Vier günstige Cabrios

Vier günstige Cabrios Vier günstige Cabrios

Vier günstige Cabrios

— 12.07.2005

Sommerhits für je 17.000 Euro

Wirklich cool: 206 CC, Tigra TwinTop und C3 Pluriel sind die günstigsten Cabrios im Lande. Oder soll's doch ein gebrauchter SLK sein?

Mehr als nur Cabrio

Man muß keinen Sonnenstich haben, um komplett den Verstand zu verlieren. Manchmal reicht schon eine Cabrio-Tour nach langer Regenperiode. Mir war jedenfalls schnell klar: Diese Cabrios funktionieren nur in der Mehrzahl. Korrekt müßte es heißen: Die Opel Tigra TwinTop, die Citroën Pluriel, die Peugeot 206+ CC und die gebrauchten Mercedes SLK. Im Plural steckt meine ganze Bewunderung. Denn diese Autos fahren nicht nur als Cabrios durch die Gegend, sondern gleich als zwei Fahrzeuge in einem: Coupé und Cabrio.

Eine ganz eigene Grammatik entwickelte Citroën. Die Franzosen steigerten Plural zu Pluriel. Das viersitzige Multifunktionsfahrzeug gehört zu den Chamäleons unter den Cabrios. Oder anders gesagt: Es ist die Ente der Dotcom-Ära. Schön, daß es solche Exoten bei uns gibt. Zwischen geschlossenem Kleinwagen und bügelfreiem Vollcabrio "Spider" bietet der C3 zehn weitere Varianten an. Das elektrische Panorama-Faltverdeck ermöglicht es, jeden Sonnenstrahl mitzunehmen, aber auch jeden Regentropfen abzuwehren.

Voraussetzung dafür: Die Dachholme bleiben dran. Oder in der Garage. Denn der Pluriel gehört zu den wenigen Autos, die serienmäßig zerlegt werden wollen. Das funktioniert nicht immer reibungslos, die Elektrik reagiert schon mal mimosenhaft. Wie bei meinen Pluriel-Ausflügen vor zwei Jahren. Da verkantete die Heckscheibe, und das Dach bewegte sich kein Stück mehr. Jedes menschliche Versagen bestraft der Wagen hart. Zum Schluß kaufte ich Folie im Baumarkt – um Pluriel nicht im Regen stehenzulassen. Doch auch der Hersteller bietet eine Notabdeckung an. Kostet 150 Euro inklusive Schontaschen für die Dachbögen.

Lebensgefühl für Landstraßen

Doch Pannen mit dem Pluriel war gestern. In diesem Sommer lief glücklicherweise alles nach Plan. Das Stoffverdeck faltet sich per Knopfdruck auf die Heckscheibe, läßt sich anschließend mit wenigen Handgriffen rückwärts in den Kofferraum schwenken. Die Holme können gezogen werden, liegen aber mit zwölf Kilo pro Stück schwer wie Elefantenstoßzähne in der Hand. Wohin mit diesen Karosserietrümmern? Im Auto finden sie kaum Platz, die Bügel verschwinden im Keller, in der Garage, auf dem Balkon. Ersetzt werden sie durch festen Glauben an gutes Wetter.

Im Alltag habe ich aus Bequemlichkeit darauf verzichtet, die Bügel abzubauen. Außerdem klappert die Karosserie um so mehr, je weiter sich das Auto entblättert. Weil die B-Säule fehlt und der C3 kugelig statt aerodynamisch auf der Straße liegt, stürmt es schon ab Tempo 120 heftig in der Hütte. Spätestens auf der Autobahn wird klar: Ingenieure konstruierten den Pluriel fürs Savoir-vivre, für die Landstraße und das Flanieren in der Stadt. In Kurven neigt sich die C3-Variante fast wie die alte Ente, ihre Sitze sind groß und weich. Dazu paßt der 1,4-Liter-Benziner, der maximal 73 PS leistet und den Franzosen eher gemütlich nach vorn zieht. In Zahlen: 14,6 Sekunden vergehen von null auf 100 km/h. Auch der Schalthebel bewegt sich zäh.

Das bekommt Opels Fünfgang-Getriebe besser hin. Zwar hakelt es auch im TwinTop, der Knauf führt aber präziser durch die Gassen. Die Benziner beginnen bei 90 PS, der Basispreis liegt mit 16.895 Euro knapp über dem des Pluriel (16.190 Euro). Diese 700 Euro investierte Opel in die Materialien. Knöpfe, Schalter, Armaturenbrett liegen einfach besser in der Hand und fühlen sich solider an. Im TwinTop raschelt einfach nichts, auch nicht auf Kopfsteinpflaster. Zum Öffnen des Verdecks reicht es, die Handbremse anzuziehen, zwei Riegel zu lösen und ein Knöpfchen in der Fahrertür zu drücken. Und schon strippt sich das Dach in den Kofferraum. Rund 20 Sekunden später wölbt sich nur noch blauer Himmel über den Köpfen. Der Weg zum Coupé funktioniert genauso, der Film läuft dann rückwärts ab.

