Citroën C4 – Honda Civic – Mazda3 – Seat Leon

Citroën C4 – Honda Civic – Mazda3 – Seat Leon Citroën C4 – Honda Civic – Mazda3 – Seat Leon

Vier Kompakte im Vergleich

— 02.02.2006

Golf mal anders

Wer Kompaktklasse sagt, denkt meist an Golf. Doch es muß nicht immer das Wolfsburger Original sein. Auch andere Trainer haben talentierte Golfer in ihren Reihen.

Golf muß nicht uncool und steif sein

Golf? Das ist weder nur ein Sport, noch einfach nur ein Kompaktwagen. Mit Golf demonstriert man eine Lebenseinstellung. Sowohl auf dem Green als auch auf der Straße. Was mich an beidem stört: Golf ist irgendwie uncool und steif. Dabei muß das gar nicht so sein. Crossgolfer zum Beispiel betreiben diesen Sport viel spannender. Sie schlagen den kleinen weißen Ball ganz unkonventionell zwischen Bürohochhäusern oder auf der Baustelle ab. Und auch bei den Autos gibt es Hersteller, die Golf mit deutlich mehr Pep spielen. Citroën C4, Honda Civic, Mazda3 Sport und Seat Leon melden sich bei uns zur alternativen Golftour.

Bei den Klamotten gibt der Civic eindeutig den Ton an. Abgefahrener und futuristischer als der Japaner dreht keiner seine Runden. Und obwohl er mit 4,25 Metern der Kürzeste auf dem Platz ist, läßt sich das Golfgeschirr hier am leichtesten einladen. Dank des in zwei Höhen einsetzbaren Ladebodens und des pfiffigen Ein-Hand-Klappmechanismus der Fondbank schluckt der Kofferraum gewaltige 456 bis 1352 Liter. Macht rein rechnerisch immerhin bis zu 33.800 Golfbälle (die aber rund 1,5 Tonnen wiegen würden) – davon können die anderen nur träumen.

Die Handicaps des erfrischend anderen Looks merke ich bei der ersten Anprobe. Die Sitze bieten nur mäßigen Seitenhalt, groß gewachsenen Civic-Golfern fehlt es vorn wie hinten an Kopffreiheit. Mein Tip: Wenn Sie etwas größer sind, verzichten Sie auf die Executive-Ausstattung mit großem Panorama-Glasdach und elektrischem Verdunkelungsrollo. Das bringt ein paar Zentimeter mehr Luft überm Scheitel. Ein echter Fehlschlag: Die Rundumsicht gleicht dem Ausblick aus einem tiefen Sandbunker.

Viel Platz unterm dynamischen Seat-Outfit

Wobei auch die anderen drei Alternativ-Golfer nicht gerade mit idealer Übersichtlichkeit verwöhnen. Bei Seat steckt unterm dynamischen Pelz aber zumindest viel Platz. Die beiden Leon-Piloten fühlen sich bestens untergebracht, auch wegen der sportlich geformten Sitze. Selbst hinten herrscht kein Kuschelzwang, es reist sich recht angenehm – nur der Civic bietet noch ein paar Zentimeter mehr Knieraum. Glänzen kann der Seat mit seiner klaren, funktionalen Einrichtung. Alles sitzt da, wo ich es erwarte. Obwohl Design-Spielereien wie bei Civic und C4 fehlen, sieht der Seat keineswegs langweilig aus. Beim Gepäck landet der Leon dann allerdings neben dem Fairway.

Den Golfbag mal eben lässig in den Kofferraum werfen? Geht nicht. Die kleine Luke und eine hoch aufragende Ladekante erfordern Kraft und Geschick. Zusätzlich klappt auch nur die Lehne geteilt. Das maximale Ladevolumen bleibt mit 1166 Litern eher bescheiden. Noch enger wird es für Golfer nur im C4. Der stimmig gezeichnete Franzose opfert dem Design viel Raum, kann nicht wirklich mit Transport-Talent glänzen. Nirgendwo sitze ich trotz ordentlicher Polster unbequemer, bei keinem zwickt es im Rückraum so sehr an den Knien. Das ist eher Mini-Golf, zumal auch der Kofferraum (trotz ausbaubarer Sitzflächen) am kleinsten ausfällt.

