Vier Allrad-Kombis im Vergleich

Vier Allrad-Kombis im Vergleich Vier Allrad-Kombis im Vergleich

Vier Allrad-Kombis im Vergleich

— 12.02.2004

Heiß auf Eis

Starke Sechszylinder, Automatik und Allradantrieb. Angetreten zum Edel-Kombi-Vergleich: BMW 3er, Subaru Legacy, Mercedes C-Klasse und Audi A4.

Teure Autos mit mäßigem Platzangebot

Winterwetterkapriolen in Deutschland. Erst Schnee, dann Regen und schließlich Temperaturen wie im Frühling. Wohl dem, der stets auf allen vieren unterwegs ist. Viele sind es allerdings nicht: Der Neuwagenanteil allradgetriebener Pkw liegt bei rund sieben Prozent – mit leichtem Aufwärtstrend. Und das trotz moderner Elektronik wie ESP oder Antriebsschlupfregelung, die unter normalen Bedingungen schon gute Hilfe leisten. Allradler haben nur dort noch spürbare Vorteile, wo es auf reine Traktion ankommt, also unter wirklich strengen winterlichen Bedingungen.

Mehr und mehr rückt der sportliche Aspekt als Argumentationshilfe für Allrad-Pkw in den Vordergrund. Subaru hat keinerlei Probleme, sich zu rechtfertigen, bietet in Deutschland ausschließlich Allradler an. Bei Audi hat quattro längst einen dynamischen Klang, und Mercedes-Benz- und BMW-Eigner müssen ihre Vorlieben halt mit der höheren Sicherheit verteidigen, die diese Technik mit sich bringt. Motto: Vier angetriebene Räder sind besser als zwei. Vor allem auch stets teurer.

Die drei deutschen Schmuckschatullen A4, Dreier und T-Modell fahren – nett ausgestattet – schlupffrei Richtung 50.000-Euro-Gipfel (das waren mal 100.000 Mark). Und wir reden hier von Mittelklasse-Kombis mit eher mittelmäßigem Platzangebot.

Motor und Kofferraumvolumen

BMW und Audi verlangen jeweils 2300 Euro für die zusätzlich angetriebene Achse, Mercedes-Benz 2088 Euro. Subaru kassiert "all inclusive", zählt aber mit 41.300 Euro nicht gerade zu den fernöstlichen Schnäppchen. Was gibt es dafür? Zunächst einmal Automatikgetriebe mit feinen Sechszylindern. Übrigens der unterschiedlichsten Art. BMW hält bayerisch-konservativ am Reihenmotor fest. Gut so. Der Dreiliter ist ein Gedicht an Laufkultur und Drehfreude. Dazu verpassten die Münchener dem 231-PS-Triebwerk noch einen herrlich sportlichen Sound.

Audi und Mercedes-Benz setzen auf kompaktere Bauweise, ordnen die Zylinder in V-Form (220 und 218 PS) an. Dadurch arbeiten sie nicht ganz so seidig. Besonders der Mercedes-Motor gibt sich bei höherem Drehzahlniveau rau, bleibt akustisch gegenüber den anderen zurück. Eher exotisch wirkt der 245 PS starke Subaru-Sechszylinder-Boxer. Er läuft nahezu vibrationsfrei, klingt dabei aber richtig schön kernig.

Aus der feinen Abteilung sind die Innenräume. Das gilt vor allem für die Heckabteile, die mehr einem Show- als einem Kofferraum gleichen. Wohin der Blick auch geht, nichts als edle Teppichware. Kaum auszudenken, wie es hier nach dem Regenspaziergang mit dem Hund aussehen könnte oder wenn die Pflanzen aus der Baumschule nach Hause gefahren werden müssen. Viel passt ohnehin nicht hinein. Dafür sind diese Kombis auch nicht gemacht.

Am wenigsten schluckt der Dreier: 435 Liter, jedoch mit wenigen Handgriffen erweiterbar auf 1345 Liter. Audi bringt es nur auf 442 bis 1184 Liter, Subaru lockt mit 459 und immerhin maximalen 1628 Liter Gepäckvolumen. Kein Wunder, er ist auch der Längste im Vergleich (und überraschend der Leichteste).

Innenraum-Design und Verarbeitung

Bei allen dreien lassen sich für Sperrgut nur die Lehnen der Rücksitze nach vorn klappen, wodurch zwar eine ebene, aber nicht ganz waagerechte Fläche entsteht. Hier haben die Mercedes-Benz-Ingenieure etwas höflicher konstruiert. Auch die Sitzflächenteile können hochgestellt werden. Wenn jetzt die Lehnen nach unten fallen, ergibt sich eine wirklich waagerechte Fläche, auf der bis zu 1384 Liter Platz haben.

Passagiere im Fond genießen bei Mercedes-Benz und Subaru am meisten Raum. Schon mehr zwickt es im knapp geschnittenen Audi. Schönheit hat eben ihren Preis. Dafür fühlt man sich im Ingolstädter hinter dem Lenkrad ungemein wohl. Alles passt perfekt, die Verarbeitung ist exzellent, die verwendeten Materialien hochwertig, das Auto umgibt den Fahrer wohl behütet, ohne ihm zu nahe zu kommen. Ganz ähnlich das Gefühl im BMW.

