Vier exklusive Roadster im Test

Vier exklusive Roadster von Pagani, Ferrari, Lamborghini und McLaren Vier exklusive Roadster von Pagani, Ferrari, Lamborghini und McLaren

Vier exklusive Roadster im Vergleich

— 14.01.2009

Offene Träume

Kräftemessen der fantastischen Vier: AUTO BILD SPORTSCARS lud Lamborghini Murcielago, Pagani Zonda F, Mercedes SLR 722 S und Ferrari F430 Spider auf einen Flugplatz bei Modena. Rasante Eindrücke.

Der Fünfeinhalbliter-Kompressormotor blubbert gelassen vor sich hin. Die Hände umfassen ein handschmeichelndes Wildlederlenkrad, man sitzt in ultradünnen Kohlefaserschalen, bequem, sportlich. Ich will mich konzentrieren, einfach nur geradeaus auf einer Start- und Landebahn fahren, mit Stadttempo. Doch da ist dieses Geräusch, das von links an mein Ohr dringt: ein helles, sehr bösartig und nervös klingendes Kreischen, der Klang eines Rennwagens. "Du magst den Sound?", wird Leonardo Pagani (21), Sohn des begnadeten Auto-Bauers Horacio, später fragen. "Der Motor stammt aus dem CLK-GTR, mit dem Mercedes in Le Mans fuhr."

"Ihr könnt jetzt mal richtig angasen!"

Hörbild: Wenn Sie genau hinsehen, hören Sie vielleicht das Knistern der abkühlenden Boliden.

Keine Fragen mehr. Doch jetzt lenkt es mich ab, bringt mich auf dumme Ideen. Ein kleiner Lenkradschlenker nach links, und der SLR McLaren Roadster würde seine und die Kohlefaserhaut des eine Million Euro teuren Pagani Zonda F anspreißeln. Ein Zucken nach rechts ginge dagegen als Peanuts durch, denn der Kohlefaser-Lambo ist bereits für 323.680 Euro zu haben. Gespreißeltes Carbon sieht richtig eklig aus, zerbröselt und zerknüllt. Und während meine Gedanken bei einer Art Carbon-Rugby hängen bleiben, verpasse ich das Signal von Fotograf Christian Bittmann: "Einstellung im Kasten, ihr könnt jetzt mal richtig angasen."

Die Farbe des Ferrari ist seit 1953 im Programm

Gierig: Selbst das Ausschalten des F430 ist ein Erlebnis.

Kurze Lagebesprechung. Die vier Boliden stehen bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt mit offenen Verdecken vor dem Hangar, es ist jetzt ruhig, leise knistern sie vor sich hin. Zeit, sie einzeln vorzustellen: Bei einem Roadster-Vergleich in der Gegend von Modena darf eine Marke natürlich nicht fehlen: Die Schmiede rassiger Pferdchen aus Maranello ist mit dem Ferrari F430 Spider vertreten, der eigentlich kein Roadster ist, weil er – wie auch der SLR – über ein vollautomatisches Verdeck verfügt und auch sonst eher luxuriös daherkommt. Doch im Luxus schwelgen auch die anderen drei Kandidaten, was in dieser Preiskategorie nicht überrascht. Die Farbe wirkt ungewohnt für einen Ferrari, basiert aber auf einer klassischen Mischung, die unter dem Namen "Avorio" schon den 375 MM von 1953 schmückte. Sehr schnell gewöhnt hat man sich dagegen an den Umgang mit dem F430, dessen sinnlich röhrender V8-Sauger nicht nur die Ohren betört. 490 PS beschleunigen den 1520 Kilogramm wiegenden Spider in knapp über vier Sekunden auf 100 km/h und knacken die 300-km/h-Marke locker. Ein wesentlicher Faktor für den gewaltigen Fahrspaß, den der leichtfüßige 430 vermittelt, ist aber auch sein Fahrwerk.

