Vier getunte Mini Cooper S

Vier getunte Mini Cooper S Vier getunte Mini Cooper S

Vier getunte Mini Cooper S

— 17.09.2002

Maximale Minis

Der knuffige Mini Cooper S ist ein hübscher Kerl. Aber hat er auch die sportlichen Gene wie die rasanten Rallye-Renner von einst? Vier getunte Mini mit je rund 200 PS sagen laut und deutlich: ja!

Endlich nehmen mich die Mädels zur Kenntnis, aber ich weiß nicht, warum. Gelingt mir plötzlich das Schmunzeln eines Richard Gere? Nein? Oder vielleicht der laszive Augenaufschlag von Brad Pitt? Auch nicht? Dann muss wohl doch mein tägliches Training auf dem Joggingpfad und der Hantelbank sichtbar Früchte tragen. Fehlanzeige. Der Grund, warum sich die Hamburger Schönen plötzlich nach mir umdrehen: Ich habe mir eines der anziehendsten Blechkleider übergestreift, das die Autoindustrie derzeit in die Schaufenster stellt: den Mini Cooper S.

Eines der anziehendsten Blechkleider

Mini Cooper S von Schmidt: Auf der Autobahn geht er laut Tacho fast 240 km/h. Dafür geht sein Auspuff-Dröhnen dann aber auch durch Mark und Bein.

Süßer Blick, stämmige Beine, knackiger Hintern – der Mini platzt schier vor jugendlicher Frische und Energie. Für den Cooper S gilt das ganz besonders: Der trägt das rote "S" in den Seitengrills frech wie einen Ohrring. Und wirkt mit der Lufthutze in der Motorhaube und den kräftigen Schwellern noch großnäsiger und vorwitziger als alle anderen Mini. Dass das geballte Auftreten unserer vier getunten Cooper S mit bis zu 18 Zoll großen Rädern, knallroten Porsche-Bremsen (SKN) und tiefer gelegten Fahrwerken (alle) Aufsehen erregt wie ein voll besetzter Truck bei der Love Parade – kein Wunder.

Jede Kurve wird zum Hochzeitstanz

Keine Frage, hier ist Größeres entstanden als ein fades Designer-Spielzeug à la VW Beetle. Schön, dass die Tuner das zu würdigen wissen. Und den Original-Kurven weder mit dickeren Spoilern noch Schwellern zu Leibe rücken. Auch die Innenräume mit den bequemen Sportsitzen und dem riesigen Zentraltacho bleiben unberührt.

Doch wie betörend die Optik auch sein mag – von einem Mini erwarten wir mehr: Schließlich jagte der Cooper S in den Sechzigern von Rallye-Sieg zu Rallye-Sieg. Mini-Dompteure wie Paddy Hopkirk oder Rauno Aaltonen führten die damaligen PS-Größen nach Belieben vor. Fahrwerkmäßig werden die Erwartungen nicht enttäuscht. Alle Mini gehen so rasant um die Ecken, als hätten die legendären Rallye-Kämpen höchstpersönlich die Querlenker konstruiert. Mit dem Cooper S rollt man nicht über die Straße, man verschmilzt mit ihr: Jede Kurve wird zum Hochzeitstanz.

Doch ausgerechnet beim Herz des Autos, dem Motor, ging den Konstrukteuren offenbar die Puste aus. Der 1,6-Liter bringt das Benzin im Blut nicht in Wallung, daran ändert auch der Kompressor nicht viel. Zwar musste dem Rallye-Mini 1964 eine 1300er-Maschine genügen, aber der wog auch keine 1,2 Tonnen.

Sound wie ein Küchenmixer

"Die Leute hatten Tränen in den Augen", schildert Manfred Pollmüller von Digi-Tec dramatisch die Reaktionen von Kunden, als sie von ersten Probefahrten mit dem Serien-Kompressor zurückkehrten. "Ihr Resümee: 'Untenrum kommt nicht viel, nur heiße Luft.'" Können unsere vier getunten Exemplare Trost spenden? Dank modifizierter Motorsteuerung, geänderter Kompressor-Übersetzung für mehr Ladedruck und neuer Auspuffanlagen stehen Leistungswerte von mehr als 200 PS bereit. Damit sollte im Cooper S wieder ein Feuer brennen wie einst.

