Vier Gebrauchte: Clio, Saxo, 107 vs. Polo

Gebrauchtwagen-Check VW Polo (1994–2001) Gebrauchtwagen-Check VW Polo (1994–2001)

Vier Gebrauchte: Clio, Saxo, 107 vs. Polo

— 08.06.2006

Altern kleine Franzosen schneller?

Kleinwagen aus Frankreich gelten als preiswert, aber wenig zuverlässig – der Polo als teuer und langlebig. AUTO BILD hat diese typischen Vorurteile untersucht.

Polo mit deutlich weniger Mängeln

Klischees sind doch was Schönes. Zum Beispiel die über Kleinwagen aus Frankreich. Die sind billig, meistens gut ausgestattet, aber nach fünf Jahren rosten sie einem unter dem Hintern weg. Dann lieber einen Polo. Der ist zwar etwas teurer, aber dafür Wertarbeit.

So oder so ähnlich argumentieren viele Gebrauchtwagenkäufer. Und vergessen dabei, daß der Fortschritt auch an Frankreich nicht vorbeigeht, ein Citroën Saxo nichts mehr mit einem 2CV, der Ente, gemein hat. Und auch Peugeot 106 und Renault Clio haben längst ihre Qualität in Dauertests bewiesen – bei dem die jüngste Ausgabe des Polo erst kürzlich eine furchtbare Bauchlandung hingelegt hat.

Aber der Reihe nach. Denn bei Deutschlands Prüfverein Nummer eins, dem TÜV, ist der ab 1994 gebaute Polo vom Typ 6N eine sichere Bank. Deutlich weniger erhebliche Mängel als die drei Franzosen, stabilere Achsen und standfestere Bremsen zeichnen den Wolfsburger aus. Probleme machen höchstens der Auspuff und die Heckleuchten. Und der Ölverlust an Motor und Getriebe, was ihn mit Clio und Co vereint und außerdem große Löcher in den Etat reißen kann. Denn Ölleckagen zu beseitigen ist teuer, vor allem weil dabei viele Arbeitsstunden anfallen.

Wie Reparaturen an der Vorderachse, die bei den kleinen Franzosen häufiger auf dem Plan stehen, als ihren Fahrern lieb sein kann. Dabei geht es seltener um Spiel in der Lenkung und ihren Spurstangen – davon ist nur der Clio betroffen –, sondern meist um ausgeschlagene Traggelenke und gebrochene Federn. Eine gefährliche Sache, wenn die Bruchstelle den Reifen aufschlitzt – der Schaden ist für Laien kaum zu erkennen.

Saxo mit niedriger Pannenquote

Unterm Strich kommt der Polo beim TÜV am besten weg, und der Clio am schlechtesten. Der Peugeot orientiert sich näher am Polo, der konstruktiv jüngere Saxo erstaunlicherweise eher zum Clio hin.

Bei der Zuverlässigkeit ändern sich die Vorzeichen. Nicht für den Polo, der liegt mit seiner Pannenquote beim ADAC gerade eben noch im grünen Bereich. Aber der Saxo ist kaum schlechter, weist sogar seinen Nachfolger C3 in die Zuverlässigkeits-Schranken.

Der 106 hingegen macht vor allem in seinen älteren Baujahren viel Ärger, ohne jedoch so viele Pannen zu produzieren wie der Renault Clio. Oft sind es Kleinigkeiten, die bei ihm das Liegenbleiben provozieren – wie gerissene Gaszüge. Bei jüngeren Modellen werden auch die Spritleitungen undicht. Oder der Clio springt gar nicht erst an, weil es im Bereich Batterie/Generator/Anlasser zu Spannungsverlusten kommt. Beim 106 spinnt da eher schon mal die Elektronik. Und nach hohen Laufleistungen klackern die Gelenkwellen. Wenn Motorschäden auftreten, dann meist als Folge von Überhitzungen. Wegen Wasserverlusts oder defekter Thermoschalter.

Gutes Polo-Image muß bezahlt werden

Beim Saxo treten solche Leiden nur selten auf. Eher versagt dort die Funkfernbedienung, so daß die Wegfahrsperre nicht entriegelt. In frühen Baujahren gibt es auch mal Probleme mit den Zündspulen. Fast schon skurril: das Aushaken des Schaltgestänges, weil ein Sicherungsstift rausfällt.

