Vier kleine Knaller im Test

Cooper S – Corsa OPC – 207 RC – Polo GTI Cup Edition Cooper S – Corsa OPC – 207 RC – Polo GTI Cup Edition

Vier kleine Knaller im Test

— 18.05.2007

Steiler Aufstieg

Vom smarten Einkaufskorb zum harten Sportgerät: Kleinwagen der Extraklasse drängeln sich nach vorn. Vergleich Opel Corsa OPC gegen Mini Cooper S, VW Polo GTI Cup Edition und Peugeot 207 RC.

Die Werbung bejubelte ihn als "schnellsten Volkswagen aller Zeiten", VW selbst sprach vom "jungen Wilden". 1976 war das, und gemeint ist der Golf GTI. Eine 110-PS-Rakete aus einer Zeit, die in Wolfsburg noch 50-PS-Käfer mit Heckantrieb vom Band laufen sah. Okay, das ist über 30 Jahre her, intakte Einser-Golf mit GTI-Emblem in rot umrandeter Frontmaske und am Heck sind inzwischen rare Sammlerstücke. Doch lebendig geblieben ist der Geist des GTI. Nur spukt der heute längst in anderen Gehäusen. Zum Beispiel im neuen Opel Corsa OPC. Beim stärksten Corsa sorgen satte 192 PS für einen gehörigen Karrieresprung. Damit überflügelt er den nächststärkeren Deutschen deutlich: VW presst aus einem Polo 180 PS, nennt das Ganze GTI Cup Edition – als Erinnerung an die gleichnamige Motorsport-Serie. Einen kaum schwächeren Kandidaten schickt Mini ins Rennen. Der neue Cooper S präsentiert 175 putzmuntere Turbo-PS, und genauso stark fährt auch Frankreichs kleiner Kracher vor, der Peugeot 207 RC 175 THP – übrigens mit dem gleichen Motor.

Vom Einkaufskorb zum Sportgerät: Motoren und Antriebe

Aus einer Kooperation zwischen BMW und PSA stammt das starke Herz vom Mini und vom 207 RC. Vollgestopft mit neuester Einspritz- und Turbotechnik, macht der aufgeladene 1,6-Liter-Vierzylinder beiden mächtig Beine. Vor allem, weil der kräftige Direkteinspritzer mit 240 Newtonmeter Drehmoment bereits bei 1600 Touren zupackt. Bei durchgetretenem Gaspedal steigert sich das Drehmoment dank einer Overboost-Funktion zudem auf 260 Newtonmeter. Gleichzeitig dreht der kleine Kraftklotz quirlig hoch, zeigt sich auch im oberen Drehzahlbereich noch unnachgiebig bissig. Dabei geht dieser potente 1600er im Mini noch angriffslustiger zu Werke. Grund: Durch ein präzise geführtes, leicht schaltbares Sechsganggetriebe liegt das Drehzahlniveau höher als beim 207 RC, der mit fünf – relativ unsauber zu schaltenden – Gängen auskommen muss.

Beim Beschleunigen wirkt der Opel druckvoll – aber auch unharmonischer als die Konkurrenz.

Neben dem subjektiv spontaneren Antritt schlägt sich das auch in Zahlen nieder. Den Standard-Sprint auf Tempo 100 meistert der Cooper S ebenso um einige Zehntelsekunden schneller wie den Zwischenspurt im fünften Gang. Auch scheinen sich die Mini-Macher mehr Mühe bei der Geräuschdämmung gegeben zu haben. Im Cooper S klingt der 1600er entspannt und zurückhaltend, im 207 hört sich die identische Maschine weitaus angestrengter an. Noch aufgeregter arbeitet der 1,6-Liter des Corsa OPC. Laut, heftig, gierig – nach bester (altmodischer) Turbo-Manier fallen die maximalen 266 Newtonmeter (ebenfalls per Overboost) erst nach einem kurzen Luftholer über das kleine Auto her. Beim Beschleunigen wirkt das subjektiv aufregend druckvoll – aber eben auch deutlich unharmonischer als bei den Turbos von Peugeot und Mini. Schlimmer noch: Letztendlich kann der nominal stärkste Typ in diesem Vergleich trotz Sechsganggetriebe und sauberer Schaltführung die Konkurrenten im Sprint von null auf 100 keineswegs abhängen. Auch dem zwölf PS schwächeren Polo fährt der Corsa kaum davon. Immerhin bis Tempo 130 kann der hubraumstarke VW mithalten, bei der Höchstgeschwindigkeit liegen Opel und VW Kopf an Kopf. Spaßfaktor beim Polo: Die saubere Schaltung und der zumindest bis in die mittleren Drehzahlen dumpfe, wenn auch synthetisch erzeugte Klang des Ladeluftsystems.

