Vier kernige Kompakt-SUV

Für das kleine Abenteuer – vier Kompakt-SUV im Vergleich Für das kleine Abenteuer – vier Kompakt-SUV im Vergleich

Vier Kompakt-SUV im Vergleich

— 30.05.2006

Fürs kleine Abenteuer zwischendurch

Einfach mal ausbrechen, dafür stehen kompakte SUV. AUTO BILD verglich den neuen RAV4 mit Kia Sportage, Nissan X-Trail und Suzuki Grand Vitara.

Die große Mode kommt aus Asien

Englisch ist auch nicht mehr das, was es mal war: die Sprache, die Neues genial einfach benennt. Rock'n'Roll – das sagt doch alles. Jeans, Bar, Surfen. Alles Wörter, die klar klingen und die jede Übersetzung überflüssig machen. Und nun kommen die SUV. Was, bitte?

SUV (das ist die Abkürzung für "Sport Utility Vehicle") heißen die Geländewagen mit Asphalt-Abitur. Bis heute stolpert uns das "SUV" über die Lippen, weil wir partout kein deutsches Wort für diese neue Art von Auto finden. Sie sind Mamis modischer Kombi-Ersatz, der Liebling der Rückenkranken, die Helden der Senioren, das kleine Abenteuer zwischendurch.

Und die große Mode. Diesen Trend haben Europas Hersteller lange verschlafen. Denn bei den bezahlbaren SUV – unterhalb der Nobelklasse – tummeln sich nur Asiaten. Allen voran der neue Toyota RAV4, den wir im Vergleich mit Kia Sportage, Nissan X-Trail und Suzuki Grand Vitara auf Spurensuche geschickt haben. Was macht sie so beliebt? Und was können die aktuellen SUV – nicht im Gelände, sondern im alltäglichen Leben?

Der X-Trail gehört zum älteren Semester

Es tut sich eine Menge in dieser wachsenden Nische, das erkennt man am fünf Jahre alten Nissan X-Trail, dem früheren Dauersieger bei AUTO BILD. Der kantige Allradler bringt so ziemlich alles mit, was diese Autogattung beliebt macht: den urigen Auftritt, viel Blech, einen sparsamen 2,2-Liter-Diesel und den bequemen Einstieg auf die hohe Sitzposition, den nicht nur Frauen und ältere Semester schätzen (los Männer, gebt es endlich zu!). Die Amis nennen das command position, was wir sofort verstehen. Da oben bin ich King! Der Thron im X-Trail steht vielleicht etwas zu hoch, dafür genieße ich durch die hohen Scheiben eine gute Sicht zumindest nach vorn und zur Seite.

Innen gibt es Platz wie in einem kompakten Kombi, überall Ablagefächer für jeden Krimskrams und im Kofferraum einen Hauch von Abenteuer. Auf dem Ladeboden liegt Kunststoff statt Teppich – da rutschen die Sprudelkisten, aber Dreck läßt sich mit dem Lappen rauswischen. Kommt halt drauf an, was man einlädt.

Der knurrige Diesel von Renault bringt den immerhin 1640 Kilo schweren Brocken ganz ordentlich in Schwung, echte 180 km/h Spitze auf der Autobahn lassen den Nissan gleichberechtigt mitschwimmen. Das Ganze bei durchaus erträglichen 7,7 Liter Testverbrauch – so bleibt der Preis fürs kleine Abenteuer halbwegs erträglich.

Ärgerlich, daß der X-Trail hier und da klappert und die Qualität seit 2001 eher schlechter als reifer geworden ist. Noch ärgerlicher, daß ESP in der Grundversion fehlt – das größere Gewicht und der hohe Schwerpunkt eines SUV sind beim plötzlichen Ausweichmanöver schwerer zu kontrollieren als im Pkw. Kommt dazu noch die kissenweiche Lenkung des X-Trail, vielleicht Regen oder gar Eis – schon schlägt das vermeintliche Sicherheitsgefühl in der Blechburg schnell in Angstschweiß um.

Nur 350 Kilo Zuladung im Suzuki

Da macht der günstige Kia Sportage (26.465 Euro) mit dem serienmäßigen Schleuderschutz eine bessere Figur. Der junge Koreaner liegt voll im Trend: weniger Rauhbein, mehr ein modernes, variables Raumauto. Keiner bietet mehr Platz. Hinter dem weggerückten Cockpit atmet man gelassen durch und freut sich an vielen praktischen Ideen. Die Welt der Knöpfe ist angenehm übersichtlich, die Rücksitzlehne fällt mit einem einzigen Handgriff zur glatten Ladefläche um, und nur im Sportage läßt sich das Heckfenster getrennt öffnen, um mal die Sporttasche hineinzuwerfen.