Wer aber unbedingt das eigene Elektro-Golfcart mitnehmen will, der darf sich über 1550 Kilo Anhängelast freuen – mehr zieht in diesem Feld keiner. Innen empfangen mich Extravaganz und ungewöhnliche Details – Citroën möchte wieder Avantgarde sein. So steht die Nabe des Lenkrades fest, es dreht sich nur der Kranz. Ein Vorteil, weil der Airbag immer gleich und optimal positioniert ist. Nur schade, daß die Franzosen gleichzeitig reichlich Knöpfe übers Lenkrad verteilen, die zumindest eine gewisse Eingewöhnung erfordern. Was für den Civic natürlich ganz ähnlich gilt.

Mazda3 mit Abstrichen in der Variabilität

Der Mazda begegnet uns dann wieder mit einem klaren Layout und Alfa-ähnlichem Ambiente. Rötlich schimmernde Instrumente mit hängenden Zeigern, moderne Mittelkonsole, griffiges Dreispeichen-Lenkrad – der 3er wirkt eher wie eine trendige Szenebar als ein traditionelles Clubhaus. Zum Wohlfühlen tragen auch die bequemen Sitze und das gute Platzangebot bei. Zugegeben, hinten könnte es für mich Lulatsch (1,97 m) ruhig noch ein bißchen mehr sein, beim großzügigen Kofferraum versöhnt der Japaner aber wieder. Zwei Schlägersets sollten bei 340 Litern kein Problem sein, die flache Ladekante und eine große Ladeluke machen das Verstauen so simpel wie einen Zehn-Zentimeter-Putt.

Nur schade, daß die Variabilität eher stiefmütterlich behandelt wird. Außer der Lehne klappt hier gar nichts, danach bleibt eine störende Stufe – das gibt einen Strafschlag. Auf die Siegerstraße bringt ihn wieder der Zweiliter-Motor. Angenehm gleichmäßig und unaufgeregt schieben die 150 PS den Mazda an, beschleunigen ihn flott und lassen mich auch beim Überholen nicht im Stich. Der Vierventiler läuft rund und schwungvoll, fordert mit 8,8 Litern auf 100 Kilometer nicht zu viel Startgeld und harmoniert gut mit der ordentlichen Fünfgangschaltung.

Fünf Gänge bietet auch der Citroën, dazu 140 PS und immerhin 200 Nm Drehmoment. Doch was der Franzose daraus macht, ist mit den Ambitionen eines Profi-Golfers nur schwer vereinbar. Auf seine Mitspieler verliert der Franzose schon bis Tempo 100 eine volle Sekunde. Die Schaltung hakelt sich eher mühsam durch die Gänge, und der lang übersetzte fünfte Gang vereitelt den spritzigen Antritt bei hohem Tempo. So wird das nichts mit dem Turniersieg.

Ohne hohe Drehzahlen geht im Civic wenig

Seltsam, denn subjektiv hatte ich den Zweiliter als dynamischen Spielertyp eingeordnet. Doch dieser C4 Exclusive befindet sich nicht in Topform, schleppt dank üppiger Ausstattung einige Extrakilo über den Platz. Und wo die Begrenzer der anderen mal eben bis zu 7000 Touren zulassen, taucht der C4 seinen Tourenzähler schon ab 6200 Umdrehungen in warnendes Rot und regelt kurz danach unbarmherzig ab. Bei Honda vertraut man dagegen nur auf eines: Drehzahl. Und so muß der Civic 1.8 denn auch ordentlich rangenommen werden. Wer weder den roten Bereich noch einen brüllenden Motor scheut, der fährt mit 140 PS und manierlicher Sechsgangschaltung ganz vorn mit.