Werksangaben und Testwerte

So simpel der TwinTop funktioniert, so unvorteilhaft ist in meinen Augen sein Heck. Wie auch beim Peugeot 206 CC zwingt das Metalldach den Wagen breite Hintern auf. Nur der gebrauchte SLK steckt das Verdeck eleganter weg, aber der läuft hier ja als sieben Jahre alter Gebrauchter außer Konkurrenz. Mit 25 Sekunden öffnet sich der Mercedes zwar langsamer als Opel und Peugeot (20 Sekunden), dafür formvollendet. Den fetten Steiß entschuldigt Opel mit Alltagstauglichkeit. Bis zu 440 Liter Gepäck passen in den Kofferraum. Das entspricht drei Sporttaschen für zwei Erwachsene.

Im Gegensatz zum Pluriel zieht es im TwinTop auf der Autobahn kaum. Das liegt an der extrem weit ins Cockpit gezogenen Windschutzscheibe, die sich beinahe wie ein Motorradvisier um die Passagiere schmiegt. Und, ehrlich gesagt, viel zuviel vom Cabrio-Erlebnis wegfiltert. Den gleichen Trick spielt auch der 206 CC. Überhaupt wirken Peugeot und Opel seelenverwandt. Beide setzen auf das solide Blechdach zum fairen Preis, beide machen sich erst frei, wenn ein Trennboden im Kofferraum eingerastet ist. Nur daß Peugeot früher die Idee hatte, das Metalldach zum volksnahen Golf-Preis anzubieten.

Kosten und Ausstattungen

Vielleicht wirkt der 206 deshalb fragiler als der Opel, die Karosserie weicher, das Fahrwerk poltriger, weil Opel sich einfach mehr Zeit genommen hat, das System zu perfektionieren. Das spürt man vor allem, wenn der Straßenbelag schlechter wird. Der Tigra nimmt Asphaltrillen mit gelassener Straffheit, der Peugeot stößt böse auf. Die überwiegend weiblichen Kunden stören die Macken offenbar nicht. Der 206 CC verkauft sich wie geschnitten Brot (bislang zirka 60.000mal in Deutschland), im ersten Quartal 2005 häufiger als der Tigra.

Die AUTO BILD-Wertung

Was hat Peugeot, was Opel nicht hat? Beide sind dank ESP und vier Airbags sicher. Was dem Tigra fehlt, sind PS auf dem Papier und in der Praxis. Denn für 355 Euro mehr (17.250 Euro) gewinnt der 206-CC-Kunde 109 PS, 19 mehr als bei Opel. Die machen sich an der Ampel bezahlt, auf 50 km/h läuft der Franzose 1,2 Sekunden schneller. Darüber hinaus bietet er vier Sitze. Selbst wenn überwiegend Einkaufstaschen im Fond mitfahren – das "Was wäre, wenn mehr mitmüssen?"-Gefühl sitzt tief. Dann entscheidet der Plural. Und der lautet bei Peugeot: mehr Sitze und mehr PS für fast gleiches Geld.

SLK aus 2. Hand Alternative

Der SLK gehört zu den Musterknaben von Mercedes. Denn bei diesem Coupé-Cabrio klappt es mit der Qualität. Für 16.900 Euro haben wir diesen SLK 230 Kompressor, Baujahr 1998, bei der Niederlassung in Hamburg gefunden. Nach einer Probefahrt stand fest: Dieser SLK ist das Gelbe vom Ei. Zweifarbige Ledersitze, Radio, Automatik, Sitzheizung, 193-PS-Kompressormotor – und das alles für den Preis eines Pluriel oder Peugeot 206 CC.

Neuwagen-Fans werden jetzt sagen: Es bleibt ein Wagen aus zweiter Hand, dieser Mercedes fährt ja schon seit sieben Jahren durchs Leben. Dafür aber ziemlich erfolgreich: Der TÜV belohnt den SLK regelmäßig mit Goldmedaillen, er schneidet im jährlichen Auto-Report von AUTO BILD stets besser ab als der Durchschnitt.

Das Fahrwerk bemüht sich um einen Kompromiß zwischen sportlich und komfortabel, die Karosserie ist super verwindungssteif. Alle wichtigen Sicherheitsfeatures sind an Bord: ESP (seit 2000 Serie), ABS, zwei Front- und Seitenairbags (ab 1998). Leider ist der SLK kein Geheimtip mehr: Er wird hoch gehandelt – und ist trotzdem schnell verkauft.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Opel Tigra TwinTop, Peugeot 206 CC und Citroën C3 Pluriel. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Margret Hucko

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.