Am dicksten trägt der blaue Mini von SKN auf: "212 PS" prangt als Leistungsangabe in den Papieren – genug für eine E-Klasse. Besonders bei hohen Drehzahlen gebärdet sich der Kleine auch wild und ungestüm. Doch unterhalb 3000 Touren passiert relativ wenig. Wie auf der Autobahn: Viel mehr als die 218 km/h des Serien-Cooper S mit 163 PS schafft er laut Tacho kaum. Der Sound kann dafür nicht entschädigen: Sein Vierzylinder heult bei mittleren Drehzahlen wie ein Küchenmixer und bei hohen wie ein Zahnarztbohrer. Außerdem sorgten beim Testwagen massive Elektronikprobleme für Ärger – bis hin zum Totalausfall.

Akustik ist auch das Problem des Mini von Schmidt-Technik: Sein Auspuff-Dröhnen geht durch Mark und Bein – wenn es nach Abgasen riechen würde, müsste man annehmen, das Cockpit sei Teil des Auspuff-Resonanzraums. Auf der Autobahn geht der Schmidt laut Tacho fast 240 km/h. Und damit trotz bescheidener 195 PS insgesamt besser als der SKN. Meistens begnügt man sich aber mit 180 km/h – bei den dann anstehenden 4500 Touren bleibt der Auspuff relativ ruhig. Immerhin: Bei niedrigen Drehzahlen brummt dieser Mini so böse wie ein Maxi – obwohl natürlich kein V-Motor unter der Haube lauert, wie die hinten zweiflutige Auspuffanlage glauben machen will.

Der rote Überflieger von Digi-Tec

Die richtige Mischung macht's: Der Motor des Digi-Tec-Cooper leistet 219 PS. Maximales Drehmoment: 248 Newtonmeter.

Die Interpretation von Kelleners wirkt da schon durchzugsstärker und elastischer: Nicht die 208 PS sind sein Geheimnis, sondern die 255 Newtonmeter Drehmoment – der Kleine haut den Lukas wie Bud Spencer. Entsprechend souverän packt der Motor bei niedrigen Touren zu, ohne bei hohen schlappzumachen. Überraschend angenehm: Das sonore Brummen bleibt relativ zurückhaltend.

Eine runde Sache, der Mini von Kelleners. Doch auch er muss sich einem geschlagen geben: dem roten Überflieger von Digi-Tec, die dem Auto scheinbar eine Extra-Dosis Adrenalin eingespritzt haben. Wo andere kraftvoll zubeißen, langt er noch unerschrockener hin. Wenn andere in höchsten Touren jubeln, dreht er noch eine Spur weiter auf. Bei Beschleunigung, Elastizität und Höchstgeschwindigkeit stellt er die Konkurrenz klar in den Schatten – dieser Mini macht richtig Druck. Und alles ohne Gebrüll.

Doch es liegt nicht nur an der Leistung, dass dieser Maxi-Mini allen anderen die Rücklichter zeigt: Mit seinem Gewindefahrwerk turnt er über die Rennstrecke wie Kampfsport-Artist Jackie Chan. Wenn der Digi-Tec wie ein Quattro durch die Kurven fräst, kommt nicht mal der harmonische Kelleners hinterher. Die auch gut, aber unruhiger liegenden Schmidt und SKN auch nicht. Letzterem bringt auch Härte nichts: Während die anderen mit erträglichem Restkomfort aufwarten, fühlt man sich im SKN bald so durchgeschüttelt wie nach der ersten Judo-Stunde. Dafür ist er mit seinen 18-Zoll-Rädern der Blickfang Nummer eins.

Fazit und Technische Daten

Fazit Vier scheinbar ähnliche Mini mit je rund 200 PS – ist das nicht die gleiche Entscheidung wie die zwischen dem rechten und dem linken Riegel einer Schokolade? Weit gefehlt. Fahrgenuss ohne Ende bieten der schnelle, trotzdem kultivierte Kelleners und – allen voran – der Digi-Tec, der der Konkurrenz um die Ohren fährt, als hätte er mit der roten Farbe auch einige Ferrari-Gene abbekommen. Fahrwerk und Motor sind top, ohne die Leidensfähigkeit zu strapazieren. Der zu harte SKN und der dröhnende Schmidt verlangen da mehr Kompromissfähigkeit, ohne in irgendeiner Disziplin mehr zu bieten. Monströs bei allen: Volllast-Verbräuche von bis zu 20 Litern.

Testwerte und Preise

Der Digi-Tec-Mini hat in allen Beschleunigungstests die Nase vorn. Vor allem beim Zwischenspurt von 100 auf 200 km/h: Dort nimmt er seinen Kontrahenten bis zu vier Sekunden ab.

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