Der Lambo ist der "Bad Boy"

Der zweite Italiener im Bunde kommt ebenfalls aus der Gegend und bezieht seine Faszination nicht nur aus der Möglichkeit, offen mit 330 km/h durch die Landschaft zu knallen. Denn der Lamborghini Murciélago Roadster ist der wilde Typ mit dem kantig-maskulinen Auftritt, der Bad Boy unter den Supersportlern. So viel zum Image, denn bis auf die ausladende und unübersichtliche Karosserie ist ein Murciélago Roadster ein Supersportler, der sich überhaupt nicht wie eine Diva geriert. Dennoch ist er für den Alltag natürlich viel zu teuer und zu schade. Da lässt es sich auch leicht verschmerzen, dass das "nur" bis 200 Sachen taugliche Notverdeck recht umständlich zu montieren ist. Wer sich den großen offenen Lamborghini leisten kann, nimmt an schlechten Tagen einfach einen seiner geschlossenen Sportwagen.

Furchteinflößendes Gedonner vom McLaren

Der Macho-Sportler: Der Lamborghini Murciélago LP-640 Roadster sieht hart aus, ist aber eine ehrliche Haut.

Mit einem Punch wie beide Klitschkos zusammen, einer perfekten Verarbeitung und der endlos langen Schnauze zeigt sich der 722 S von seiner besten Seite. Er war der Star in Italien, was nicht weiter verwundert, denn Ferrari und Lamborghini sind in der Gegend um Modena nicht so selten, und selbst einen Pagani sieht man mit etwas Glück mal auf der Straße. Der teutonische Dampfhammer ist hier dagegen so rar wie Nudeln von Miracoli und trägt schon geräuschtechnisch einiges dazu bei, um aufzufallen. Ganz oben auf der ewigen Bestenliste der jobbedingten Erlebnisse steht jedenfalls die wie ein Mann zusammenzuckende, höchst erschrockene italienische Familie auf dem Weg durch die Tiefgarage zu ihrem Fiat Multipla. Und ehrlich: Auch wir hatten nicht damit gerechnet, dass ein zwischen nackten Betonwänden kaltstartender SLR ein derart furchteinflößendes Gedonner von sich gibt, dass man sich instinktiv am liebsten flach auf den Boden werfen würde. Früh startende SLR-Besitzer können sich daher sicher sein: Die Nachbarn sind jetzt auch wach. Auch die, die nicht direkt nebenan wohnen.

Unterwegs mit dem teuersten Pagani, der je gebaut wurde

Die komplett in Sichtcarbon ausgeführte Karosserie des Pagani wirkt sportlich-edel, ist aber empfindlich.

Der Letzte im Bunde dieser vier Megabretter treibt die Exklusivität nochmals um ein ganzes Stück nach oben: Zum einen schrammt der Pagani Zonda Roadster F knapp an der Millionengrenze vorbei. Zum anderen wurden seit 1999 insgesamt nur 101 Zonda plus vier Prototypen in liebevoller Handarbeit zusammengebaut. "Dieser hier ist der Teuerste, den wir je gebaut haben. Er hat alle bestellbaren Extras inklusive Keramikbremsen und Sportauspuffanlage", erklärt Leonardo, der mit 15 zum ersten Mal eines der Kunstwerke seines Vaters fahren durfte. "Nur vom Hof in die Montagehalle. Und natürlich sehr langsam", ergänzt er grinsend. Die Auspuffanlage ist nicht nur für den unglaublichen Sound des auf einem Chrom-Molybdän-Stahlrohrahmen aufbauenden Renners verantwortlich. Sie wiegt auch 20 Kilogramm weniger als die "Serienversion" und hat mehr Durchlass. Der Sound war es auch, der dem ebenfalls mit reichlich Erfinder- und Handwerksgeschick gesegneten Pagani junior sein bislang schönstes Autoerlebnis bescherte: "Ich fuhr Zonda Nr. 6 (der erste jemals in Sichtcarbon ausgeführte Pagani und Leonardos absoluter Liebling, Anm. d. Red.) auf der Pagani-Rallye 2007, mein Vater und unser Testfahrer Maurizio Ferrai waren ebenfalls mit je einem Zonda unterwegs. Zu dritt ging es durch den Tunnel in Monaco Richtung Casino. Der Klang dieser drei Autos, diese ganze Szene – ich war richtig aufgewühlt vor Glück in diesem Moment."

Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten gibt es in AUTO BILD SPORTSCARS 2/2009. Hier können sich den Vergleich auch bequem als als PDF herunterladen.

Autor: Ralf Kund

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