Vier gebrauchte Spritsparer im Test

Vier sparsame Kleinwagen im Gebrauchtwagentest Vier sparsame Kleinwagen im Gebrauchtwagentest

Vier gebrauchte Spritsparer im Test

— 05.10.2006

Die kleinen Strolche

Extreme Spritpreise? Nissan Micra, Opel Corsa, Toyota Yaris und VW Lupo zeigen dem Tankwart die lange Nase. Für zirka 5000 Euro sind sie jeweils zu haben. Eine kluge Investition?

Kleine Knaller statt dicke PS-Protze

Alte Regel: Weniger ist oft mehr. Das gilt nicht nur beim Griff zu Schminke oder Duftwasser, sondern auch beim Kauf eines Gebrauchten. Besonders bei kleinem Budget heißt es, zu widerstehen – und zwar den verlockend günstigen Preisen für leistungsstarke Gebrauchtwagen. Denn entpuppen sich die als Säufer, ist es wegen der ständig steigenden Spritkosten mit der Auto-Mobilität bald nicht mehr weit her.

Wer einen dieser vier kleinen Spritsparer fährt, hat gut lachen.

5000 Euro zur Verfügung, Fünf-Liter-Auto gesucht: Den Anfang unter möglichen Kandidaten macht der Nissan Micra 1.0 mit 60 PS. Schon für weniger als 5000 Euro findet man auf dem Markt viele Angebote mit vergleichsweise geringen Laufleistungen, also zwischen 40.000 und 50.000 Kilometern. Das Einliter-Benzinmotörchen knausert nicht nur beim Verbrauch (rund 5,5 bis sieben Liter), sondern auch bei den Unterhaltskosten. Steuer, Versicherung, Wertverlust und Wartung belasten den Haushalt nur mit einem Bruchteil dessen, was ein preislich vergleichbarer PS-Protz verschlingt. Zudem hält sich die Reparaturanfälligkeit bei einem etwa vier bis fünf Jahre alten Micra meist in überschaubaren Grenzen. Was aber nicht heißt, dass der kleine Japaner mit Problemlosigkeit glänzt.

Braune Pest: Rost ist eines der häufigsten Leiden älterer Micra.

Bei der Besichtigung muss vor allem auf Rost geachtet werden. Der nagt bei mangelnder Pflege und vielen Winterfahrten selbst an Exemplaren, die erst nach dem Facelift 1998 vom Band gerollt sind. Betroffen sind mitunter gar Rahmen und tragende Teile. Deshalb gilt: Bei offensichtlichen Korrosionsspuren gleich nach einem anderen Exemplar suchen.

Stets einen scharfen Blick wert sind beim Micra zudem die Bremsscheiben an der Vorderachse. Sie verschleißen schnell, erkennbar am deutlich sichtbaren Außenrand oder tiefen Riefen. Defekte Fensterheber, streikende Anlasser, lahmende Gurtaufroller, leichter Ölverlust an Motor und Getriebe sowie hakelige Getriebe sorgen ab und an für Ärger. Schwerwiegender, wenn auch seltener, sind verschlissene Synchronringe im Getriebe. Außerdem mag der kleine Einlitermotor keine langen Vollgasfahrten. Dabei kann die Zylinderkopfdichtung durchbrennen, wie Zuschriften im Kummerkasten von AUTO BILD belegen. Also Vorsicht bei Ölspuren im Kühlmittel. Dagegen muss beim Micra kein Geld für den turnusmäßigen Tausch des Zahnriemens angespart werden. Denn die Nockenwellen werden über eine wartungsfreie Steuerkette angetrieben.

Mit dem Corsa kam die Opel-Wende

Der Corsa-Motor ist sparsam und robust. Von Dynamik aber keine Spur.

Damit ist auch der sparsame Dreizylinder-Motor des Opel Corsa (6,2 Liter Schnitt) ausgerüstet. Der leistet seit 2003 ebenfalls 60 PS (davor 58 PS), verrichtet im deutlich schwereren Corsa aber selbst im Stadtverkehr nur Dienst nach Vorschrift. Wer von seinem Sparmobil auch außerorts einen Hauch Dynamik erwartet, hofft darauf in diesem Corsa vergebens. Ansonsten ist gebrauchten Exemplaren der dritten Generation (ab 10/00) wenig anzukreiden. Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit sind deutlich besser als beim Vorgänger, Rost an der Karosserie ist überhaupt kein Thema mehr. Bislang häufen sich im Kummerkasten allein Beschwerden über Defekte an der Servolenkung früher Baujahre.

Dass die Auspuffanlage bei vielen Kurzstreckenfahrten mit starker Korrosion reagiert, ist kein Opel-Problem, sondern ein typisches Leiden fast aller Stadtflitzer. Dazu zählen oft auch eine verstellte Achsgeometrie durch harten Bordsteinkontakt beim Einparken sowie zerkratzte Räder. Wer beim Corsa darüber hinaus die elektronischen Funktionen checkt, hat die wichtigsten Prüfpunkte bei der Gebrauchtwagen-Besichtigung bereits abgearbeitet.

Ähnlich unspektakulär verläuft normalerweise die Besichtigung eines gebrauchten Toyota. Da macht der Yaris 1.0 nur selten eine Ausnahme. In den ersten beiden Baujahren (1999/2000) gab es allerdings vereinzelt Getriebedefekte und den einen oder anderen Motorschaden.

