Vier Diesel-Kleinwagen im Vergleich

Vier Diesel-Kleinwagen im Vergleich

— 14.02.2002

Wenn Kleine erwachsen werden ...

... wundern sich die Groen. Mit Kleinwagen haben Polo, Punto, Corsa und Clio nichts mehr viel zu tun. Doch wer ist der Grte unter den Kleinen?

Polo contra Punto, Clio, Corsa

Luis hantiert locker am Laptop. Jonas gibt Brsentipps, Berkalb guckt nervs auf die Uhr, Jan kontaktet Kunden per Handy. Eben noch saen die kessen Kerlchen brav in der Schule. Jetzt spielen sie das, was Erwachsene so tun. Im Zeitraffer gewachsen sind auch die vier Autos drumherum. Vor ein paar Jahren noch unscheinbare Kleinwagen, machen sie sich jetzt auf, ihre groen Brder zu rgern. Besonders frech treibt das der VW Polo und spielt ungeniert Mini-Golf. Hat er deshalb gleich das Zeug zum Klassenprimus?

Wie bei den Groen geht der Trend zum Diesel, deshalb fahren unsere vier Autos mit Selbstzndern vor. Und fr die verlangen die Hersteller gesalzene Aufschlge. Gerade VW. Der 75-PS-TDI kostet 2787 Mark mehr als der 75-PS-Benziner. Damit kommt ein fnftriger Polo Trendline auf satte 30 022 Mark. Und drngelt sich auch damit in die nchsthhere Klasse. Aber er hat ja sowieso kaum noch etwas Kleinwagenhaftes mehr an sich. Mit 3,90 Meter Lnge ist er eine stattliche Erscheinung, drinnen hast du Platz wie frher im Golf II - oder noch mehr. Sprbar mehr zumindest als in Punto, Clio und Corsa.

Besonders angenehm ist im Polo die viele Luft ber dem Scheitel. Innen hat Volkswagen mit Akribie das getan, was sie am besten knnen: ein Gefhl fr Qualitt herzustellen. Wie lange das alles in Top-Form bleibt, werden wir noch sehen - sptestens die Leser werden uns gnadenlos auf die ersten Polo-Pannen hinweisen. Erst mal stellt sich aber wie bei keinem anderen ein Wohlfhleffekt ein. berall schaust du gern hin, fasst du gern an. Die Sitze, straff und mit festem Seitenhalt, sind eine Klasse besser als die in den drei anderen Autos.

Komfort und Motoren

Komfort ist sowieso das groe Thema. Der Polo federt auch auf blen Strecken so geschmeidig und souvern, dass die drei anderen nur noch wie Kleinwagen alter Schule wirken. Zugleich fhrt er sich mit der sehr leichtgngigen Lenkung am handlichsten, fast spielerisch. Zugegeben: Es fehlt ein bisschen der Bezug zur Realitt - so schwebst du durch die Gegend. In die Wirklichkeit holt dich dann der Motor zurck.

VW setzt auf das Pumpe-Dse-System. Resultat ist hier ein heiserer, kerniger TDI, der quicklebendig am Gas hngt und krftig durchzieht - trotz aufwendiger Dmmung aber lrmig wirkt. Im Schnitt verbraucht der Polo 5,9 Liter. Sicher, zusammen mit dem Punto ist der VW Sparmeister. Aber solange sich ein 100-PS-Golf TDI mit 6,0 Litern begngt und selbst ein 131-PS-Audi A4 TDI mit 6,1 Litern, ist das nicht wirklich wenig. Wegen der weichen Aufhngung ruckelt es dazu hufig im Antriebsstrang. Und zusammen mit dem aufgeregten Dreizylinder-Hecheln entsteht so der Eindruck eines quengeligen, zappeligen Aggregats. Trotz der guten Fahrleistungen passt der Motor deshalb nicht besonders gut in den so komfortablen Polo.

Der 1,9-Liter-JTD im Fiat Punto ist da ein ganz anderer Typ. 2400 Mark teurer als der 80-PS-Benziner, trotzdem eine Empfehlung wert. Der krftige Common-Rail-Diesel tritt strmisch an, dreht freudig aus und luft kultiviert. Nur im fnften Gang fllt der flotte Italiener in unpassende Mdigkeit: nicht etwa wegen schwchelnder Leistung, sondern durch die lange, drehzahlsenkende bersetzung. Die macht Sinn, denn eines ist der Fiat-Diesel nicht: leise. Im Punto ist es insgesamt am lautesten, das Auto schlechter gedmmt als die anderen. Anders als der Polo federt der Fiat ziemlich steif. Er neigt besonders auf Querfugen und kurzen Bodenwellen zum Trampeln, wirkt dann stuckerig.