In der C-Klasse wirkt das Design im Cockpit eher nüchtern, was die Stuttgarter aber ab Ende April gründlich ändern. Dann rollt die überarbeitete Modellreihe mit deutlich aufgewertetem Innenraum zum Händler. Subaru beweist, dass es auch Japaner verstehen, den Autofahrer mit einem angenehmen Ambiente zu umgeben. Dennoch reicht das Interieur in puncto Qualität nicht ganz an die deutsche Konkurrenz heran. Auch die Sitzposition ist aufrechter, und es fehlt an genügend langer Schenkelauflage. Hinzu kommt, dass das Lenkrad nur in der Höhe verstellbar ist. Ein Unding für ein so teures Auto.

Fahrverhalten und Getriebe

Sind wir erst einmal mit dem Subaru unterwegs, wird sofort klar: Das ist kein Sportler. Die Automatik schaltet oft nervös hin und her, in flott gefahrenen Kurven neigt sich die Karosserie stark zur Seite. So empfiehlt sich der Legacy mehr als komfortabler Gleiter, wogegen auch grundsätzlich nichts zu sagen ist. Schließlich kauft der Kunde dieses Auto nicht, um möglichst schnell ums Eck zu driften. Was er aber zweifellos könnte. Der Subaru marschierte mit dem gleichen Tempo über unsere Versuchsstrecke wie die anderen Kandidaten. Den Grenzbereich regelte das ESP sanft ein.

Anders dagegen Audi und BMW. Die Bayern wirken agil und handlich, nicht zuletzt auch wegen der top abgestimmten automatischen Getriebe. Der Mercedes-Benz suggeriert dem Fahrer, stets mehr Masse zu bewegen, obwohl die C-Klasse objektiv nicht mehr wiegt als ihre deutschen Mitstreiter. Schuld ist die etwas gefühllosere Lenkung.

Verabschieden sollte sich der Allradfahrer von dem Gedanken, auf trockener Straße in Kurven schneller zu sein. Mitnichten. Bevor der Grip-Vorteil zum Tragen kommt, ist das ESP längst im Einsatz. Bei Nässe dagegen können die vier angetriebenen Räder ihre Traktions-Trümpfe ausspielen. Und selbstverständlich fahren auch bei Schnee und Eis quattro, 4Matic & Co diesen Vorteil deutlich heraus.

Kosten und Ausstattung

Der Preis dafür heißt: höheres Gewicht, höhere Fahrwiderstände und damit auch ein höherer Verbrauch. Doch wer in dieser Lifestyle-Liga der Allrad-Kombis fährt, dem sind zwölf bis 15 Liter pro 100 Kilometer sicher nicht fremd. Aber spätestens an den noch folgenden frostigen Tagen erhalten Allrad-Käufer die beste Bestätigung für ihren Kaufentscheid. Vortrieb ohne Ende – so lange, bis ein "Normalo" mit Sommerreifen ihnen den Weg versperrt.

Technische Daten und Testwerte

Mercedes-Benz und BMW legen bei der Vollbremsung aus Tempo 100 Bestwerte auf den Asphalt. Im Gegensatz zu Audi. Nach der siebten Bremsung qualmte es stark aus den Radhäusern.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Michael Specht Punktsieg für Mercedes-Benz. Drei Zähler mehr auf dem Konto als der BMW. Was heißt das schon? Dass der Bayer schlechter ist? Keineswegs. Eher besser, zumindest wenn es um die Fahrdynamik geht. Und wem dies wichtiger ist als ein paar Liter mehr im Kofferraum, für den ist die Entscheidung eh schon gefallen.

Der Dreier touring ist ein Allrad-Sportler mit Leistung und Luxus, der ungemein Fahrfreude bereitet und dessen Automatik so knackig schaltet, als würde man selbst Hand anlegen. BMW müsste nur das Fahrwerk eine Idee komfortabler abstimmen. Auch der Audi schafft es, seinen Fahrer zu begeistern: durch handliche Fahreigenschaften, einen maßgeschneiderten Innenraum und eine Top-Motor-Getriebe-Kombination. Er wäre meine persönliche Wahl. Zusätzlich sieht er in meinen Augen am besten aus: fit, athletisch und trotzdem unaufdringlich-elegant.

Der Legacy hat einen Riesensprung vom biederen Japaner zum Lifestyle-Kombi gemacht, ohne – ähnlich wie die C-Klasse – dabei an inneren Werten zu verlieren. Größter Nachteil aller vier aber bleibt: Sie sind einfach unverschämt teuer.

Welcher Kombi gefällt Ihnen am besten?

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Mercedes-Benz C 320 4Matic, BMW 330xi touring, Audi A4 Avant 3.0 quattro und Subaru Legacy Kombi 3.0. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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