Kraft haben die Kleinen also genug, aber kommt die auch auf der Straße an? Im Verhältnis zu seinem PS-Wert enttäuscht hier der Opel. Die ungestüme Leistung überfordert ganz klar den Vorderradantrieb. In den unteren Gängen zieht und zerrt es beim Beschleunigen heftig an der Vorderachse, beim Spurten ist keine gerade Linie möglich. Überhaupt wirkt der OPC nervös und fahrig im Geradeauslauf. Die um die Mittellage extrem direkt ansprechende Lenkung braucht Gewöhnung und eine ruhige Hand – sonst bleibt der Opel keinen Meter sauber in der Spur. Beim schnellen Kurvenwetzen ist das ein Vorteil: So spontan lenkt kein anderer hier. Allerdings mischt sich das ESP gern ein, raubt Tempo. Bei langsamer Fahrt federt der OPC steif. Kommen wir zum Peugeot: Der 207 hat praktisch keine Federung, knallt erbarmungslos über jede Gullydeckelkante. Das ist Absicht.

Wie viel Spaß machen die Mini-Sportler?

Aufgemotzt: Der Polo GTI kommt mit Karosserieteilen von der Rennstrecke.

Der RC ist kompromisslos auf sportliche Fahrweise abgestimmt. Entsprechend geht er auch ums Eck. Ansatzlos, präzise, beherrschbar. Nur die Lenkung könnte direkter sein, auf weniger Ausschlag reagieren. Top: die Bremsen des 207 RC. Mini macht's noch besser. Bei der Lenkung stimmt das Verhältnis aus Rückstellkräften und Einschlagwinkel. Trotz harter Federung rollt der Cooper S noch passabel über Fahrbahnkanten und Bodenwellen, benimmt sich gleichzeitig stabil und beherrschbar im Grenzbereich. Seine schmalen Reifen kosten jedoch Grip. Im neutral abgestimmten VW nerven hektische Karosserieaufwärtsbewegungen bei hohem Tempo und Stöße im Lenkrad. Schade: Die beim Turboschub oft einschreitende Antriebsschlupfregelung (ASR) raubt Kraft, und beim Bremsen liegt der VW hinten. Bis hierher viele nüchterne Zahlen – was in dieser Klasse aber ebenfalls zählt, ist der große Auftritt. Opel zeigt, wie man sportliche Kunden ködert.

Im Innenraum stehen alle Zeichen auf Rennstrecke. Die hervorragend stützenden Schalensitze, der konturierte Lederlenkradkranz oder die blau schimmernden Anzeigen stünden auch einem reinrassigen Sportwagen. Außen hat Opel den Corsa OPC ähnlich konsequent geschmückt. Mächtige Schürzen, markante Schlitze in den Stoßfängern oder das dreieckige Auspuffendrohr übermitteln die glasklare Botschaft: Ich bin schnell. Weniger grell, aber mit ähnlich eindeutiger Aussage steht der Polo da. Die Karosserieteile aus dem Cup-Rennwagen schlagen optisch eine Brücke zum Motorsport. Innen aber geht das aktuelle Schlafstudio auf Sendung. Außer ein paar roten Ziernähten an Lenkrad und Gurten sowie Alu-Imitat herrscht eher Langeweile.