Innenraum und Komfort

Die positive Seite dieser harschen Abstimmung ist das knackige Fahrverhalten. Der Punto liegt straff auf der Strae, geht zackig um die Ecken und bleibt auch bei voller Beladung stets friedlich. Die Lenkung reagiert leicht und genau, lsst sich zudem in ihrer Empfindlichkeit verstellen: Im City-Modus ruderst du aber am Lenkrad wie in einem Jahrmarkt-Scooter. Andere Ideen der Italiener gefallen uns besser: der gerumige Innenraum etwa (vorn hat der Punto genauso viel Platz wie der Polo), der mit 297 Litern grte Kofferraum des Vergleichs und auch das kantig-freche Design.

Dagegen hat der Opel Corsa, gerade erst ein Jahr alt, schon sprbar an Frische verloren. Auch der Motor. Der 1,7-Liter mit 75 PS kostet 2249 Mark mehr als der gleich starke 1,2-Liter-Benziner. Der DTI arbeitet zwar mit Diesel-Direkteinspritzung, verzichtet aber auf moderne Systeme wie Common Rail oder Pumpe-Dse. Seine vier Ventile je Zylinder helfen da auch nicht mehr viel. Der Vierzylinder luft rau, rappelig und unharmonisch. Mit 6,4 Litern verbraucht er am meisten und wirkt gerade im Vergleich zh und gehemmt.

Nur Durchschnittsnoten bekommt auch der Innenraum. Diese graue Welt wirkt nicht wirklich anders als die alte. Und bei den straffen Polstern und schmalen Lehnen der Sitze sitzt du mehr drauf als drin. Unterschtzen sollte den Opel aber niemand. Er hat mehr Platz, als man denkt. Besonders im Fond sitze ich (1,93 Meter) berraschend bequem. Und der Corsa fhrt sich angenehm. Die Federung arbeitet hnlich straff wie beim Punto, die Dmpfung ist besser abgestimmt. Der Opel liegt ruhiger auf der Strae, ausgewogener. Schade eben nur, dass auch sein Design so schnell gealtert ist.

Ausstattung und Fazit

Der Clio guckt nach der jngsten Kosmetik zwar besonders staatstragend, innen fehlt aber solche Extravaganz. Die Einrichtung ist brav und solide. Aber die Sitze sind zu weich, zu zierlich, und dann ist er einfach eng. Gerade in der zweiten Reihe zwickt es berall. Kleinwagenmig. In einem anderen Punkt liegt er dafr vorn: Sein geschmeidiger Common-Rail-Diesel arbeitet mit Abstand am leisesten. Die 2543 Mark Aufpreis gegenber dem 60-PS-Benziner sind gut angelegtes Geld. Der dCi gefllt mit weichem Lauf und gleichmiger Kraftentfaltung. Da strt es kaum, dass er mit seinen 65 PS im Vergleich hinterherhinkt. Er empfiehlt sich mit seiner Gelassenheit auch so fr die entspannte Reise, aber nicht zum bedingungslosen Sparen.

Diesen Diesel leistet man sich - hnlich wie Fiat und VW. Und wer mehr Dampf will, muss nicht mehr lange warten: Anfang nchsten Jahres legt Renault nach. Dann wird auch ein ESP lieferbar sein, der Clio kann es gut brauchen. Leer fhrt er sich handlich und friedlich, vergleichbar etwa mit dem Corsa. Aber bei voller Beladung - 470 Kilo sind erlaubt - entwickelt das Heck bei kritischen Manvern ein reges zickiges Eigenleben. Wie ein Kleinwagen alter Schule. So etwas ist in dieser Klasse nicht mehr Spitze. Dort steht jetzt der VW Polo.

Fazit Klein waren sie mal, jetzt sind sie erwachsen - und von Kleinwagen alter Schule weit entfernt. Erziehungsberechtigter wird der Polo: stattlich, komfortabel - trotz des etwas unglcklichen Motors. Der Punto berrascht auf Platz zwei vor allem mit einem klasse Motor und knackigem Fahrwerk. Ganz knapp dahinter der Corsa, frh gealtert: keine besonderen Strken, keine auffallenden Schwchen. Der Clio auf dem vierten Platz hat ein bisschen die Entwicklung verpasst, wirkt im Kreise der kleinen Gernegroe - na, sagen wir - nur halbstark.

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