Der Yaris ist recht zuverlässig – aber nicht ganz so wie andere Toyota-Modelle.

Diese Malaisen sind mittlerweile jedoch behoben, im Kummerkasten ist der Yaris kaum vertreten. Geachtet werden muss jedoch auf Marderbiss-Spuren, denn die kleinen Nager haben den Yaris zum Fressen gern. Angeknabberte Sprit- und Zündleitungen sind daher stets Anlass für eine genauere Kontrolle in der Werkstatt. Dabei sollte man auch gleich einen Blick auf die Auspuffanlage werfen – denn die rostet schnell. Gammelnde Anbauteile unterm Fahrzeug, rasch verkratzende Kunststoffe und Klappergeräusche im Innenraum zeigen jedoch, dass die Verarbeitungsqualität beim Yaris nicht ganz auf üblichem Toyota-Niveau liegt.

Der Lupo glänzt mit kurzer Mängelliste

Ein Kleiner ganz groß – was Zuverlässigkeit und Verarbeitung angeht.

In diesem Punkt überzeugt der VW Lupo eher, denn die verbauten Materialien wirken wesentlich hochwertiger. Wer den 60 PS starken, recht durchzugskräftigen 1,4-Liter-Benziner wählt, muss sich im Winter zudem keine Gedanken über erfrierende Motoren machen. Von diesem Kapitalfehler, von AUTO BILD aufgedeckt, waren nur die Alu-Benzinmotoren mit 50 und 75 PS betroffen. Die Liste möglicher Schwächen fällt beim Lupo recht kurz aus: Ölverlust am Antrieb, schwergängige Schlösser, wackelnde Sitze, fehlerhafte Fensterheber, Wegfahrsperren und Kühlerlüfter sowie Defekte an den vorderen Radlagern. In dieser Hinsicht steht der kleine VW also viel besser da als der große Bruder Golf IV.

Zum Schluss ein Wort zum Diesel im gebrauchten Kleinwagen. Ja, der knausert noch mehr mit dem Sprit. Aber: Er rechnet sich unterm Strich bei Lupo und Co dennoch nicht, zumindest bei den klassenüblichen Fahrleistungen von weit unter 10.000 Kilometern im Jahr. Steuer, Versicherung und Wartung kommen teurer als beim Benziner. Der ist in diesem Fall der wahre Sparmeister.

Schwächen, Kosten, Daten, Urteil

Nissan Micra 1.0 Typ K 11, 1993 bis 2002


Schwachstellen Prinzipiell ist der Nissan Micra ein solider Kleinwagen. Nicht selten ist jedoch leichter Ölverlust am Antriebsstrang. Beim 1.0-Liter-Benziner sind einige durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen auffällig, Getriebeschäden gab es vereinzelt. Immer kritisch zu prüfen ist der Unterboden, denn Rost an Rahmen und tragenden Teilen findet sich häufiger.

Technische Daten Hubraum: 998 cm³, Leistung: 60 PS, Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h • Preis ab 4200 Euro • AUTO BILD-URTEIL: *** (max. fünf Sterne)

Opel Corsa 1.0 12V Typ C, Baujahr 2000 bis 2006

Ab hier kam Schwung in die Sache: der Corsa in neuer Opel-Qualität.

Schwachstellen Mit dem Corsa C schaffte Opel die Wende in Sachen Qualität und Zuverlässigkeit. Mitunter bereitet jedoch die elektrohydraulische Servolenkung Probleme, und der Auspuff rostet überdurchschnittlich schnell. Ärger haben Corsa-Fahrer außerdem öfter mit den Türschlössern und der Zentralverriegelung.

Technische Daten Hubraum: 998 cm³, Leistung: 60 PS, Höchstgeschwindigkeit: 156 km/h • Preis ab 4200 Euro • AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

Toyota Yaris 1.0 Typ P 1, Baujahr 1999 bis 2005


Yaris von 1999/2000 sind anfällig für Getriebe- und Motorschäden.

Schwachstellen Hohe Zuverlässigkeit überdeckt beim Yaris die nicht so berauschende Verarbeitungsqualität. Klappergeräusche aus dem Armaturenbrett, Flugrost an Achsen, Antriebswellen und Motorlager und die schnell rostende Auspuffanlage sind kein Ruhmesblatt, ebenso Defekte an Wegfahrsperren und Getriebe (bis 2000).

Technische Daten Hubraum: 998 cm³, Leistung: 68 PS, Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h • Preis ab 4800 Euro • AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

VW Lupo 1.4 Typ 6 X, Baujahr 1998 bis 2005

Märchenhaft: ein Wolf, der (meistens) zu seinem Wort steht!

Schwachstellen Verglichen mit anderen VW-Modellen, ist der Lupo ein zuverlässiger Geselle. Vor allem mit dem problemlosen 1,4-Liter-Benziner. Motorschäden bei Frost (beim 1.0 und 1.4 16V oft geschehen) und Rost sind kein Thema. Dagegen gilt es, auf Ölverlust an Motor und Getriebe, wackelnde Sitze, spinnende Wegfahrsperren und defekte Fensterheber zu achten. Teuer wird es, wenn die vorderen Radlager kaputtgehen.

Technische Daten Hubraum: 1390 cm³, Leistung: 60 PS, Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h • Preis ab 5000 Euro • AUTO BILD-Urteil: **** (max. fünf Sterne)

Autor: Ulrich Holzwarth

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