Gibt's nicht beim Polo? Von wegen! Dort fliegen die Propeller der Kühlerlüfter weg – zumindest in Einzelfällen. Und Motoren frieren ein, vor allem im letzten Winter. Kupplungsseile reißen, die Schaltung hakelt und Getriebe beginnen zu mahlen. Ein VW-Dauerleiden: gerissene Zahnriemen. Hinzu kommen hohe Polo-Preise, die vor den Ersatzteilen nicht halt machen. Da muß das gute Image des deutschen Kleinwagens, unterm Strich teuer bezahlt werden.

Fazit von Hendrik Dieckmann: Altern französische Kleinwagen schneller als der deutsche VW Polo? Meine klare Antwort: ja. Aber der Abstand schrumpft. Denn der Polo ist alles andere als ein Musterknabe, die Franzosen haben in den letzten Jahren viel dazugelernt, rosten längst nicht mehr so extrem. Wer zum Beispiel einen gepflegten Saxo findet, fährt damit kaum weniger zuverlässig als mit dem Polo – aber viel preiswerter.

Citroën Saxo

Der von 1996 bis 2004 gebaute Saxo steht auf der Basis des Peugeot 106. Motoren und Fahrwerk sind identisch, allerdings differieren die Leistungsdaten abhängig vom Baujahr. Herausragend: die Federung. Ihr Schluckvermögen ist vorbildlich. Weniger begeisternd: hohe Mängelquote beim TÜV. Dort kommt er noch schlechter weg als der 106, obwohl seine Verarbeitungsqualität eher einen besseren Eindruck hinterläßt.

Technische Daten: Bauzeit: 1996 bis 2004, Motoren: 45 bis 118 PS, zwei 1,6-l-Diesel mit 54 oder 57 PS

Schwachstellen: Seine teuersten Probleme sind Ölverlust an Motor und Getriebe sowie ausgeschlagene Traggelenke der Vorderachse. Der TÜV notiert außerdem hohen Bremsenverschleiß und defekte Auspuffanlagen. Am Motor gibt es Ärger mit Keilriemen und Zylinderkopfdichtung. Und gelegentlich nervt die blockierte Wegfahrsperre.

Unterhaltskosten Citroën Saxo 1.1, 54 PS:Testverbrauch: 6,8 l Super/100 km • Inspektion: 200 bis 400 Euro • Haftpflicht (14): 577 Euro • Teilkasko (15): 97 Euro • Vollkasko (16): 598 Euro • Kfz-Steuer (Euro 2): 89 Euro

Ersatzteilpreise:Lichtmaschine: 435 Euro • Anlasser: 230 Euro • Wasserpumpe (AT): 360 Euro • Zahnriemen: 170 Euro • Endschalldämpfer: 115 Euro • Kotflügel vorn, lackiert: 365 Euro • Bremsscheiben u. -klötze vorn: 230 Euro

Peugeot 106

Für seine Kürze (3,68 m) bietet der 1991 eingeführte 106 genügend Platz. Über kürzere Strecken sitzen Erwachsene auch hinten bequem. Die Verarbeitung ist recht ordentlich. Auch der Rost nagt nur selten am kleinen Peugeot. Wichtig ist die Motorisierung: Die Diesel machen reichlich Krach, sparen aber kaum bei den Kosten. Wir empfehlen daher den 1,2-Liter mit 60 PS, der ist ausreichend munter und hält sich an der Tankstelle zurück.

Technische Daten: Bauzeit: 1991 bis 2003, Motoren: 45 bis 118 PS, Diesel mit 50, 55 und 58 PS

Schwachstellen: Die Problemzonen des 106 liegen in der Elektrik: Die Kraftstoffpumpe versagt öfter, defekte Thermoschalter verweigern dem Motor die Zufuhr von Kühlluft. Was die hohe Zahl durchgebrannter Zylinderkopfdichtungen erklärt und häufig vorkommende Motorschäden. Ärgerlich: Wasser in den Scheinwerfern und hoher Bremsenverschleiß.

