Kampf gegen Gaffer am Unfallort

Video gegen Unfall-Gaffer

Anti-Gaffer-Video mit bösem Ende

Gaffer nerven nicht nur, sie können auch Retter behindern. Ein Youtube-Video geht jetzt frontal gegen skrupellose "Schaulustige" vor. Titel: "Sei kein Gaffer".

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(dpa/cj) Es werden immer mehr, und sie werden immer dreister: Gaffer. Mit dem Smartphone im Anschlag nähern sie sich Unfallstellen, machen sich wichtig und behindern andere, oft sogar Polizei und Rettungskräfte. Zwei professionelle Filmemacher machen jetzt Front gegen die unliebsamen Hobby-Kollegen. In Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Osnabrück und dem Bürgerverein Wüste e.V. produzierten sie ein Video, das seit einigen Wochen auf Youtube und Facebook steil geht. Der Inhalt kurz zusammengefasst: Drei junge Autoinsassen kommen an einem Unfall mit Feuerwehreinsatz vorbei, fotografieren, filmen und prahlen noch vor Ort in den sozialen Netzwerken – und erleben am Ende eine bitterböse Überraschung. Titel: "Schaulustige – sei kein Gaffer". Ein sehenswerter Film:

Ratingen: Polizei filmt zurück

Die Polizei filmt auf der A 3 bei einem schweren Unfall vorbeifahrende Autos, um Gaffer zu identifizieren.

Bei einem "echten" schweren Unfall im November 2017 auf der A3 bei Düsseldorf, bei dem zwei Menschen starben, waren ebenfalls Gaffer am Werk. Sie versuchten ungeachtet der schrecklichen Bilder und trotz aufgestellter Sichtblenden, die Unfallstelle zu fotografieren und zu filmen. Doch diesmal ging die Polizei gegen sie vor: Beamte stellten sich schließlich mit einer Videokamera an der Mittelleitplanke auf, um Gaffer im Gegenverkehr zu filmen und später ermitteln zu können. "Die Kollegen standen durch Zufall im Stau auf der Gegenfahrbahn. Weil sie die notwendige Technik dabei hatten, haben sie spontan die Kräfte vor Ort unterstützt", sagte eine Polizeisprecherin.

Feuerwehrmann bespritzt Gaffer mit Wasser

Nach einem Unfall mit drei Toten auf der A3 spritzte ein Feuerwehrmann Handygaffer mit Wasser ab.

Erst wenige Tage zuvor war die Feuerwehr bei einem schweren Unfall auf der A3 bei Weibersbrunn (Landkreis Aschaffenburg) mit dem Wasserstrahl gegen Gaffer vorgegangen. Dafür hatte sie viel Sympathie geerntet, es gab aber auch kritische Töne der Polizei. Trotzdem droht dem Feuerwehrmann, der spontan zum Löschrohr gegriffen hatte, offenbar kein Strafverfahren. Bislang habe keiner der betroffenen Lastwagenfahrer Strafanzeige gestellt, teilte die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg am 13. November 2017 mit. Außerdem sieht die Behörde allein wegen der Medienberichterstattung über den Vorfall aktuell keinen Anlass, ein Verfahren von Amts wegen einzuleiten. Auf den vorliegenden Bildern und Videoaufnahmen sei ersichtlich, dass die Gaffer "in der sehr langsam fahrenden Fahrzeugkolonne mit dem Schlauch mit geringem Spritzdruck besprüht worden" seien, hieß es. Das Wasser habe vor allem die geschlossenen Fenster der Beifahrerseite getroffen. Einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr könne die Behörde nicht erkennen.

Kritik an Wasser-Aktion

Zuvor hatte die Polizei die Aktion kritisiert, die "Mainpost" hatte gar berichtet, dem Feuerwehrmann drohe ein Strafverfahren. Er selbst hege große Sympathie für das Verhalten des Feuerwehrmannes, sagte der Würzburger Rechtsanwalt Hans-Erich Jordan, aber er halte ein Strafverfahren für wahrscheinlich. Der Feuerwehrmann hatte nach dem schweren Unfall mit drei Toten am 9. November 2017 rund zehn Lastwagen mit Wasser bespritzt, deren Fahrer Fotos und Videos machen wollten. Die Polizei hatte die jeweiligen Fahrer angehalten, Personalien festgestellt und Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Die spontane Aktion des Feuerwehrmanns hatte die Polizei zuvor kritisiert.

Gaffer kennen keine Grenzen

Sichtschutzwände sollen in Nordrhein-Westfalen Unfallopfer vor Gaffern schützen.

Durchweg kritisch äußern sich Opferschützer gegenüber den zunehmenden Gaffern: "Der Voyeurismus hat zugenommen, es gibt keinen schweren Unfall mehr, bei dem nicht gefilmt wird", sagt Hartmut Berg, Opferschützer bei der Kölner Polizei. "Unerträglich", findet auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger: "Wenn Autofahrer von der anderen Seite extrem langsam fahren, um den Unfallort mit der Handykamera filmen zu können, dann ist eine Grenze überschritten", so der Sozialdemokrat. Sein Bundesland und Niedersachsen haben als erste reagiert: Mit mobilen Sichtschutzwänden werden Neugierige ausgesperrt. Außerdem filme die Polizei zurück, um Autofahrer zu überführen, die gegen das Handyverbot am Steuer verstoßen. "Nach einem schweren Unfall haben Polizisten und Rettungskräfte eigentlich Besseres zu tun", so AUTO BILD-Redakteur Claudius Maintz. "Da Gaffen an sich nicht verboten ist, wird der blick- und kameradichte Mobilzaun die meisten Video-Voyeure aber zumindest ärgern – zumindest, solange sie nicht auf der anderen Seite liegen.

Kampf gegen Gaffer am Unfallort

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