Na ja, die schräge Dachlinie kostet Kofferraum (selbst ein Golf hat mehr als die 332 Liter bei stehenden Rücklehnen). Und ein Designurteil sei gestattet: Die Radausschnitte, rund und eckig zugleich, sehen aus wie mit der Laubsäge gestaltet. Die Einrichtung mit viel hartem Plastik ist dafür klapperfrei und grundsolide. Reicht doch! Ebenso wie die Fahrleistungen des 2,0-Liter-Diesel, der zwar auf dem Papier ein paar unwichtige Zehntel langsamer rennt, dafür im Alltag mit der schönsten Laufruhe und einer sanften Kupplung verwöhnt.

Was ein nervenschonender, moderner Selbstzünder wert ist, zeigt als Gegenbeispiel der Bauerndiesel im Grand Vitara. Ein rauher Nagler, der eher zäh hochdreht und auf der Autobahn ab 150 km/h nur noch langsam zulegt. Im Suzuki lebt halt das Erbe seiner kernigen Geländeahnen wie LJ 80 und Vitara weiter. Schwergängig die Schaltung, straff die Federung – der Grand Vitara schmeckt schon auf Asphalt nach Dschungel. Als einziger besitzt er außer dem sperrbaren Mitteldifferential noch eine Geländeuntersetzung, die auch beim Ziehen schwerer Anhänger hilft.

Ausgerechnet diesen rauhen Kern haben die Japaner in ein modernes, geräumiges Kleid gepackt. Die glatte Front hat Suzuki scheinbar beim Toyota abgekupfert, die Sitze sind die besten im Vergleich. Vor allem der Fond mit den ausladenden Polstern ist so geräumig, daß Erwachsene sich ausgiebig lümmeln oder Mütter sich freuen können, wenn der Nachwuchs bequem einzuladen ist. Daß die umgeklappte Rückbank sperrig hinter den Vordersitzen steht und den Kofferraum auf knappe 1386 Liter begrenzt, damit kann man zur Not leben. Nicht jedoch mit 350 Kilogramm Zuladung – auf Urlaubsfahrten ein Witz. Da muß Suzuki dringend nachbessern.

Kosten und Ausstattungen

Wie's besser geht, zeigt der RAV4. Der lädt 540 Kilogramm zu, ein Hebel im Kofferraum legt die Rücksitze um, fertig ist der Umzugswagen. Toyota hat bei der dritten Auflage seines Trendsetters konsequent alte Schwächen beseitigt. Der neue RAV ist sicherer (als einziger mit serienmäßigem Knieairbag), geräumiger und variabler. Nur im Toyota läßt sich die Rückbank getrennt um 16,5 Zentimeter längs verschieben, was entweder Knien oder Koffern mehr Platz einräumt – wären da nur nicht diese Mini-Stühlchen mit den viel zu tief angebrachten Kopfstützen!

Trotz seines Wachstums ist der RAV4 ein leichtfüßiges Spaßgerät geblieben. Das ist das SUV, das man nach ein paar Kilometern flott um die Ecken wirft, weil man seine Größe vergessen hat. Das liegt sicher auch am flotten Diesel, der bis an die 5000 Touren dreht und auf der Autobahn mit etwas Anlauf Tacho 200 rennt. Wozu den stärkeren Diesel-Bruder mit 177 PS anschielen? Der kleine reicht völlig, fehlt nur der Rußfilter (kommt Ende 2006 ).

Also ein rundum sonniges Abenteuerchen? Nein, denn die Kupplung unseres Testwagens schnappte beim Einrücken so bissig zu, daß ich den RAV4 mehrmals abgewürgt habe. Was in der Stadt genauso stört wie das weiterhin zu straffe Fahrwerk, das auf Asphaltflicken das Vergnügen trübt. Genau wie der Preis, den das kleine Abenteuer zwischendurch kostet. Vor allem Umsteiger vom Pkw spüren schmerzhaft den SUV-Aufschlag. Mit 25.990 Euro verlangt Suzuki am wenigsten, dafür schlägt die Versicherung bei der Vollkasko-Klasse zu. Andererseits zählt ein RAV4 zu den wertstabilsten Modellen auf dem Gebrauchtmarkt. Jedenfalls werden die SUV schneller beliebt, als wir Deutsche ein Wort für sie finden. SUV – daran werden wir uns noch gewöhnen.

