Sebastian Vettel Red Bull Racing GP Valencia 2010

Vettel triumphiert in Spanien

— 28.06.2010

Cool im Chaos

Vizeweltmeister Sebastian Vettel gewinnt im Leitplankendschungel von Valencia den Grand Prix von Europa, in dem zeitweise das Chaos regierte. Autobildmotorsport.de klärt auf, was in Spanien passierte.

Von seinem eigenen und dem Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen England euphorisiert rannte Sebastian Vettel mit der Champagnerflasche in der einen und seinem Pokal in der anderen Hand am Sonntagabend aus dem Fahrerlager von Valencia. Noch einmal galt es für den Heppenheimer schnell zu sein – um den Flug zurück in seine Wahlheimat Schweiz nicht zu verpassen. Kurz zuvor hatte Vettel gegenüber autobildmotorsport.de noch Bilanz gezogen. "Schön wieder zurück zu sein im WM-Kampf", so der nun WM-Dritte. "Ehrlich gesagt haben wir jetzt die zwei für uns schwierigsten Kurse hinter uns. In Montreal waren wir schon besser als erwartet. In Valencia habe ich nicht mit einem Sieg gerechnet. Beides sind Strecken mit langen Geraden, da war McLaren wegen ihrer großen Höchstgeschwindigkeit eigentlich Favorit. Aber es zeigt, dass wir in diesem Jahr auf allen Kursen zumindest aufs Podium fahren können." Sein Teamchef Christian Horner lobte: "Mit Ausnahme einer Schrecksekunde beim Neustart, als Sebastian mit kalten Reifen fast das Auto verloren hätte, ist er ein perfektes Rennen gefahren. Das ist gut für sein Selbstbewusstsein und den Rest der Saison." Nachdem die Teamverantwortlichen Vettel zuletzt zu viel Ungeduld und Krampf vorwarfen, ließ ihn das Chaos in Valencia kalt. Und das, obwohl es ausgerechnet von seinem Teamkollegen Mark Webber ausgelöst wurde.

Aktuelle Nachrichten aus der Formel 1

Unverletzt: Mark Webber übersteht den Horrorcrash mit Heikki Kovalainen in der neunten Runde ohne Blessuren.

In Runde neun krachte der Australier bei Tempo 315 ins Heck des Lotus von Heikki Kovalainen, überschlug sich in der Luft und donnerte anschließend hart in die Reifenstapel. Webber blieb unverletzt und konnte ein paar Stunden später schon wieder Witze reißen: "Ich muss mich wirklich bei meinem Chassis bedanken. Erst hat es mir zwei Siege beschert und nun auch noch das Leben gerettet." Nach dem Unfall stand der WM-Vierte zwar unter Schock und musste sich erst einmal hinlegen. Ein Teammitglied gab aber schnell Entwarnung: "Alles halb so wild. Nicht einmal der Helm hat etwas abbekommen. Mark war etwas blass um die Nase, aber für Silverstone (12.7.) ist er wieder fit." Den Crash werteten beide Parteien als Rennunfall. "Allerdings passiert so etwas nur", kritisiert Teamchef Horner, "wenn wir gegen Autos auf GP2-Niveau fahren müssen." Heikki Kovalainen hatte laut Telemetrie 80 Meter vor Mark Webbers anvisiertem Bremspunkt verzögert. "Aber im nächsten Jahr kann so etwas hoffentlich nicht mehr passieren, wenn die 107-Prozent-Regel wieder gilt." Demnach dürfen nur die Autos am Rennen teilnehmen, die in der Qualifikation innerhalb von 107 Prozent der Poleposition-Zeit geblieben sind.

Zu milde Strafe für Lewis Hamilton

Ausgebremst: Durch die Safetycar-Phase verloren die beiden Ferraristi Massa und Alonso wertvolle Punkte.

Doch mit Webbers Flugeinlage ging das Chaos erst los. Als das Safetycar auf die Strecke bog, zog der Zweitplatzierte Lewis Hamilton einfach an Bernd Mayländer vorbei. Das ist verboten. Doch als der McLaren-Pilot 17 Runden später seine Durchfahrtsstrafe abbrummte, hatte er schon so viel Vorsprung herausgefahren, dass er nicht mal einen Platz verlor. "Das war ein Fehler", gab ein FIA-Mann hinterher zu. "Die Strafe hätte früher ausgesprochen werden oder härter ausfallen müssen." Möglich gewesen wäre eine Zehn-Sekunden-Stop-and-go-Strafe. Dann hätte sich auch Fernando Alonso weniger aufregen müssen. Der Spanier und sein Teamkollege Felipe Massa hatten sich auf den Positionen drei und vier brav hinter dem Safetycar eingereiht und wurden dadurch bis auf Platz acht und elf durchgereicht. Alonso sprach anschließend von "Manipulation", Ferrari veröffentlichte auf seiner Website einen Artikel, in dem "Fans und Beobachter" die Aktion als "Skandal" werteten. Um keinen Ärger mit der FIA zu riskieren, ruderte Teamchef Domenicali später zurück: "Fernando hat sein Statement kurz nach der Zieldurchfahrt gegeben, als er noch nicht richtig abgekühlt war. Richtig ist, dass unser Rennen durch eine Situation zerstört wurde, die nicht in unseren Händen lag. Aber wir haben die FIA gebeten in Zukunft wirkungsvollere Strafen auszusprechen. Sonst gehen die Fahrer am Ende mit Absicht das Risiko ein für Vergehen milde bestraft zu werden, die ihnen einen Vorteil verschaffen können." Fakt ist: Das Safetycar kam für Ferrari zum ungünstigsten Zeitpunkt auf die Strecke. Wäre Hamilton allerdings härter bestraft worden, hätte Alonso auf Tabellenplatz fünf jetzt weniger als 29 Punkte Rückstand auf den WM-Spitzenreiter.

Schumi nur Mittelmaß

Doch auch Michael Schumachers Rennen war nach der Safetycar-Phase gelaufen. Der Kerpener war von Platz 15 auf harten Reifen gestartet und wurde in der zweiten Safetycar-Runde auf Platz drei liegend zum Reifenwechsel an die Box beordert. Das Problem: Als Schumacher wieder zurück auf die Strecke fahren wollte, schaltete die Ampel am Boxenausgang auf rot. So verlangt es das Regelwerk. Paragraph 40.1 des sportlichen Reglements besagt, dass die Ampel solange rot bleibt, bis das Safetycar mit der ihm folgenden Schlange von Autos den Boxenausgang passiert hat. Der Mercedes-Kommandostand allerdings glaubte zwischen Lewis Hamilton und Kamui Kobayashi eine Lücke von 18 Sekunden erspäht zu haben, in der die Ampel auf grün hätte schalten müssen. Eine Interpretation, die das Regelwerk so nicht zulässt. Mercedes hat die FIA dennoch um Klarstellung gebeten. Bleibt die Frage, warum Schumacher auf Rang drei liegend überhaupt an die Box zitiert wurde. Wäre er wie Kamui Kobayashi bis kurz vor Rennende auf harten Reifen draußen geblieben, hätte er vor dem Japaner Siebter werden können. Doch Mercedes wollte pokern, Schumacher das Rennen auf weichen Reifen zu Ende fahren lassen und so das Podium anvisieren. Ein Techniker der Konkurrenz zu ABMS.de: "Die Strategie wäre in die Hose gegangen, weil die weichen Reifen nie bis zum Ende gehalten hätten." Ergebnis: Platz 15 und trotz der zweitschnellsten Rennrunde wieder kein Schritt raus aus der Krise.

Autor: Bianca Garloff

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