Unterhaltskosten Peugeot 106 1.1, 60 PS: • Testverbrauch: 6,5 l Super/100 km • Inspektion: 200 bis 400 Euro • Haftpflicht (15): 604 Euro • Teilkasko (16): 108 Euro • Vollkasko (16): 598 Euro • Kfz-Steuer (Euro 2): 89 Euro

Ersatzteilpreise:Lichtmaschine (AT): 225 Euro • Anlasser (AT): 210 Euro • Wasserpumpe: 264 Euro • Zahnriemen: 175 Euro • Endschalldämpfer: 125 Euro • Kotflügel vorn, lackiert: 440 Euro • Bremsscheiben u. -klötze vorn: 215 Euro

Renault Clio

Mit dem Clio begann 1991 für Renault die Kleinwagen-Neuzeit. Gegenüber dem abgelösten R 5 war der Clio deutlich sicherer und komfortabler, geräumiger sowieso. Mit leichten Abstrichen auf der Rückbank, dafür ist der Kofferraum schön geräumig. Auch für den Clio-Maschinenraum empfehlen wir den 55-PS-Motor – der genügt. Unrentabel: der Clio Diesel. 1,9 Liter Hubraum kosten heftig Kfz-Steuer, und richtig sparsam ist er auch nicht.

Technische Daten: Bauzeit: 1991 bis 1998, Motoren: 55 bis 135 PS, 1,9-l-Diesel mit 64 PS

Schwachstellen: Auch die Renault-Elektrik krankt häufiger an defekten Batterien, Generatoren oder schlicht korrodierten Kabeln und Verbindungen. Dauerleiden: Kombischalter für Scheibenwischer versagt. Ärgerlich, weil teuer: Federbrüche an der Vorderachse, Ölverlust an Motor und Getriebe sowie hängende Magnetschalter am Anlasser.

Unterhaltskosten Renault Clio 1.2, 55 PS:Testverbrauch: 6,0 l Super/100 km • Inspektion: 200 bis 400 Euro • Haftpflicht (16): 637 Euro • Teilkasko (14): 87 Euro • Vollkasko (13): 484 Euro • Kfz-Steuer (Euro 2): 89 Euro

Ersatzteilpreise:Lichtmaschine (AT): 270 Euro • Anlasser (AT): 285 Euro • Wasserpumpe: 355 Euro • Zahnriemen: 340 Euro • Endschalldämpfer: 145 Euro • Kotflügel vorn, lackiert: 350 Euro • Bremsscheiben u. -klötze vorn: 210 Euro

VW Polo

Mit dem 1994 neuaufgelegten Polo stellte VW wieder den Anschluß an die zwischenzeitlich davongefahrene Kleinwagen-Konkurrenz her. Erstmals gab es Servolenkung und elektrische Fensterheber in einem Polo. Gegenüber den Franzosen bietet der VW die bequemeren Sitze und mehr Innenraum, allerdings auf Kosten des Gepäckabteils. Passende Allround-Motorisierung: der 1,4-Liter mit 60 PS.

Technische Daten: Bauzeit: 1994 bis 2001, Motoren: 45 bis 125 PS, Diesel mit 60, 64 und 75 PS

Schwachstellen: Auch der Polo trägt keinen Heiligenschein. Häufigste Pannen: Motorschäden wegen gerissener Zahnriemen, eingefrorene Kurbelgehäuse-Entlüftung und Überhitzungen. Letztere wegen undichter Wasserpumpen, lockerer Schlauchschellen oder geplatzter Ausgleichsbehälter. Störend: ausgefallene Scheibenwischermotoren.

Unterhaltskosten VW Polo 1.4, 60 PS:Testverbrauch: 7,8 l Super/100 km • Inspektion: 200 bis 400 Euro • Haftpflicht (14): 577 Euro • Teilkasko (16): 108 Euro • Vollkasko (14): 522 Euro • Kfz-Steuer (Euro 2): 104 Euro

Ersatzteilpreise:Lichtmaschine: 810 Euro • Anlasser (AT): 285 Euro • Wasserpumpe (AT): 265 Euro • Zahnriemen: 225 Euro • Endschalldämpfer: 190 Euro • Kotflügel vorn, lackiert: 435 Euro • Bremsscheiben u. -klötze vorn: 300 Euro

Autor: Hendrik Dieckmann

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