Fazit, Werksangaben, Testwerte

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat: "Alles wie gehabt? Der RAV4, zuletzt Bestseller bei den boomenden SUV, gewinnt den Vergleich, weil er sicher, variabel und wertstabil ist. Keine Glanzpunkte, aber diese Autos müssen heute alles können, und da liegt der Toyota wieder vorn.

Neu ist die starke Konkurrenz. Kia bietet das größere, luftigere Auto zum günstigeren Preis, bei der Qualität haben die Koreaner inzwischen gleichgezogen. Der Suzuki macht einen großen Sprung zum Familien-SUV, das nur sein lauter Motor bremst. Und der X-Trail, mit dem stärksten Motor angetreten, wird die Freunde kerniger Optik begeistern. Daß unser Ex-Dauersieger so zurückfällt, zeigt den Fortschritt in dieser Klasse. Hier wird künftig noch viel passieren."

Kommentar und Wertung

Kommentar von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat: "Sie sind teurer, schwerer, durstiger, unhandlicher. Trotzdem boomen SUV. Käufer mögen das hohe Sitzen, vor allem, wenn es erschwinglich wird – diesen Trend haben Europas Hersteller verschlafen. Bei Opel kommt erst jetzt der Antara. VW und Mercedes bringen das erste Kompakt-SUV 2007. Der BMW X3 tritt in einer anderen Preisliga an. Dabei ist für die Deutschen viel zu holen: Die Asien-SUV schwächeln bei Komfort, Lenkung und Feinabstimmung. VW und Co können hier aufholen und überholen – wie vor Jahren bei den Vans."

Der Test aus der Sicht einer Frau



Frauen fahren gern SUV, wegen der Sicht und der (gefühlten) Sicherheit. Und Frauen sehen Autos anders. Deshalb hat AUTO BILD die Fotochefin von BILD DER FRAU, Brita Matthiesen, gebeten, sich die vier SUV einmal näher anzusehen.

Also, Brita, was gefällt dir am besten? "Die Sitzposition und die Armstütze im Suzuki", sagt Brita Matthiesen. Wie? "So ein Auto fahre ich nicht schnell, da will ich's gemütlich haben." Deshalb fallen beim Nissan der Mitteltacho ("ist doch kein Sportwagen") und die geringe Kopffreiheit durch. "Die Türfächer reichen nur für Tempos, aber der Kofferraumboden ist gut für Hunde oder Kinderwagen. Ich mag lieber abwischen als aussaugen!"

Rein in den Kia. "Schön, wenige Knöpfe. Je schlichter, desto besser." Die hintere Rücklehne fällt mit einem Klack um, "da kann ich ja drin schlafen". Brita fährt Geschicklichkeits-Wettbewerbe mit ihrem alten Mitsubishi Pajero, dazu gehört anscheinend Übernachten. "Mein Motor ist lauter als der Diesel im Kia!" Aber diese Lederfarbe ... Kopfschütteln. Frau Matthiesen legt den rechten Arm in Schalt-Haltung auf die Stütze in der Mittelkonsole – zu tief. Nein, der Kia wird nicht ihr Favorit.

Vielleicht der RAV4? "Ich finde ihn schöner, geschmeidiger als den alten. Das sind ja keine Geländewagen, dann sollten sie auch nicht so aussehen." Gelungen das doppelte Handschuhfach, aber dessen Kante zielt an der Beifahrerseite auf Britas Knie. Nee, heißt es auch bei den Rücksitzen ("könnten vom Flohmarkt sein") und dem aufgesetzten Reserverad. "Ich hasse diese Abdeckung, das ist doch der erste Kandidat für Lackkratzer." Hört, hört, ticken Frauen etwa doch nicht sooo anders als Männer?

Nein, ihr Liebling bleibt der Grand Vitara. Da passen die 17-Zoll-Räder zur Autogröße, und die kleine Ladekante nennt Brita "einen Schutz gegen Rausrutschen". Das Plastik der Mittelkonsole findet sie zwar billig, dafür versöhnt der Cupholder – weil sein Deckel verhindert, daß er zustaubt. Frauen sehen's eben doch anders. Danke, Brita!

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Kia Sportage 2.0 CRDi LX, Nissan X-Trail 2.2 dCi Comfort, Suzuki Grand Vitara 1.9 DDiS Club und Toyota RAV4 2.2 D-4D. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Joachim Staat

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