Doch wehe, ich möchte eher untertourig über den Platz bummeln. Dann erweist sich das schwächste Drehmoment im Feld als echtes Hindernis – da könnte ich zum Abschlag auch den Putter nehmen. Recht mühsam dreht der Vierventiler aus dem Keller hoch, erreicht nur mit langem Anlauf seine Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h und wird auf dem Weg dorthin laut. Bei dieser Spielanlage verwundert mich nur der günstige Verbrauch von 8,4 l/100 km – Bescheidenheit ist in Golferkreisen doch eher selten, oder? Der spanische Golf-Bruder weiß das am besten und langt denn auch richtig hin. Satte 9,9 Liter nimmt der Benzindirekteinspritzer auf 100 Kilometer, natürlich vom teuren Super plus. Nur wer schon reichlich Preisgeld eingefahren hat, kann sich das leisten.

Ansonsten spielt der Zweiliter temporeiches und schwungvolles Golf vom Feinsten. Das sonore Auspuffbrabbeln ist kein leeres Versprechen, sondern eine Kampfansage. Über das gesamte Drehzahlband geht der Leon nach vorn, als warte am 18. Loch eine feurige Spanierin auf ihn. Entspannt flippere ich durch die sechs Gänge, genieße stets einen kraftvollen Abschlag. Diese 150 PS erweisen sich als perfekter Partner, lassen mich nie hängen und treffen immer ins Grüne – sorry, ins Schwarze natürlich.

Das C4-Fahrwerk verliert mit großen Rädern

Daß alle vier Tour-Teilnehmer sportliche Ambitionen besitzen, beweisen sie mit ihren Fahrwerken. Stramm geht es hier zu, dank elektronischem Schleuderschutz ESP (bei allen Serie) auch sicher – aber leider nicht immer komfortabel. Kein Wunder, außer dem Seat tragen hier alle 17-Zoll-Schuhwerk. Der Civic rollt dabei recht geräuschvoll und ziemlich steif ab, läuft Spurrillen nach wie ein Golfball dem Rasenwuchs. Diese Abstimmung dürfte Familien kaum überzeugen.

Auch der C4 verliert über die großen Räder, gibt Querfugen wenig gefiltert nach innen weiter und wirkt auf der Autobahn nervös. Schade, denn die Grundabstimmung des Fahrwerks scheint mir durchaus gelungen. Was Interessenten aber nicht wirklich tröstet, denn zu den 140 PS gehören die 17-Zoll-Alus immer dazu. Der Seat erscheint als einziger auf 16-Zoll-Rädern zum Turnier. Zwar steckt auch dem Spanier ein guter Schuß Sportlichkeit in den Federn, es muß aber dennoch niemand um seine Bandscheiben fürchten.

So richtig satt liegt der Spanier auf der Straße. Und zum Temperament des Motors paßt diese Auslegung allemal. Auch der Mazda beherrscht die Etikette. Schwere Platzfehler sorgen schon für Unruhe im 3er, böse Schläge oder gar Fouls verteilt die Federung aber nicht. Der Japaner will als guttrainierter Freizeitsportler punkten – und gewinnt damit durchaus Sympathien. Die er beim Preis in Teilen wieder verspielt.

Bei 17.990 Euro geht der Spaß im Leon los

Trotz guter Ausstattung erinnern die 20.490 Euro für den 2.0 Active nicht gerade an einen Ausverkauf im Golf-Shop. Mit noch mehr Ausstattung (Xenon-Licht Serie), aber auch noch teurer, beweist der C4 2.0 Exclusive, daß Golfen schon immer etwas mehr kostete. 23.190 Euro sind viel Geld, wer aber jetzt zugreift, bekommt bei Citroën pauschal 3000 Euro Nachlaß. Der Civic 1.8 Comfort liegt mit 19.300 Euro selbst ohne Rabatt noch darunter. Dennoch präsentiert er sich nicht als nackte Kanone.

Diesen Eindruck könnte man eher beim Leon 2.0 Reference gewinnen. Weder Bordcomputer noch Nebellampen oder Klimaanlage gehören im Basismodell dazu. Bei einem Kampfpreis von 17.990 Euro erübrigt sich aber jegliches Meckern. Immerhin fährt hier ein schön verpackter Golf V vor. Die technische Basis liefert sein berühmter Bruder aus Wolfsburg. Es gibt wahrlich schlechtere Handicaps ...

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Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Seat Leon 2.0 FSI, Honda Civic 1.8, Mazda3 Sport 2.0 und Citroën C4 2.0 16V. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Gerald Czajka

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