Peugeot hat ebenfalls wenig unternommen, den 207 RC fürs Fahrerauge optisch schnell zu machen. Die Karosserieänderungen fallen bis auf den großen Heckspoiler und den markanten Doppelauspuff wohltuend dezent aus, im Cockpit des RC setzen Chromringe um Drehzahlmesser und Tachoanzeige Akzente. Auch wenn die stark ausgeprägten Schalensitze auffallen – so sportlich, wie sie aussehen, sind sich nicht. Die Wangen von Fläche und Lehne sind zu weich gepolstert. Mini versucht gar nicht erst Showeffekte. Die Sitze mit hellen Kedern könnten auch aus einem restaurierten Oldtimer stammen, das Cockpit hat eher Playmobil-Charakter als das Flair eines Sportwagens. Außen das gewohnte Mini-Programm: eine kleine Hutze auf der Haube, kecker Flügel an der hinteren Dachkante und Doppelendrohr. Weiße Zierstreifen gibt's gegen Aufpreis.

Kosten und Nutzen

Beim Preis geschummelt: Dem Mini Cooper S fehlt einiges an Ausstattung.

Für den kleinen Fahrspaß zwischendurch taugen die vier Kleinen also ohne Zweifel. Doch gilt das auch im Alltag? Beim Mini in Maßen. Er ist eben – trotz brauchbaren Raumgefühls – sehr klein, sein Kofferraum schluckt wenig Gepäck. Letzteres bessert sich auch nach Umlegen der kleinen Sitzlehnenhälften kaum. Verbrauch und Unterhaltskosten des Cooper sind okay. Der niedrige Grundpreis ist dagegen geschummelt. Dem Mini fehlen beispielsweise 17-Zoll-Alus, DSC (ESP), Klimaanlage und beheizte Spiegel zum Polo. Insgesamt verteuern diese Extras das Kultmobil um rund 1700 Euro. Polo-Besitzer müssen zum höchsten Grundpreis zusätzlich mit heftigen Fixkosten rechnen, und sie dürften sich später über den Verbrauch von mehr als neun Liter Super plus ärgern. Dafür stimmen die Alltagsqualitäten des Polo GTI Cup Edition. Und das Platzangebot ist ordentlich, Zuladung und variabler Kofferraum erleichtern den Großeinkauf. Ähnlich macht es Opel. Vom Konzept her bleibt der OPC ein typischer Kleinwagen – mit brauchbaren Innenraummaßen und variablem Kofferraum. Die Übersichtlichkeit lässt allerdings zu wünschen übrig. Und günstig ist der geölte Blitz auch nicht gerade. Sein Grundpreis liegt nur rund 500 Euro unter dem des Polo, und der Verbrauch ist mit 9,6 Liter Super schon recht heftig. Peugeot liefert am meisten Auto fürs Geld. Vor allem, weil trotz kleinstem Grundpreis reichlich Komfort- und Sicherheitsextras an Bord sind. Bescheiden fällt die Zuladung (335 Kilo) aus, zu hoch hingegen der Verbrauch: Mit 8,8 Litern liegt der flotte Franzose deutlich über dem Mini.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

Wenn ich wählen dürfte, würde ich den auffälligen Corsa mit dem furiosen Antrieb des Cooper S, dem Klang des Polo und dem präzisen Fahrwerk des 207 nehmen. Weil es diesen Mix aber nicht gibt, bleibt nur der Kompromiss. Und hier bietet der Mini das beste Paket. Er begeistert als Sportwagen und Prestige-Bömbchen gleichermaßen – sodass sich die Schwächen im Alltag verschmerzen lassen. Der Corsa macht Spaß, fordert aber auch reichlich Einsatz vom Fahrer – Platz zwei. VW ist schlichtweg zu teuer, Peugeot fehlt der Komfort.

Autor: Jan Horn

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