebastian Vettel seine Sicht der Dinge.

Ich hatte genug Zeit, darüber nachzudenken. Meine Lehren? Zunächst einmal: Es gibt in solchen Situationen immer Leute, die man besser kennen lernt. Die Gesichter merke ich mir und weiß sie in Zukunft besser einzuschätzen. In gewisser Weise ist es eine Bestätigung, wenn man merkt, dass manche Leute einem den Erfolg wirklich gönnen und andere eher nicht. Aber wäre ich nicht in der Position, dass ich um Siege und die WM kämpfe, wäre das den Leuten wahrscheinlich total egal. Deshalb kann ich es akzeptieren und lernen, damit umzugehen. So komisch das klingt: Es war die erste richtig kontroverse Situation in meiner Formel-1-Laufbahn und es zeigt mir, dass ich jetzt oben angekommen bin. Wenn man mal erfahrenere Piloten wie Michael Schumacher befragt, dann können die davon bestimmt ein Lied singen. Es hat mich auch sehr gefreut, dass er mir eine aufmunternde SMS geschickt hat. Was dich nicht umbringt, macht dich stärker, sagte ich mir.

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Vettels härtester Konkurrent: der Australier Mark Webber.

Trotzdem war ich vom Sturm überrascht, der mir bei der ersten Presserunde besonders aus England entgegenkam. Die Jungs von der Insel wollten mich richtig in die Mangel nehmen. Meistens merkte ich recht schnell, worauf die Reporter hinaus wollen. Und am meisten ärgert es diejenigen dann, wenn ich auf die Fangfragen nicht eingehe, sondern drum herum lenke und ihnen damit zeige: „Freunde, sorry, aber ich hab Euch durchschaut!“ Teamintern sind wir sehr professionell mit der Situation umgegangen. Natürlich hat es uns alle geärgert. Es wäre auch falsch zu sagen, dass man unter Teamkollegen eine dicke Freundschaft hat. Es ist immer ein Kampf, weil der Teamkollege immer der Erste ist, den man schlagen will. Und wenn man in ähnlich schnellen Autos fährt, lässt es sich nicht vermeiden, dass man sich im Rennen in die Quere kommt. Klar: Es lässt sich vielleicht vermeiden, dass man sich gegenseitig in die Kiste fährt. Aber so ist das eben manchmal. Das ist auch schon anderen passiert und wird auch wieder anderen passieren. Lebbe geht weiter, wie wir in Hessen sagen.

Immer auf Details achten

Im Auto hatte ich sowieso alles schnell vergessen. Am Freitagmorgen stand ich in der Garage und habe mir meinen Red Bull angeschaut. Ich finde immer noch, das ist ein wunderschönes Auto. Dann habe ich rausgeschaut, die vielen Fans gesehen. Und unterm Strich muss man sich in solchen Situationen dann mal an den Kopf fassen und fragen: Was möchte ich eigentlich mehr?  Ich mache das, was ich am liebsten mache im Leben. Ich fahre im besten Rennauto, das es gibt. Ich glaube, es gibt viele Leute, denen es viel schlechter geht. Ob man dann im letzten Rennen ein kleineres oder größeres Drama hatte, ist eigentlich irrelevant. So ein Rennwochenende besteht aus viel Routine. Man startet in die Saison, hat viel Kraft aus dem Winter und ist hoch motiviert. Aber wichtig ist, dass man gegen Mitte der Saison nicht in ein Loch fällt, sondern immer noch auf die Details achtet. Ein Beispiel: Am Freitagabend habe ich wieder lange an der Strecke gesessen, so bis 22 Uhr, und versucht raus zu finden, wo ich noch schneller werden kann. Teilweise sitze ich dann mit meinem Ingenieur zusammen, teilweise aber auch alleine mit meinem Computer und den Daten aus dem Auto.

Ich gehe gedanklich jede Kurve durch

Greift auch mal durch: Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Ich kann jede Runde und jede Kurve genau analysieren, erinnere mich noch an spezielle Fahrsituationen. Dann sehe ich, was ich gemacht habe und was ich vielleicht besser machen könnte. Liegt es an mir, dass ich nicht so schnell bin, wie der andere? Okay, abgehakt. Oder liegt es am Auto? Okay, abgehakt. Und so gehe ich jede Kurve durch: mit verschiedenen Reifen, verschiedenen Benzinladungen usw. Zwischen meinem Teamkollegen Mark und mir herrscht da übrigens totale Offenheit. Er hat meine Daten und ich seine. Auch mit meinem Teamchef Christian Horner spreche ich ständig. Gerade was die Strategien angeht, ist er natürlich sehr involviert. Große Interessenskonflikte zwischen den zwei Seiten der Garage gibt es eigentlich nie. Aber sollte da mal was sein, greift Christian als Boss natürlich ein.

Sport machen um wach zu werden

Ein Arbeitsplatz als Baustelle: Aktuelle bekommt das neue F-Schacht-System des Red Bull den letzten Feinschliff.

Am Renntag ist es wichtig, dass ich meine acht Stunden Schlaf hatte. Wenn ich mehr habe, bin ich müde, wenn ich weniger habe auch. Nach dem Aufstehen mache ich eine halbe, dreiviertel Stunde Sport, um wach zu werden. Wenn es geht, irgendwo draußen. In Monaco beispielsweise bin ich ins Meer raus geschwommen. Nach der Fahrerparade habe ich Zeit für mich selbst, lege mich hin, mache fünf Minuten die Augen zu und höre Musik. Keine Pop- oder Rockmusik sondern Melodien, die ich auch zu Hause während des Trainings höre und die mich daran erinnern, was mein Ziel ist. Und dann geht's schon ins Auto."

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